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Wenig ostdeutsche Führungskräfte in Bundesbehörden

Zu wenig Menschen aus Ostdeutschland befinden sich derzeit in den Führungsetagen der Bundesbehörden. Das hat der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider (SPD), in seinem aktuellen Bericht kritisiert. Seine Kritik beruht auf einer neuen Statistik über die personelle Besetzung in Chefetagen der Bundesbehörden, die erstmals erhoben wurde. Die Zahlen zeigen: Nur knapp 14 Prozent der Führungskräfte sind im Gebiet der ehemaligen DDR geboren. Klammert man Berlin aus, sind es sogar nur 7,4 Prozent. Um repräsentativ vertreten zu sein, müssten gebürtige Ostdeutsche 20 Prozent einnehmen, denn das ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Für die Statistik wurden Medienberichten zufolge rund 3.600 Positionen in 93 Bundesbehörden untersucht – unter anderem in der Bundesregierung, dem Bundestag, dem Bundespräsidialamt, dem Bundesrat und dem Bundesverfassungsgericht. Dabei kam auch heraus: Je höher die Führungsposition ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie von einer Person aus Ostdeutschland besetzt wird. So liegt der Anteil der Ostdeutschen in den Leitungsebenen bei 6,8 Prozent.

Nicht nur ein Problem in Bundesbehörden

Die Zahlen verdeutlichen laut Schneider, wie sich viele Ostdeutsche auch nach mehr als 30 Jahren nach der Wiedervereinigung fühlen: „als Bürger zweiter Klasse“. Schneider warnt in seinem Bericht deshalb vor einer „unbewussten Diskriminierung von Menschen aus dem Osten“, weist aber auch darauf hin, dass sich die ungleiche Verteilung auch aus einer geschichtlichen Perspektive heraus entwickelt hat. „Insbesondere für die älteren Generationen im Osten gab es wenig Zugang zu hochdotierten Stellen im öffentlichen Dienst auf Bundes- und Landesebene, da nach der Wende vor allem junge Westdeutsche diese Positionen besetzt haben und bis heute besetzen“, teilt Schneider in seinem Bericht mit.

Dieser enthält auch Vorschläge, wie die ungleiche Verteilung behoben werden kann. Eine Quote für Ostdeutsche findet sich darunter nicht. Stattdessen plädiert Schneider dafür, dass Daten zum Geburtsort im System erfasst werden und Bundesbehörden mit einer Selbstverpflichtung arbeiten. Zudem sollten Auswahlgremien vielfältiger besetzt werden, Führungskräfte gezielt auf die Aufgabe vorbereitet und Netzwerke gefördert werden.

Die ungleiche Verteilung von Ost- und Westdeutschen auf Führungsebenen ist laut Schneider nicht nur ein Problem in Bundesbehörden, sondern auch in den restlichen Unternehmen. Diese Aussage unterstützen Ergebnisse einer Untersuchung der Universität Leipzig. Demnach waren 2022 auf den bundesdeutschen Top-Elitepositionen (an Unternehmen, Hochschulen, Regierungen und Gerichte) Ostdeutsche zu drei Prozent vertreten.

Jüngst hatte zudem Ferda Ataman, Bundesbeauftragte für Diskriminierung, die Benachteiligung von Ostdeutschen hervorgehoben. „Wir wissen, dass Ostdeutsche zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung deutlich seltener in Führungspositionen kommen. Zudem verdienen sie oft weniger und sind einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt“, sagte sie im Frühherbst 2022 in einem Interview.

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.