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Supermärkte tun zu wenig gegen Ausbeutung

Eine ältere Bäuerin mit Bananen auf der Schulter in einer Plantage
Was auf manchen Bildern fast wie ein bäuerliches Idyll aussieht, täuscht: Die Menschen, die unsere Lebensmittel herstellen, werden oft ausgebeutet.
Foto: © visoot/StockAdobe

In unseren Supermärkten finden wir zum Beispiel Weintrauben und Wein aus Südafrika zu Niedrigstpreisen, während die Arbeiter im Weinanbau ausgebeutet werden. Sie erhalten nicht einmal den Mindestlohn, erleiden Gesundheitsschäden durch Pestizide und haben kaum Möglichkeiten, ihre Rechte mit Hilfe von Gewerkschaften durchzusetzen. Ähnliche Arbeitsbedingungen in den Lieferketten hat Oxfam in Fallstudien zu anderen Produkten wie Bananen, Ananas und Mangos aufgedeckt. Menschenrechtsverletzungen sind hier an der Tagessordnung.

Im Fokus: Geschäftspolitik und Umgang mit Menschenrechten in der Lieferkette

Der Oxfam Supermarkt-Check 2019 analysiert die Geschäftspolitik der
Supermärkte und deren Umgang mit Menschenrechten in der Lieferkette.
Dafür werden knapp 100 Bewertungskriterien auf Grundlage der
UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte herangezogen.
Verglichen wurden bei Aldi Süd, Aldi Nord, Edeka, Lidl und Rewe die Aspekte Transparenz und Unternehmensführung, Achtung von
Arbeitnehmerrechten in der Lieferkette, Umgang und
Handelsbeziehungen mit Kleinbauern sowie Geschlechtergerechtigkeit und
Frauenrechte.

Insgesamt immer noch schlechte Ergebnisse

Der diesjährige Supermarkt-Check zeigt gegenüber dem letzten Jahr kleine Verbesserungen bei vier der untersuchten deutschen Ketten, lediglich bei Edeka stellt der Test keinerlei positive Entwicklung fest. Insgesamt schneiden die hiesigen Händler jedoch weiterhin schlecht ab: Kein Supermarkt erzielt auch nur ein Fünftel der erreichbaren 100 Punkte.

Aldi verbessert sich am meisten, vor allem in Sachen Transparenz

Am besten schneidet diesmal Aldi Süd mit 19 Punkten ab; 2018 hatte der Discounter nur einen Punkt bekommen und hat sich damit am meisten verbessert und die anderen Supermärkte überholt. Das Unternehmen hat vor allem grundlegende Maßnahmen im Bereich Transparenz ergriffen, eine Risikoanalyse zu Menschenrechtsverletzungen seiner Produkte veröffentlicht und auf Führungsebene einen Menschenrechtsbeauftragten eingesetzt. Rewe erreicht 13 Punkte in der Gesamtbewertung, Lidl nur neun, Aldi Nord lediglich fünf und mit einem einzigen Punkt landet diesmal Edeka auf dem letzten Platz – auch im internationalen Vergleich ist Edeka Schlusslicht.

Die leichten Verbesserungen der anderen Unternehmen sind laut Oxfam eher Trippelschritte, etwa der teilweise Einkauf von Fair-Trade-Produkten oder die Unterstützung von Kleinbauern in einzelnen Projekten. Ansonsten legt noch immer keiner der deutschen Supermärkte seine Lieferanten offen und gibt Informationen zu dort herrschenden Arbeitsbedingungen heraus.

Supermärkte in Großbritannien schneiden am besten ab

Der Check wurde auch in Großbritannien, den Niederlanden und den USA durchgeführt. Was das Thema Transparenz betrifft, gehe es auch anders als in den meisten deutschen Supermärkten, so Oxfam. Zum Beispiel haben sich die niederländischen Supermarktketten Albert Heijn und Jumbo im Frühjahr zur Offenlegung ihrer direkten Zulieferer verpflichtet. Insgesamt erzielten die Ketten in den drei Ländern aber auch nur zwischen drei und 38 Punkten, also nicht einmal die Hälfte des möglichen Werts. Wie auch im letzten Jahr schneiden die britischen Supermärkte am besten ab. Der bestplatzierte Supermarkt Tesco (38 Punkte) will auch bei Zulieferern existenzsichernde Löhne einführen und hat begonnen, mit Gewerkschaften zusammenzuarbeiten. Der Händler Sainsbury’s kam auf 27 Punkte, gefolgt von der US-amerikanischen Kette Walmart mit 23 Punkten.

Fazit: Die Handelsketten werden ihrer Verantwortung nicht gerecht

Oxfam kommt aufgrund des Checks zu dem Urteil, dass die Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Verantwortung nicht gerecht werden (wie es um die Einhaltung der Menschenrechte beim Personal der Handelsketten aussieht, war nicht Gegenstand der Untersuchung). Sie dürften nicht zulassen, dass andere die Rechnung zahlen. Die Organisation fordert, dass Supermärkte Menschenrechtsverletzungen bei ihren Lieferanten ermitteln müssen. Sie müssten Kleinbauern angemessene Preise zahlen, mit Gewerkschaften zusammenarbeiten, um für faire Löhne zu sorgen, sowie Frauen vor Gewalt und Diskriminierung schützen.

Das Factsheet zum Supermarkt-Check 2019 steht > hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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