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Deutsche Unternehmen müssen familienfreundlicher werden

Zwei Hände
Väter fürchten oft die Folgen einer längeren Elternzeit. Foto: © ThorstenF/px

Denn nicht selten bringt die Elternzeit einen deutlichen
Karriereknick mit sich: Jede fünfte Mutter berichtet nach einer
langen Elternzeit von negativen Auswirkungen auf den beruflichen
Werdegang.

Wirtschaftliche Gründe aber auch
gesellschaftliche Vorurteile und traditionelle Rollenbilder sind die Ursachen, weshalb Väter in Elternzeit weiterhin eine
Seltenheit sind. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie für die LinkedIn und das unabhängige Marktforschungsinstitut YouGov mehr als 1.000 Mütter und Väter in Deutschland befragt haben, deren
Kinder höchstens 12 Jahre alt sind.

Je mehr Elternzeit, desto besser

Wenn Geld und Karriere keine Rolle
spielen würden, könnten sich 74 Prozent eine möglichst lange Elternzeit vorstellen (Männer:
69 Prozent, Frauen: 79 Prozent). In der Realität geben allerdings 91 Prozent der
befragten Mütter an, den Großteil der Elternzeit genommen zu haben. Im
Schnitt beziehen Mütter durchschnittlich 11 Monate Elterngeld, 76
Prozent schöpfen die vollen zwölf Monate aus. Männer kommen im Durchschnitt
auf drei Monate.

Barbara Wittmann, Country Managerin LinkedIn DACH, sagt zu den Gründen für die Ungleichverteilung:

Mütter und Väter sind sich erstaunlich einig über die Gründe, die zu
einer ungleichen Verteilung der Elternzeit führen – auffällig ist, dass
Frauen sich selbst ein noch stärkeres Bedürfnis zuschreiben, länger beim
Kind zu bleiben. Es geht demensprechend also zum einen um die Fragen,
wie wir eine gerechtere Bezahlung von Frauen sicherstellen und wie wir
Männer darin ermutigen können, ihrem Wunsch nach einer längeren
Elternzeit nachzugehen. Zum anderen müssen wir uns grundsätzliche
Gedanken dazu machen, wie eine familienfreundliche Unternehmenskultur
wirklich aussieht – so dass alle Modelle funktionieren, ganz gleich wer
wie lange in Eltern- oder Teilzeit geht. Letztendlich ist die Vereinbarkeit von Beruf
und Familie nicht nur aus gesellschaftlichen Gründen wünschenswert,
sondern für Unternehmen auch von wirtschaftlichem Vorteil: Unternehmen,
die sich um eine familienfreundliche Kultur bemühen, können sich im
immer stärker werdenden Kampf um Talente vorteilhaft positionieren.

Wie familienfreundlich sind deutsche Unternehmen wirklich?

Einig sind sich die befragten Eltern darin, dass
Deutschlands Unternehmen mehr tun müssen, um die Vereinbarkeit von Beruf
und Familie zu gewähren. Noch nicht einmal jeder Zweite bewertet sein
Unternehmen als familienfreundlich. Nur knapp 43 Prozent (Väter 41 Prozent, Mütter 45
Prozent) denken, ihr aktueller Arbeitgeber misst Maßnahmen zur
Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausreichend Bedeutung bei. Maßnahmen wie flexible Arbeitszeitmodelle werden in deutschen Unternehmen noch relativ häufig praktiziert (65 Prozent), aber nur jeder Zweite hat die
Möglichkeit im Home-Office zu arbeiten und nur 38 Prozent der befragten
Eltern erhalten Kinderbetreuungszuschüsse.

Dazu Inga Dransfeld-Haase, Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM):

Wie die jüngste Studie von LinkedIn zeigt, klafft zwischen unserer
Vorstellung von der Arbeitswelt und der Realität noch eine viel zu große
Lücke. Es kann nicht sein, dass wir hochqualifizierte Menschen, nur
weil sie ihre Arbeitszeit im Zuge der Familiengründung reduzieren, ins
berufliche Aus katapultieren. Elternzeit oder Teilzeit dürfen nicht
länger mit Karriereknick assoziiert werden. Wir brauchen keine starren
zeitlichen Grenzen, die Menschen vorschreiben, wann und wie sie zu
arbeiten haben. Im Gegenteil: wir brauchen vorbildlich gelebte und
bedarfsgerechte Arbeitsmodelle, die Müttern und Vätern Mut machen, ihre
Arbeit flexibel zu gestalten. Und den Personalern damit eine Grundlage
geben, diese Modelle weiter zu institutionalisieren.

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