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Sollen Teamevents wieder persönlich statt virtuell stattfinden?

Beim Grillfest entspannt zusammenkommen und von Angesicht zu Angesicht ungezwungen mit Kolleginnen und Kollegen sprechen – danach haben sich in der vergangenen Corona-Zeit viele Menschen gesehnt. Einige Unternehmen haben genau das trotz Pandemie für ihre Mitarbeitenden organisiert, andere halten weiterhin an virtuellen Gruppentreffen fest. Für beide Entscheidungen gibt es gute Gründe. Drei Unternehmen verraten, warum sie sich für eine der beiden Varianten entschieden haben.

Grillfest mit rund 100 Menschen

Bei s-peers gab es ein Sommerfest mit rund 100 Gästen. (Foto: s-peers).
Bei s-peers gab es ein Sommerfest mit rund 100 Gästen. (Foto: s-peers).

Bei s-peers hat ein physisches Zusammenkommen der Mitarbeitenden einmal im Jahr Priorität. Denn: “Die meisten unserer Mitarbeitenden sind Berater oder Beraterinnen”, sagt Marita Köpper, CFO und HR-Verantwortliche des Beratungshauses. “Auch in Nicht-Coronazeiten kann es vorkommen, dass sich manche Mitarbeitenden nicht persönlich sehen, weil sie bei den Kunden vor Ort oder im Homeoffice sind.” Das jährliche Treffen in Form eines Sommerfestes sei deshalb essenziell. Auch in diesem Jahr sei dabei gegrillt und getrunken worden, während sich das Team austauschte. “Da die rechtliche Lage dies erlaubt hat, gab es für uns kein Argument, das Grillfest nicht stattfinden zu lassen”, sagt Marita Köpper. Insgesamt fanden sich rund 100 Mitarbeitende und ihre Angehörigen in der Location im Freien zusammen.

Unsicher wegen der Anzahl an Menschen auf einem Fleck habe sie sich nicht gefühlt, das Unternehmen hätte bei einer entsprechenden Rechtslage auch noch mehr Teilnehmende erlaubt. Die Veranstaltung sei schließlich im Freien gewesen, zudem wurde die 3G-Regel durchgesetzt. Wer den Test vergessen hatte, habe ihn vor Ort nachholen können; Möglichkeiten hierfür bot das Organisationsteam an. Diese Vorkehrungen habe auch bei den Teilnehmenden dafür gesorgt, dass sie sich vor einer möglichen Ansteckung geschützt fühlten, sagt Köpper. Unsicher sei das Organisationsteam nur wegen der sich ständig ändernden rechtlichen Lage gewesen. “Wir wussten bis kurz vorher nicht, ob wir das Event durchführen können”, sagt die HR-Verantwortliche.

Drei-Tage-Event im Allgäu

Drei Tage hat das Team von Octopus Engergy gemeinsam im Allgäu verbracht. (Foto: Octopus Energy).
Drei Tage hat das Team von Octopus Engergy gemeinsam im Allgäu verbracht. (Foto: Octopus Energy).

Bei dem globalen Lieferanten für Ökostrom und Gas Octopus Energy ist man beim Teamtreffen noch einen Schritt weitergegangen – auch weil sich viele der Mitarbeitenden noch nie face-to-face gesehen hatten. Drei ganze Tage verbrachten rund 50 Mitarbeitende miteinander im Allgäu. Eingehüllt in Unternehmensshirts lernten sie sich beim Rafting, Bogenschießen, Klettern im Klettergarten, Biathlon und einer kleinen Wanderung besser kennen. “Wir sind auf dem deutschen Markt erst 2020 gestartet und haben das Team seitdem um fast ein Drittel vergrößert”, sagt Andrew Mack, CEO des Unternehmens. “Viele der Teammitglieder kannten sich deshalb vorher nur aus Videokonferenzen.” Deshalb hätten sich die Mitarbeitenden sehr auf das Event gefreut, Unsicherheiten vonseiten der Kollegen und Kolleginnen hat auch Mack nicht festgestellt.

Dafür habe auch der verpflichtende aktuelle PCR-Corona-Test gesorgt, den alle Teilnehmenden ablegen mussten, um am Event teilnehmen zu können. “Zudem war ein Großteil unserer Kollegen und Kolleginnen zu diesem Zeitpunkt geimpft”, sagt Mack. Auch beim Teamevent von Octopus Energy hat man sich auf Aktivitäten unter freiem Himmel fokussiert. “Daran hat auch das schlechte Wetter nichts geändert”, so Mack.

Was allerdings bedeutend für das Organisationsteam war: die Teilnehmeranzahl beim Event. “Unsere Grenze hätte circa bei 80 Teilnehmern gelegen. Ab dieser Zahl wäre es uns zu heikel gewesen und wir hätten noch ein wenig gewartet oder andere Lösungen in Erwägung gezogen”, sagt Mack. Dann hätten wahrscheinlich weiterhin die bereits bestehenden virtuellen Treffen zum persönlichen Austausch reichen müssen, um ein Zugehörigkeitsgefühl im Team zu kreieren. Das Team zu splitten und sich in kleineren Gruppen face-to-face zu treffen, käme für Octopus Energy nicht infrage. “Wir wollten, dass sich wirklich alle live treffen, weil wir uns als ein großes Team sehen”, sagt Mack.

Virtuelle Meetings gibt es bei Octopus Energy einige: Online-Quiz-Abende, Fitness-Workouts, Lunch-and-Learn-Meetings sowie sogenannte Family Dinner. In den einzelnen Teams gebe es zusätzlich “Team Huddles”. “Dabei lernt man sich von Mensch zu Mensch kennen – abseits projektbezogener Themen”, erklärt Mack das Konzept dahinter. Das sei wichtig. Denn: “Je besser man sich zwischenmenschlich kennt, desto besser ist die Zusammenarbeit.” Das Teamevent im Allgäu habe nach eigenen Aussagen schon einmal zu einem Motivationsschub in der Belegschaft geführt.

Auch sozialer Austausch muss rein virtuell stattfinden

Während gerade kleinere Unternehmen wie s-peers und Octopus Energy den Schritt zurück zu Face-to-Face-Veranstaltungen gewagt haben, halten Konzerne häufig noch am virtuellen Zusammenkommen fest. So auch die Deutsche Bank. “Gesellige Face-to-Face-Veranstaltungen mit direktem Bezug zur Deutschen Bank sind leider nicht gestattet”, sagt eine Sprecherin des Finanzunternehmens. Deshalb fänden Weihnachtsfeiern, Jubiläen oder Verabschiedungen, aber auch Teambuildingmaßnahmen weiterhin nur im virtuellen Raum statt. Denn unternehmensintern habe man entschieden, dass alle anderen Arten des physischen Zusammenkommens aufgrund der Pandemielage zu gefährlich seien. Die virtuellen Meetings seien eine gute Alternative zu physischen Zusammenkünften. “Aber natürlich verkennen wir nicht den hohen Wert persönlicher Treffen”, sagt die Deutsche Bank-Sprecherin.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.