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Wenig informiert, aber angstfrei

Die Berufstätigen hierzulande haben zwar noch Informationsbedarf zum Thema Industrie 4.0, um ihren Job fürchten die meisten aber nicht.
Bild: © Mimi Potter/Fotolia.de
Die Berufstätigen hierzulande haben zwar noch Informationsbedarf zum Thema Industrie 4.0, um ihren Job fürchten die meisten aber nicht.
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85 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande denken, dass die Digitalisierung heute einen unmittelbaren Einfluss auf ihren Arbeitsplatz hat. Wie dieser Einfluss aber genau aussieht und welchen Umfang er hat, ist vielen Mitarbeitern nicht klar. Nur knapp ein Viertel (23 Prozent) der Arbeitnehmer kann den Begriff Industrie 4.0 vollständig erklären. Ein Drittel (33 Prozent) weiß ungefähr, um was es geht.

Am wenigsten Bescheid wissen die Beschäftigten kleiner Unternehmen bis hundert Mitarbeiter und Arbeitnehmer ohne Leitungsfunktion. So können 55 Prozent der Sachbearbeiter nichts mit dem Begriff anfangen, während es bei den Abteilungsleitern lediglich 24 Prozent sind. Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie “Digitale Arbeitswelt: Chance oder Jobkiller?” der Unternehmensberatung > EY. Dafür wurden eintausend Mitarbeiter aus mittelständischen und großen Unternehmen der Branchen Automobil, Maschinenbau, Logistik/Transport und Finanzen befragt.

Unterschiedlich informiert je nach Hierarchieebene

Die Studie zeigt, dass das Thema Digitalisierung bisher vor allem in den Führungsetagen angekommen ist. So fühlen sich von den Abteilungsleitern 65 Prozent ausreichend über den bevorstehenden Wandel informiert, bei den Teamleitern 53 Prozent und unter den Sachbearbeitern nur 48 Prozent.

Weiterbildung vor allem bei großen Mittelständlern

Trotz des offensichtlich bestehenden Informationsbedarfs hapert es jedoch an Aufklärung. 41 Prozent der befragten Mitarbeiter geben an, dass ihr Unternehmen keine Weiterbildung zum Thema anbietet. Auch hier gibt es wieder Unterschiede je nach Unternehmensgröße und Hierarchieebene. In Unternehmen mit weniger als hundert Mitarbeitern sagen 60 Prozent, dass es keine Weiterbildung zur Digitalisierung gibt, auf Sachbearbeiterebene sind es 48 Prozent. Die großen mittelständischen Firmen haben laut Studie am besten auf die immense Bedeutung des Themas reagiert; dort bemängeln lediglich 30 Prozent der Mitarbeiter fehlende Weiterbildungsangebote.

Jüngere sehen mehr Vorteile als Ältere

Befragt danach, ob sie sich an ihrem Arbeitsplatz von der Digitalisierung bedroht fühlen, antwortete die Mehrheit mit einem klaren Nein. Lediglich elf Prozent sehen ihren Job dadurch gefährdet. 48 Prozent gehen sogar davon aus, dass ihnen digitale Arbeitsprozesse zusätzliche Chancen bieten. Von den Mitarbeitern zwischen 18 und 29 Jahren bejahten dies fast zwei Drittel (64 Prozent). Dagegen sind von den 50- bis 59-Jährigen nur 38 Prozent dieser Meinung. Konkret erwarten 45 Prozent der Jüngeren eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie; bei den Älteren gaben dies 21 Prozent an. Bessere Arbeitsergebnisse durch die Digitalisierung versprechen sich 45 Prozent der jüngeren und lediglich 25 Prozent der älteren Befragten.

Die Generation 50plus droht in der Arbeitswelt den Anschluss zu verlieren,

kommentiert Nelson Taapken, Partner und HR-Experte bei EY, die Befragungsergebnisse. Um solchen auch für die Unternehmen gefährlichen Fehlentwicklungen gegenzusteuern, seien breit angelegte Change- und Weiterbildungsprogramme, die die gesamte Belegschaft erreichen und aktiv in den Wandel einbeziehen, unabdingbar. Von der der viel beschworenen Angst der Deutschen bei diesem Thema sei allerdings nichts zu spüren, so Taapken. Firmen sollten die positive Grundhaltung nutzen, um ihre Belegschaft frühzeitig auf die konkreten Auswirkungen der Digitalisierung vorzubereiten.