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Unternehmensnachfolge macht Mittelstand Bauchschmerzen

Älterer Geschäftsmann in repräsentativen Gebäude schaut zufrieden, die Hände in den Hosentaschen
Er schaut zufrieden aus und hat vielleicht einen Nachfolger für sein Unternehmen gefunden. Doch viele Senior-Chefs haben damit Probleme.
Foto (CCO): pexels.com

Die Sorgen des Mittelstands hinsichtlich der Unternehmensnachfolge nehmen zu. Der aktuelle “DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2018” des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zeigt, dass 47 Prozent der Senior-Unternehmer im Jahr 2017 noch keinen passenden Nachfolger im Blick hatten. Insgesamt waren 3105 Betriebe betroffen. Auf der anderen Seite waren 70 Prozent der potenziellen Nachfolger noch nicht fündig geworden. Bei beiden Zahlen handelt es sich um Höchststände in der seit 2007 geführten Statistik. Insgesamt 6674 Senior-Unternehmer und 4321 Übernahmeinteressierte ließen sich 2017 bei ihrer IHK zum Thema Nachfolge beraten – auch das sind Rekordwerte. Die Studie beruht auf mehr als 23 000 Kontakten der IHK-Experten mit Übergabe- und Übernahmeinteressierten.

Hürden: Bürokratie und ungeklärte rechtliche Fragen

Dass es schwieriger geworden ist, die Unternehmensnachfolge zu regeln, liegt laut Report an mehreren Gründen. Eines der Hindernisse ist, dass die nach wie vor nicht geklärten Fragen bei der Anwendung des neuen Erbschaftsteuerrechts weiterhin für große Verunsicherung sorgen. Jeder vierte potenzielle Nachfolger (25 Prozent) gab in der Beratung an, dass dieser Aspekt die familieninterne Stabsübergabe erschwert. Auch habe das Unternehmertum heute keinen leichten Stand, so der Report. Von den beratenen älteren Unternehmern sagte fast jeder fünfte (18 Prozent), dass er sich heutzutage nicht mehr selbstständig machen würde. Nach Ansicht des DIHK wirken die zunehmende Bürokratie und der Fachkräftemangel entmutigend.

Jeder dritte Senior-Chef kann emotional nicht loslassen

Dazu kommt, dass mehr als ein Drittel (36 Prozent) der befragten Senior-Chefs emotionale Probleme damit haben, ihr Lebenswerk loszulassen. Dies schlägt sich häufig auch darin nieder, dass die Alt-Inhaber den Kaufpreis zu hoch ansetzen: Den IHKs zufolge haben 42 Prozent der Unternehmer zu Beginn der Verhandlungen einen überhöhten Kaufpreis verlangt. Die Verzögerung berge besonders in Zeiten der Digitalisierung Gefahren, so die Studie, auch und gerade bei gewachsenen Unternehmen. Werde zu lange mit der Nachfolge gewartet oder würden Trends des technischen Wandels nicht genug beachtet, würden wichtige Trends verpasst und der Wert der Firma drohe in den Augen von Nachfolgern und Märkten zu sinken.

Positivmeldung: Interesse am Unternehmertum insgesamt wächst

Obwohl der Report aussagt, das Unternehmertum habe zurzeit keinen einfachen Stand, gibt es insgesamt ein wachsendes Interesse an Themen der Unternehmensgründung und -nachfolge. So nahmen im Befragungszeitraum 23501 Senior-Unternehmer und Nachfolgeinteressenten an Nachfolgetagen-, -seminaren und -Beratungen teil – 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Jeder vierte Nachfolgeinteressent ist weiblich

Auch der Anteil der Frauen, die sich für eine Unternehmensübernahme interessieren, ist gestiegen. 2017 machten Frauen rund ein Viertel (26 Prozent) der Nachfolgeinteressenten aus – ein neuer Spitzenwert. Allerdings ist der Anteil von Frauen, die sich für eine Nachfolge interessieren, noch deutlich niedriger als der Anteil von Frauen, die ein eigenes neues Unternehmen gründen wollen: Unter allen beratenen Existenzgründern lag die weibliche Quote bei 40 Prozent.

Der kompletten DIHK-Nachfolgereport 2018 steht zum > Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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