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Experten diskutieren, wie hybrides Arbeiten gelingen kann

Eine Mischung aus Remote- und Präsenzarbeit kristallisiert sich immer mehr als Arbeitsformat der Zukunft heraus. Doch wie können Unternehmen hybrides Arbeiten effizient und sozial gestalten? Wir haben drei gefragt, die es wissen müssen.

Xenia Meuser, New Work SE, hat die Erfahrung gemacht, dass virtuelle Events den kleinen aber feinen Unterschied machen können. (Foto: New Works SE)
Xenia Meuser, New Work SE, hat die Erfahrung gemacht, dass virtuelle Events den kleinen aber feinen Unterschied machen können. (Foto: New Works SE)

Wie kann hybrides Arbeiten erfolgreich gelingen? Zu dieser Frage haben sich im Rahmen der New-Work-SE-Veranstaltung “NWX21” (New Work Experience 2021) Xenia Meuser von der New Work SE, Tobias Krüger von der Otto Group sowie Jonas Spengler von der Wander- und Radtourenverzeichnis-App Komoot ausgetauscht. Moderiert wurde die Veranstaltung von Cliff Lehnen, Chefredakteur der Personalwirtschaft. Das Ergebnis: ein Bild der aktuellen Lage zum hybriden Arbeiten und Tipps, um diese produktiv und sozial zu gestalten.

Eine Frage der Beziehung

Um teilweise remote arbeiten zu können, brauche es zunächst eine gute technische Ausstattung und Digitalkompetenz unter den Mitarbeitenden, sagt Xenia Meuser, die bei der New Work SE die Position Senior Vice President Attract & Retain, Brand & Marketing innehat. Die ehemalige Personalleiterin gibt in dieser Rolle seit dem Frühjahr ihre praktische HR-Erfahrung an Kunden weiter. Die Technik, so Meuser, sei allerdings nicht mehr das Problem. Eine größere Herausforderung sei es, den sozialen Austausch zwischen den Mitarbeitenden aufrechtzuerhalten. Bei der New Work SE wolle man den etwa durch wöchentliche Meetings der ganzen Belegschaft ermöglichen. Bei den sogenannten “Campfires” stellen jeweils ausgewählte Teams vor, woran sie aktuell arbeiten. Außerhalb des Arbeitskontexts werde der Austausch zwischen den Mitarbeitenden auch durch besondere digitale Events gestärkt. So wurde etwa zu Weihnachten ein “Couch-Fest” veranstaltet. Für die Mitarbeitenden gab es dabei ein Unterhaltungsprogramm, ein physisches Päckchen mit Leckereien (nach Hause geliefert) und spontane Live-Schalten ins Wohnzimmer der Kollegen. Für das Frühjahr sei ein Spring-Festival in ähnlichem Stil wie das Couch-Fest geplant, bei dem sich virtuelle Spiele und inhaltliche Beiträge abwechseln. “Es braucht ein bisschen mehr, um die Unternehmenskultur auch remote erlebbar zu machen”, sagt Meuser.

Um Leute miteinander zu verbinden ist nichts so gut, wie der direkte physische Kontakt.

Laut Jonas Spengler von Komoot ist die richtige mentale Einstellung für ein erfolgreiches hybrides Arbeiten nötig. (Foto: Komoot)
Laut Jonas Spengler von Komoot ist die richtige mentale Einstellung für ein erfolgreiches hybrides Arbeiten nötig. (Foto: Komoot)

Auch das Start-up Komoot setzt auf Teamevents, die vorrangig den Zweck haben, zu vernetzen. Weil die Komoot-Mitarbeitenden bereits seit 2017 komplett remote arbeiten, setzte die Geschäftsführung hinsichtlich der Events ihren Fokus auf physische Treffen – bis zum Beginn der Pandemie. Denn: “Um Leute miteinander zu verbinden ist nichts so gut, wie der direkte physische Kontakt” sagt Geschäftsführer und CTO Jonas Spengler. Auch werde bei Komoot versucht, den Mitarbeitenden remote das Gefühl zu vermitteln, dass sie gemeinsam mit ihren Kollegen beschäftigt sind und nicht isoliert alleine vor sich hin arbeiten. Deshalb findet montags ein Meeting statt, bei denen Teams vorstellen, woran sie gerade arbeiten, welche Erfolge und Fehler verzeichnet wurden und was man aus den Projekten gelernt hat. Das Meeting werde auch zum Anlass genommen, um News aus dem Unternehmen zu teilen – nach klaren Kommunikationsregeln und -strukturen. Bei all diesen Maßnahmen für mehr Austausch sei es wichtig, regelmäßig neue Formate einzuführen, sagt Spengler – das erhöhe die Aufmerksamkeit und die Mitmachquote. Das sieht man auch bei der Otto Group, so. “Das achte Mal remote Pizzaessen macht auch keinen Spaß mehr”, sagt Tobias Krüger, Leiter des Teams Kulturwandel 4.0.

