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Vor allem junge Menschen freuen sich auf die Rückkehr ins Büro


Homeoffice - ohne Kollegen
Die Kollegen wären für viele Mitarbeiter ein wichtiger Grund, wieder ins Firmenbüro zurückzukehren. Foto: © Elena-stock.adobe.com

Nach 18 Monaten im Homeoffice ist die Mehrheit der Angestellten in Deutschland bereit, wieder im Firmenbüro zu arbeiten. Die Arbeit von zu Hause aus ist für viele Mitarbeiter mit Unsicherheiten verbunden. Das betrifft die berufliche Weiterentwicklung und weitere Aspekte. Offenbar fehlen vor allem die Kollegen, denn letztere sind der Grund, warum jeder zweite Beschäftige gern wieder an den gewohnten Arbeitsplatz im Firmenbürozurückkehren möchte.

Sorgen um Weiterbildung, Karriere und Gehalt

Die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Glassdoor hat zwischen dem 8. und 10. September dieses Jahres 1.000 deutsche Arbeitnehmer, die während der Pandemie von zu Hause aus gearbeitet haben, zum Thema Homeoffice und Rückkehr in die Firma befragt. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass sich viele Telearbeiter Sorgen machen, beruflich nicht voranzukommen. So befürchten sechs von zehn Studienteilnehmern (62 Prozent), das sich Remote Work negativ auf ihre Weiterbildungs- und ihre Aufstiegs- oder Gehaltsmöglichkeiten auswirkt. Frauen und jüngere Mitarbeiter sind besorgter hinsichtlich ihrer Fortbildungschancen als Männer und ältere Beschäftigte. Dagegen haben Männer mehr Bedenken, dass das Homeoffice ihre Karrierechancen negativ beeinflusst. Insgesamt gibt mehr als jeder zweite Befragte (55 Prozent) an, dass seine Karriere seit Beginn der Corona-Krise stagniert oder sich sogar verschlechtert hat. 45 Prozent sagen hingegen, ihre Aufstiegsmöglichkeiten hätten sich verbessert. Männer (51 Prozent) sehen dies eher so als Frauen (39 Prozent). Die jüngeren Mitarbeiter zwischen 18 und 35 Jahren sind am zufriedensten mit ihren Entwicklungschancen: Fast jeder Vierte hat das Gefühl, dass sich seine Karriere sogar erheblich verbessert hat.

Wenig Verbundenheit mit Kollegen und Unternehmen bei Telearbeit

Ein Aspekt, der für Arbeitgeber besonders wichtig ist: Fast die Hälfte der Studienteilnehmer (45 Prozent) fühlt sich seit der Krise weniger mit den Kollegen verbunden. Bei Frauen ist das (48 Prozent) noch öfter der Fall als bei Männern (41 Prozent). Auch fühlt sich jeder vierte Mitarbeiter (26 Prozent) weniger mit seinem Vorgesetzten verbunden als früher. Und bei gut jedem Fünften (22 Prozent) hat sich das Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen verringert. Dazu kommt, dass immerhin knapp ein Fünftel (19 Prozent) nach eigenen Angaben weniger effektiv arbeitet als vor der Krise. Das gilt insbesondere für die jüngsten Beschäftigten: Von den 18- bis 25-Jährigen sagt fast ein Viertel (23 Prozent) nicht mehr in der Lage zu sein, so effektiv zu arbeiten wie 18 Monate zuvor. Die Mitarbeiter ab 55 kommen offenbar besser damit zurecht, denn lediglich sechs Prozent geben an, dass ihre Effektivität im Job abgenommen hat.

Technikausstattung für viele ein Grund, in der Firma zu arbeiten

Dafür haben ältere Beschäftigte häufiger Probleme mit der Arbeitsausstattung zu Hause. 43 Prozent geben die technische Ausrüstung und einen geeigneten Schreibtisch als wichtigen Grund an, um ins Firmenbüro zurückzukehren, während dies bei den 18- bis 24-Jährigen lediglich 19 Prozent sagen – nach eineinhalb Jahren Homeoffice immerhin noch ein Fünftel. Altersübergreifend ist die Ausstattung für jeden Vierten (24 Prozent) ein Rückkehrgrund. Frauen nennen dieses Argument mit 30 Prozent deutlich häufiger als Männer (18 Prozent). Noch wichtiger als die technische Ausstattung ist es für die Mitarbeiter jedoch, ihre Kollegen wiederzusehen: Für gut jeden Zweiten (53 Prozent) wären sie ein relevanter Grund, um wieder im Büro zu arbeiten.

Vor allem Jüngere freuen sich auf Rückkehr ins Büro

Die Frage, ob sie sich wohl damit fühlen, zum Firmenarbeitsplatz zurückzukehren, bejahten gut drei Viertel der Studienteilnehmer (77 Prozent). Ein Drittel (32 Prozent) gab an, sich explizit darauf zu freuen. In der Altersgruppe 18 bis 24 ist dieser Anteil mit 44 Prozent am höchsten, in der der 45- bis 54-Jährigen mit 19 Prozent am niedrigsten. Jeder fünfte Befragte (20 Prozent) möchte derzeit lieber nicht wieder im Unternehmen arbeiten, sondern im Homeoffice bleiben. Von den 18- bis 24-Jährigen sagt das nur jeder zehnte (zehn Prozent) gegenüber fast einem Drittel (31 Prozent) der 45- bis 54-Jährigen. Das Befragungsergebnis mache deutlich, wie essenziell es sei, dass jeder so arbeiten kann, wie es für ihn am besten passt – sei es zu Hause, wieder vor Ort im Büro oder in einem hybriden Modell, kommentiert Jill Cotton, Careers Trends Analyst bei Glassdoor die unterschiedlichen Wünsche der Berufstätigen.

Diverse Befürchtungen wegen Wiederaufnahme der Arbeit vor Ort

Auch wenn viele Arbeitnehmer das Bedürfnis haben, das Homeoffice wieder zu verlassen, haben fast drei von zehn Befragten (29 Prozent) Bedenken, dass es bei der Arbeit im Firmenbüro mit der Work-Life-Balance nicht mehr klappen könnte. Von den weiblichen Studienteilnehmern sorgt sich sogar rund ein Drittel (32 Prozent) darum gegenüber einem Viertel bei den männlichen Befragten (25 Prozent). Zu den Bedenken gehört es auch, dass sich knapp ein Drittel der Arbeitnehmer (32 Prozent) Sorgen wegen des wieder anfallenden Arbeitswegs macht. Gut jeden Vierten (27 Prozent) stört, sich für das Büro wieder zurechtmachen zu müssen. Dazu kommt, dass sich nach so langer Abwesenheit 15 Prozent der Befragten darüber Sorgen machen, in der Firma wieder Smalltalk machen zu müssen. Und 13 Prozent machen sich Gedanken, ob sie den Kollegen wieder die Hand schütteln oder sie auf andere Arten, die in der Corona-Zeit zum Teil üblich wurden, begrüßen sollen. Aus diesen Ergebnissen wird ersichtlich, dass sich die Corona-Krise und die Arbeit von zuhause aus in mehrerlei Hinsicht auswirken und die lange Zeit gelebter Distanz dazu führt, dass sich das Sozialverhalten ändert und die Einsamkeit im Homeoffice bei einigen zu Gewöhnungseffekten und zu Unsicherheit führt.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.