Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Vorurteile untersuchen und eine Lanze für HR brechen

Iconsammlung Wissenschaft und Lernen
Bild: molotovcoketail/istock

Personalwirtschaft: In Ihrer Studie haben Sie sich fünf verschiedene Eigenschaften von Führungskräften angeschaut, zum Beispiel deren mentale Beweglichkeit und allgemeine Veränderungsfähigkeit. Was sind HR-Manager demnach denn für Charaktere?

Mathias Kesting
Mathias Kesting

Mathias Kesting: Wir haben die Lernfähigkeit gemessen, die Charakter- und Typenfrage ist noch eine andere. Und in diesem Kontext kann man vereinfacht davon sprechen, dass HR-Chefs gut im situativen Umgang mit Menschen, in der Veränderungsfähigkeit und in der Selbstreflexion abgeschnitten haben. Aufholbedarf gibt es bei der Fokussierung auf Ergebnisse und einem breiteren kognitiven Ansatz abseits des Expertentums.

Was hat Sie bei den Studienergebnissen überrascht?

Carsten Schäfer
Carsten Schäfer

Carsten Schaefer: Dass die Vorurteile eben nicht immer stimmen. Da muss ich eine Lanze für HR brechen, vor allem beim Thema Veränderungsfähigkeit. Viel zu häufig wird dem Personalmanagement vorgeworfen, hier nicht mitzuziehen. Das ist falsch, das Gegenteil ist der Fall. Dass es trotz allem, wie mein Kollege hier dargelegt hat, Verbesserungs- und Lernpotenzial gibt, wird mutmaßlich kein reflektierter HR-Manager abstreiten.

Bei der Selbstreflexion liegen Personaler vorn, bei der Ergebnisagilität dagegen auf dem letzten Platz. Heißt das, HRler sind zu wenig zielstrebig, weil sie sich zu viel mit sich selbst beschäftigen?
Carsten Schaefer:
Dieser Aussage möchte ich entschieden widersprechen. Ein hoher Wert in Selbstreflexion heißt nicht, ins Grüblerische zu verfallen, sondern sich explizit mit seinen Stärken und Schwächen auseinander zu setzen. Dass HR nicht zielorientiert arbeitet, ist ein Stück weit Vorurteil, das durch unsere Daten bestätigt wird. In der Praxis sehe ich aber immer häufiger, dass dies nicht mehr der Fall ist. HR wird über klare Zielvorgaben gesteuert. Natürlich müssen sich die Abteilungen daran anpassen. Die hohe Selbstreflexion ist beste Voraussetzung dafür, diesen Lernschritt effektiv und effizient zu gehen.

+++ Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen der Studie in unserem › Praxistransfer-Beitrag und in der
› Bilderstrecke mit aussagekräftigen Grafiken. +++

Sie haben auch die Lernagilität von Führungskräften nach Branchen verglichen. In welchen Bereichen sind Führungskräfte besonders lernagil?
Mathias Kesting: Die Manager mit der höchsten Veränderungsfähigkeit arbeiten in der Pharma-Industrie. Die Stärke der Führungskräfte in der Konsumgüterindustrie ist der Umgang mit Menschen. Mentale Beweglichkeit stellen vor allem Spitzenkräfte im Handel unter Beweis. Die durchschnittlich agilsten Manager hat die Pharma-Industrie hervorgebracht.

Wie lautet Ihr Fazit? Sind Deutschlands Führungskräfte gut aufgestellt für die Zukunft?
Mathias Kesting: Die Führungskräfte in Deutschland sind stark, was Lernagilität angeht. In einem Bildungsland ist das auch Voraussetzung für den Erfolg der Wirtschaft. Durch die Branchen hinweg zeigen deutsche Manager Innovationsstärke und Veränderungsfähigkeit. Die Mär, die Führungskraft in einem deutschen Unternehmen stehe dem Change im Weg, kann unsere Studie widerlegen. Es kommt auf die richtige Motivation und Führung seitens des Topmanagements an, diese Lernpotenziale zu heben.

Mathias Kesting und Carsten Schäfer arbeiten für die Organisations- und Personalberatung Korn Ferry. Kesting ist Senior Client Partner, Schäfer ist Head of Center of Expertise HR.


+++ Weiterlesen zu der Studie von Korn Ferry zum Thema Lernagilität +++

– Praxistransfer: Die Ergebnisse der Untersuchung aufbereitet zur Anwendung in HR
– Bilderstrecke: Zentrale Zahlen der Studie in Grafiken aufbereitet

Sie wollen uns die Meinung sagen?
Nur zu!
Jetzt Feedback geben & Prämie erhalten »
Sie wollen uns die Meinung sagen?
Nur zu!
Jetzt Feedback geben & Prämie erhalten »