Mangel an Struktur und Effizienz?

Tobias Krüger von der Otto Group spricht sich für möglichst viele Freiheiten der Mitarbeitenden aus. (Foto: Otto Group)
Tobias Krüger von der Otto Group spricht sich für möglichst viele Freiheiten der Mitarbeitenden aus. (Foto: Otto Group)

Die hybride Arbeit ermöglicht verschiedene Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle, was erst einmal mehr nach Chaos als nach einer funktionierenden Struktur klingt. Bei Komoot gibt es laut Geschäftsführer Spengler deshalb eine Kernarbeitszeit zwischen 10 und 15 Uhr. In der Otto Group hingegen ist es bei den remote arbeitenden Beschäftigten egal, wann sie ihre Aufgaben erledigen, betont Krüger: “Wir glauben, unsere Mitarbeitenden sind schlau und lösen das in ihren jeweiligen Kontexten. Die Hauptsache ist, dass die Arbeit bis zur Deadline erledigt wird.” Einbußen der inhaltlichen Qualität der Arbeit habe Krüger trotz der frei einteilbaren Arbeitszeit und der nicht vorhandenen physischen Präsenz einiger Abteilungen innerhalb der Otto Group nicht beobachtet. Und falls es in dem einen oder anderen Team hapert, könnten dadurch interessante Rückschlüsse auf die Fähigkeit einer Führungskraft geschlossen werden.

Jede und jeder Einzelne sollte ein mögliches Problem ansprechen und die Hand heben, wenn etwas fehlt.

Xenia Meuser von der New Work SE sieht aber auch den einzelnen Mitarbeitenden in der Verantwortung. “Jede und jeder Einzelne sollte ein mögliches Problem ansprechen und die Hand heben, wenn etwas fehlt.” Dafür müsse die Unternehmenskultur allerdings auf Vertrauen und Wertschätzung basieren und den offenen Umgang mit Fehlern zulassen. Es solle möglich sein, dass Mitarbeitende über Konzentrationsprobleme bei Online-Meetings sowie mögliche Belastungen durch den permanenten Umgang mit technischen Tools sprechen können.

Um bei der hybriden Arbeit effizient zu sein, kommt es laut Komoot-Gründer Jonas Spengler vor allem auch auf das richtige Mindset an. “Man muss in der Lage sein, Entscheidungen losgelöst von Raum und Zeit zu treffen”. Auch sei es hilfreich, Teammitglieder als Experten mit in diese Entscheidungen zu integrieren und den Mitarbeitenden zuzuhören. “Dadurch wollen wir für den Einzelnen wichtige Themen mit in die generelle Kommunikation des Teams bringen”, sagt Spengler. Denn ohne eine gute Kommunikation könne das hybride Arbeiten nicht funktionieren.

Fünf Learnings aus der Masterclass:

Damit hybrides Arbeiten funktioniert, bedarf es …

  • virtueller Meetings, die speziell den sozialen Austausch fördern,
  • regelmäßigem physischen Kontakt der Mitarbeitenden,
  • einem Einholen von Feedback der Kollegen und einer offenen Kommunikation 
  • einer Betrachtung der Arbeit unabhängig von Raum und Zeit
  • sowie einer Wahrnehmung des individuellen Kontexts des Mitarbeitenden.

Die Talkrunde war Teil der NWX21, bei der sich Experten über mehrere Tage hinweg zu relevanten Themen hinsichtlich New Work austauschten. Insgesamt nahmen an der Veranstaltung mehr als 6.000 Interessierte teil. Hier finden Sie das Video zum Talk über hybrides Arbeiten.