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Digitalisierung – muss Führung neu gedacht werden?

Digitale Führungskompetenz ist kein
Die digitale Transformation stellt neue Anforderungen an Vorgesetzte hinsichtlich der Mitarbeiterführung.
Foto: © leowolfert/Fotolia.de

Hierzulande am meisten verbreitet ist der direktive Führungsstil: Mehr als jede zweite befragte Fachkraft (54 Prozent) gibt an, von einem Vorgesetzten geführt zu werden, der von ihnen erwartet, seine Anweisungen strikt zu befolgen. Lediglich 29 Prozent bescheinigen ihrem Chef einen strategischen Führungsstil. 27 Prozent finden, dass ihr Vorgesetzter nach der Laissez-faire-Methode vorgeht. 21 Prozent sagen, die würden transformational geführt. Genauso viele empfinden den Führungsstil des Chefs als transaktional. 14 Prozent berichten sogar über eine negative Führung, während nur neun Prozent der Aussage zustimmen können, ihr Chef führe ethisch.

Kluft zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung von Vorgesetzten

Die Führungskräfte indes haben von sich selbst eine andere Wahrnehmung als ihre Mitarbeiter: Die meisten Vorgesetzten finden, dass sie einen strategischen, ethischen und transformationalen Führungsstil verfolgen. Direktiv zu sein, behaupten nur wenige von sich. Das sind Ergebnisse der Studie “Die Kunst des Führens in der digitalen Revolution” von Kienbaum und Stepstone, für die im ersten Quartal dieses Jahres 13 500 Fach- und Führungskräfte befragt wurden.

Mitarbeiter wollen transformational, strategisch und ethisch geführt werden

Die Frage an die Fachkräfte, wie sie gern geführt werden möchten, ergab genau das, was die Vorgesetzen schon zu tun vorgeben: 94 Prozent der Mitarbeiter bevorzugen einen transformationalen Führungsstil. Das heißt, sie möchten eine Führungskraft, die als Vorbild dient, eine Vision vermittelt und sie motiviert. Ebenso erwünscht ist strategische Führung: 88 Prozent wollen Vorgesetzte, die konkrete Ziele formulieren und konstruktive Rückmeldungen geben. Und 84 Prozent legen Wert auf einen ethischen Führungsstil und damit einen Chef, der werteorientiert handelt und die Selbstständigkeit fördert. Dagegen präferieren lediglich 27 Prozent den Laissez-faire-Stil und nur 22 Prozent möchten transaktional geführt werden von einem Vorgesetzten, der sie und ihre Arbeitsleistung permanent kontrolliert und diese durch Belohnung und Bestrafung reguliert.

Laut Stepstone-Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers zwingen die Digitalisierung und die sich wandelnden Märkte Unternehmen dazu, ihre Organisationsstrukturen neu zu denken. Vor allem die Führungskräfte müssten sich neu aufstellen:

Führungskräfte müssen effektiv und menschenorientiert führen, auf ihre Mitarbeiter eingehen und deren individuelle Bedürfnisse und Entwicklung berücksichtigen,

so Dettmers. Allerdings gebe es – wie auch die Ergebnisse zeigten- nicht den einen Führungsstil im digitalen Zeitalter.

Merkmale digitaler Führungskompetenz

Neben effektivem und menschenorientiertem Führungsverhalten, so die Studienautoren, sei auch digitale Führungskompetenz für langfristigen Erfolg entscheidend. Wenn transformationale und strategische Führung auf digitale Führungskompetenz träfen, stiegen Innovationsleistung und Work Engagement der Mitarbeiter. Allerdings stelle digitale Führungskompetenz keinen separaten Führungsstil dar, sondern beschreibe die Kompetenz, Menschen, Teams und Projekte im digitalen Zeitalter effektiv leiten zu können. Führungskräfte mit digitaler Führungskompetenz verfolgten eine Vision für die digitale Transformation sowie digitale Geschäftsmodelle und lebten diese vor. Sie seien offen für neue Meinungen und Vorschläge und förderten partizipative Entscheidungsfindung. Außerdem bedeute digitale Führungskompetenz, Teams und Projekte aus der Distanz zu leiten und die Mitarbeiter ihren Arbeitsort frei wählen zu lassen.

Das Whitepaper zur Studie gibt es > hier zum Download.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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