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Sind die Mitarbeiter fit für die automatisierte Arbeitswelt?

Durch Weiterbildung vom Fabrikarbeiter zum Steuerer von Robotern - sicher eine Perspektive für einige Mitarbeiter.
Foto: © Ingo Bartussek/Fotolia.de
Durch Weiterbildung vom Fabrikarbeiter zum Steuerer von Robotern – sicher eine Perspektive für einige Mitarbeiter.
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Eine aktuelle Studie hat ein Szenario entwickelt, das aufzeigt, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirken könnte. Danach bräuchten Berufstätige nicht befürchten, arbeitslos zu werden, sofern es ihnen gelänge, ihre Qualifikation den neuen Job-Anforderungen anzupassen. Unternehmen, so die Studie, müssten ihre Mitarbeiter nicht nur digital fitmachen, sondern auch vermehrt in sozialer Kompetenz und Selbstorganisation schulen.

Während einige Experten prognostizieren, dass durch die Digitalisierung massiv Arbeitsplätze abgebaut werden und die Zahl der Arbeitslosen steigen wird, geht eine Studie von McKinsey & Company und der gemeinnützigen Organisation Ashoka davon aus, dass im Zuge der Automatisierung und damit einhergehender erhöhter Produktivität insgesamt mehr Stellen geschaffen als gestrichen werden. Zwar würden in den nächsten zehn bis 20 Jahren 65 Prozent aller heute von Menschen ausgeübten Tätigkeiten automatisierbar sein, doch in westlichen Ökonomien würden nur 15 Prozent aller Jobs wegfallen, während 21 Prozent neue hinzukämen. Neben Jobs, die explizit mit der Digitalisierung in Verbindung stehen, handele es sich hauptsächlich um Arbeitsplätze, die aufgrund steigender Einkommen, der medizinischen Betreuung alternder Bevölkerungen, Investitionen in Infrastruktur, Bauaktivitäten und Energie zusammenhängen, außerdem würde es einen wachsenden Markt für bislang unbezahlte Arbeit geben.

Alte Qualifikationen passen nicht zu den neuen Anforderungen

Das eigentliche Problem, so die Studie, sei nicht der Abbau von Arbeitsplätzen, sondern der Skill Gap, ein Missverhältnis der Qualifikationsanforderungen zwischen den alten und neuen Jobs. Neben digitalen Fähigkeiten seien künftig vor allem auch soziale Kompetenzen und Meta Skills verstärkt gefragt. Das schlimmste Szenario sei, wenn Millionen von Menschen arbeitslos wären trotz einer massiven Zunahme neuer Stellen. Laut Studienberechnungen müssten in Deutschland 32 Prozent der Berufstätigen bis 2030 ein neues Betätigungsfeld finden, damit Vollbeschäftigung gesichert sei.

Weiterbildungsmodelle für die Zukunft

Trotz dieser Prognose scheinen die Studienautoren offenbar optimistisch zu sein und davon auszugehen, dass es durch Weiterbildung funktionieren kann, allen Menschen trotz der fortschreitenden Automatisierung einen Arbeitsplatz zu sichern. Wie das gesamtgesellschaftlich gelingen könnte, sagt die Studie nicht. Auf Unternehmensebene jedoch müssten, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ganz neue Formen und Inhalte der Aus- und Weiterbildung entwickelt werden.

Technologische Schulungen als erste kurzfristige Maßnahme

Nach Ansicht der Studienautoren sollten Arbeitgeber systematisch zwischen vier Formen und Inhalten der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter unterscheiden und dafür entsprechende Angebote entwickeln, um die Belegschaft auf die Arbeitswelt 4.0 vorzubereiten. Beim “Upskilling” und “Reskilling” geht es um kurzfristige Maßnahmen, mit denen Unternehmen auf die ersten Wellen technologischer Veränderungen reagieren können. “Upskilling” bedeutet danach, alle Mitarbeiter in allen Jobs darin zu schulen, neue Technologien anwenden zu können. Fabrikarbeiter zum Beispiel müssten in der Bedienung von Robotern oder digitalen Überwachungssystemen geschult werden. “Digital Reskilling” heißt, Mitarbeitern in IT- und Technikberufen völlig neue Fähigkeiten zu vermitteln, die durch die geänderten Anforderungen etwa bei Bau und Entwicklung von Robotern, Cloud Computing oder der Datenverarbeitung entstehen.

Sozialkompetenz und Selbstlernfähigkeiten vermehrt gefragt

Außerdem bräuchten Unternehmen Mitarbeiter, die Kollegen auf die Veränderungen der Arbeitswelt vorbereiten sowie zum Lernen und Entwickeln neuer Fähigkeiten motivieren; auch im Umgang mit Kunden werde erweitertes Einfühlungsvermögen benötigt. Dieses Qualifizierungsfeld bezeichnet die Studie als “Human Reskilling”. Darüber hinaus müssten “Meta Skills” geschult werden – langfristig benötigte Fähigkeiten wie Selbstorganisation, Führungs-, Anpassungs- und Teamfähigkeit oder Kreativität, da lebenslanges Lernen und die Notwendigkeit, sich auf Veränderungen einzulassen und zu bewältigen, immer wichtiger würden. Die Studie enthält ein paar Beispiele von innovativen Sozialunternehmern aus dem Ashoka-Netzwerk, die zeigen sollen, wie die Vermittlung dieser Fähigkeiten in der Praxis gelingen kann.

Die Ergebnisse der Studie “The Skilling Challenge” können > hier in englischer Sprache heruntergeladen werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.