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Wie bewerten Menschen den Trend zur Flexibilisierung?

Ein Mann im Anzug läuft eine Treppe hinauf
Laufen von einem Job zum nächsten: Die Arbeitswelt ist zunehmend von Diskontinuität geprägt. Foto: © UBER IMAGES/Fotolia.de

Der Arbeitsmarkt befindet sich derzeit im Wandel; vor allem im Zuge der Digitalisierung ändert sich die Nachfrage nach Fähigkeiten und Qualifikationen immer schneller. Gleichzeitig werden klassische feste Angestelltenverhältnisse immer seltener. In den USA zum Beispiel gab es in den letzten zehn bis 15 Jahren die größten Stellenzuwächse bei unkonventionellen, alternativen Beschäftigungsformen wie Projekt- und Zeitarbeit, Zeitverträge oder freiberufliches Arbeiten. Eine aktuelle Studie der Manpower Group fasst diese Arten flexibler Beschäftigung als Arbeitsmodelle der nächsten Generation zusammen, als NextGen-Arbeit. Für die aktuelle Studie “NextGen: Arbeitsmodelle der Zukunft” wurden 9550 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren in zwölf Ländern befragt, darunter 795 Personen in Deutschland.

Drei Viertel entscheiden sich bewusst für flexibles Arbeiten

Gut drei Viertel der Befragten in Deutschland (77 Prozent), die in Form von Projekt- und Zeitarbeit, Zeitverträgen oder freiberuflicher Tätigkeit flexibel arbeiten, haben sich laut Studie bewusst dafür entschieden. 78 Prozent von ihnen schätzen daran die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu erwerben. Immerhin jeder Fünfte (20 Prozent) gibt jedoch an, dass diese Art von Arbeit die einzige Alternative war. 83 Prozent der Menschen, die bereits flexibel arbeiten, möchten das auch in Zukunft tun.

Hierzulande geringste Akzeptanz von NextGen-Arbeit

Von allen befragten Deutschen können sich 77 Prozent vorstellen, Arbeitszeitmodelle jenseits des klassischen Angestelltenverhältnisses zu nutzen – unabhängig davon, in welcher Form sie heute beschäftigt sind. Von den Festangestellten halten es 71 Prozent für möglich, dass sie sich in naher Zukunft für ein flexibles Arbeitsmodell entscheiden. Weltweit würden im Schnitt 87 Prozent aller Befragten flexibles Arbeiten in Betracht ziehen. Trotz der hohen Zustimmung gehört Deutschland zusammen mit den Niederlanden und Japan zu den Ländern mit der geringsten Akzeptanz dieser Arbeitsmodelle. In Schwellenländern wie Indien und Mexiko (95 bis 99 Prozent), aber auch in den USA, Großbritannien, Italien und Australien (90 bis 94 Prozent) sind derartige Beschäftigungsverhältnisse selbstverständlicher.

Warteposition für vier von zehn Deutschen als Hauptmotiv

Gefragt nach den Vorteilen flexibler Arbeitsmodelle antworteten 38 Prozent und damit die meisten Deutschen, dass man damit die Zeit bis zu einer längerfristigen, unbefristeten Stelle überbrücken könne. International gaben dies nur 25 Prozent an. An zweiter Stelle bei den Menschen hierzulande (27 Prozent) steht die Möglichkeit, mit Hilfe solcher Arbeitsmodelle neue Fähigkeiten zu erlernen; global nannten 33 Prozent diesen Vorteil. Jeweils 19 Prozent der deutschen Befragten sagten, flexibles Arbeiten erlaube mehr Zeitautonomie (international gaben dies 32 Prozent an) und ermögliche mehr Zeit für die Familie (globales Ergebnis: 28 Prozent). Im weltweiten Durchschnitt steht der Vorteil, mit flexiblem Arbeiten nach Bedarf dazuzuverdienen, im Vordergrund (38 Prozent), während dieser Aspekt bei den Befragten in Deutschland auch nur von 19 Prozent genannt wird. Aus den deutschen Gesamtergebnissen folgert die Studie, dass die Menschen hier gegenüber dem Thema Flexibilisierung der Arbeit vielfach noch Vorbehalte haben.

Der internationale Bericht über die Studie steht > hier als Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.