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Flexibles Arbeiten vor der Krise noch wenig verbreitet

Tastatur und Arbeitspapiere mit Zettel und Aufschrift
Durch die Corona-Krise befinden sich flexible Arbeitszeitmodelle im Aufwind. Foto: © Vitalii Vodolazskyi-stock.adobe.com

Für die “Workforce View Studie 2020 – Teil 1 vor COVID-19” des > ADP Research Institutes wurden zwischen Oktober 2019 und Anfang Januar 2020 weltweit 32 442 Arbeitnehmer befragt, davon etwa die Hälfte in Europa. In diesem Zeitraum gab rund ein Viertel (26 Prozent) der deutschen Arbeitnehmer an, keine flexiblen Arbeitsregelungen nutzen zu können. An den geschäftlichen Anforderungen lag es nicht; sie gestalteten das Arbeiten außerhalb der Geschäftszeiten nur für jeden Sechsten (16 Prozent) schwierig. Allerdings sagten knapp neun Prozent der Studienteilnehmer hierzulande, dass es im Unternehmen negativ beurteilt wird, wenn Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten in Anspruch nehmen. Weitere neun Prozent gaben an, sich schuldig zu fühlen, wenn sie flexible Arbeitsmodelle nutzen. 44 Prozent glaubten jedoch, dass sie in fünf Jahren mehr Optionen bezüglich solcher Regelungen haben würden.

Fast ein Drittel der Deutschen plädiert für die Viertagewoche

Doch nicht jeder Mitarbeiter möchte auch flexibel arbeiten: Im Befragungszeitraum sagten fast vier von zehn Mitarbeitern (38 Prozent) und damit die meisten, dass sie lieber weiterhin bei gleicher Bezahlung zu den regulären Zeiten arbeiten wollen. 31 Prozent würden bei gleichem Gehalt eine Viertagewoche bevorzugen und dafür mehr Stunden täglich arbeiten. In Deutschland war das Interesse an dieser Option am größten. Allerdings würde auch jeder Fünfte (20 Prozent) lieber insgesamt mehr arbeiten als regulär und dafür eine höhere Vergütung bekommen. Mit weniger Arbeitstagen pro Woche bei niedrigerer Vergütung könnten sich lediglich zwölf Prozent anfreunden.

Die Studie folgert aus den Befragungsergebnissen, dass sowohl Arbeitgeber als auch ein Teil der Belegschaft erst noch von den Vorteilen flexibler Arbeitsmodelle überzeugt werden müssten. Nach Ansicht von Steven van Tuijl, General Manager Deutschland und Polen von ADP, ist Flexibilität auch ein entscheidender Aspekt für die Arbeitgeberattraktivität und damit maßgebend für die Talentbindung und -gewinnung.

Corona-Krise gibt neue Impulse für flexible Arbeitsmodelle

Durch den Lockdown infolge der Corona-Pandemie wurden viele Unternehmen dazu gezwungen, Homeoffice einzuführen. Damit wurden auch die traditionellen Arbeitszeiten außer Kraft gesetzt. So hätten sich aus der Notwendigkeit heraus neue Impulse für flexibles Arbeiten ergeben, so die Studie, die aber einen langfristigen Effekt haben könnten auch für die Zeit, wenn die Büros wieder flächendeckend geöffnet werden. Das sei nicht nur durch die anhaltenden Distanzierungsregeln bedingt, sondern sowohl Unternehmen als auch Mitarbeitern werde immer deutlicher, dass nicht jeder zu bestimmten Zeiten am Arbeitsplatz sein muss, um gute Arbeit zu leisten. Flexible Arbeitsmodelle seien im übrigen vielerorts organisatorisch umsetzbar.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.