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Unklarheiten und viel heiße Luft

Führungskräfte und Mitarbeiter beurteilen das Thema Agilität im Unternehmen recht unterschiedlich. So stufen Manager ihre Organisation agiler ein als dies bei den Arbeitnehmern der Fall ist: 70 Prozent der Führungskräfte sind der Meinung, dass ihr Unternehmen bereits ausreichend agile Strukturen und Führungsmodelle einsetzt, um sich bei Bedarf schnell auf veränderte Markt- und Kundenanforderungen einzustellen. Von den Mitarbeitern dagegen ist nicht einmal ein Drittel dieser Meinung. Der größte Anteil (35 Prozent) der Angestellten allerdings sieht sich gar nicht erst in der Lage, dies zu beurteilen.

Definitionswirrwarr

Was verstehen Führungskräfte und Mitarbeiter überhaupt unter Agilität? Nur die wenigsten Unternehmen haben dafür eine einheitliche Definition. Gleichzeitig fehlt das Wissen darüber, welche agilitätsfördernden Strukturen und Instrumente es überhaupt gibt. 25 Prozent der Mitarbeiter beantworten diese Frage mit der individuellen Gestaltung von Arbeitszeit und -ort. Bei den Führungskräften liegt dieser Aspekt auf Platz zwei. Für die meisten Manager (38 Prozent) bedeutet Agilität, dass Mitarbeiter in Unternehmensentscheidungen eingebunden werden. Aber nur 18 Prozent der befragten Mitarbeiter sind der Meinung, dass sie tatsächlich mitentscheiden dürfen. Das sind Ergebnisse des Agilitätsbarometers von Haufe. Dafür wurden Ende 2015/Anfang 2016 in Kooperation mit TNS Infratest 400 Führungskräfte und 800 Angestellte deutscher Unternehmen aller Branchen mit mehr als hundert Mitarbeitern befragt. Zwei Drittel der interviewten Führungskräfte haben seit fünf oder mehr Jahren Führungs- oder Personalverantwortung.

Einschätzungen von Managern und Angestellten divergieren

Auch bei der Frage nach der Existenz agiler Unternehmensstrukturen gehen die Meinungen von Management und Mitarbeitern auseinander. Während mehr als jede zweite Führungskraft der Meinung ist, dass mindestens ein Viertel der Mitarbeiter bereits in selbstorganisierten Teams oder Projektteams arbeitet, können das nur 26 Prozent der Angestellten bestätigen. Unterschiedliche Einschätzungen gibt es auch, wenn es um den Vergleich des Unternehmens mit Mitbewerbern geht. Mehr als zwei Drittel der Führungskräfte halten die eigene Organisation für agiler als die Konkurrenz. Diese Ansicht teilen aber nur 41 Prozent der Mitarbeiter. Mehr als ein Viertel der Mitarbeiter (28 Prozent) gab an, diese Frage nicht beurteilen zu können.

Agile Arbeitsmethoden besonders bei Mitarbeitern kaum verbreitet

Dass Führungskräfte ihr Unternehmen generell agiler einschätzen als es Mitarbeiter tun und diese den Agilitätsgrad oft gar nicht beurteilen können, erklärt Bernhard Münster, Senior Product Manager bei Haufe und Initiator der Studie, damit, dass Mitarbeiter mit agilen Strukturen und Führungsmodellen bisher viel weniger in Berührung gekommen sind als Führungskräfte. So arbeiten bereits 18 Prozent der Führungskräfte mit Methoden wie Scrum oder Design Thinking, während es bei den Mitarbeitern nur acht Prozent. Denkbar sei aber auch, dass die Möglichkeit und Sinnhaftigkeit der Maßnahmen nicht hinreichend kommuniziert werde und somit beim Mitarbeiter gar nicht erst ankomme, so Bernhard Münster.

Mehr Schein als Sein

Die Studie schließt aus den Befragungsergebnissen, dass es sich beim Thema Agilität und deren Umsetzung im Unternehmen oft eher um Schein als um Sein handelt. Die Maßnahmen, die von den Führungskräften genannt werden, seien in der Unternehmenslandschaft bereits weit verbreitet und führten nicht zwangsläufig zu einer gesteigerten Reaktionsfähigkeit. So reichten etwa eine Einbindung der Mitarbeiter in Unternehmensentscheidungen und flexible Arbeitszeiten und -orte bei weitem nicht aus, um für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein. Dazu müsse auch die Organisationsstruktur agiler werden.

Wenn Unternehmen ein Change hin zu mehr Agilität auf allen Ebenen gelingen soll, ist auch ein kultureller Wandel gefordert,

sagt Bernhard Münster. Außerdem lasse sich aus den Studienergebnissen eine wichtige Führungsaufgabe ableiten: Mitarbeitern die im Unternehmen bereits vorhandenen agilen Strukturen nahe zu bringen und deren Notwendigkeit für die Zukunft des Unternehmens zu kommunizieren.

Die vollständigen Befragungsergebnisse können > hier zum Download angefordert werden.

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