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Wie Fahrradleasing Nachhaltigkeit und BGM verbindet

Mann im Anzug auf Fahhrad.
Das Pendeln mit dem Fahrrad ist nicht nur gut für die Umwelt, es hält Menschen fit. Foto: Halfpoint/AdobeStock

Fahrräder, egal ob mit Motor, zum Klappen oder Liegen, sind in Mode. Gerade jetzt, wo die Tage wieder länger und wärmer werden. Dem Zweirad-Industrie-Verband zufolge wurden 2020 gut fünf Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft. Das entspricht einer Steigerung von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber neben dem allgemeinen Lifestyle-Trend gibt es andere gute Gründe, warum sich Unternehmen mit Rädern beschäftigen sollten. Denn Mitarbeitende setzen sich nicht nur einer geringeren Gefahr aus, sich mit Corona anzustecken, wenn sie mit dem Rad anstelle der Bahn zur Arbeit fahren. Sie sind fitter, ausgeglichener und belastbarer, wie die Wissenschaft immer wieder belegt.

30 Minuten Rad fahren am Tag macht gesund

Eine Studie des Imperial College London und der Cambridge University von 2020, für die Daten von über 300.000 Pendlerinnen und Pendlern ausgewertet wurden, zeigt, dass schon etwa 30 Minuten Radfahren am Tag ausreichen, um Gelenkerkrankungen und Rückenschmerzen vorzubeugen. Im direkten Vergleich zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, haben Radler ein um 46 Prozent geringeres Risiko, am Herzen zu erkranken. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung sinkt um die Hälfte. Diese Effekte stellen sich auch beim Fahren mit einem E-Bike ein, wie eine Studie der Universität Basel von 2018 zeigt.

Nicht nur deswegen werden Fahrräder für Unternehmen attraktiv: Wenn Arbeitnehmende mit dem Rad anfahren, bleiben sie nicht nur gesund und fit, die Unternehmen sparen zudem Parkplätze, und die Feinstaubbelastung in Städten sinkt. Zusätzlich unterstützt das Anbieten von Fahrrädern und dem Leasing
derselben die Bestrebung vieler Unternehmen, möglichst nachhaltig zu arbeiten.

Jobräder unterstützen nachhaltige Unternehmensziele

So auch beim Belieferungsgroßhandel Transgourmet Deutschland GmbH & Co. OHG mit über 10 000 Mitarbeitenden in Deutschland. “Jetzt startet die Radsaison wieder, und immer mehr Anfragen und Aufträge bezüglich der Jobräder erreichen uns”, sagt Personalreferentin Charleen Hohmann, die für das Fahrradleasing-Angebot des Unternehmens mitverantwortlich ist. Bei Transgourmet wurde das Fahrradleasing seitens der Geschäftsführung eingeführt. “Unter anderem, weil es unser Ziel stützt, das nachhaltigste Unternehmen der Branche in Deutschland zu werden. Aber auch, um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu fördern”, sagt Hohmann.

Der Sport an der frischen Luft stärkt das Immunsystem der Dienstrad-Nutzerinnen und -Nutzer.

Eingebettet ist das Dienstrad-Angebot beim Lieferdienst in ein größeres Nachhaltigkeitskonzept, bei dem sich einzelne Betriebe bereits über Solarzellen selbst mit Strom versorgen. Viele der LKWs, mit denen Lebensmittel und fertiges Essen zum Beispiel zu Unternehmenskantinen transportiert werden, fahren ebenfalls inzwischen mit Elektroantrieb. “Damit leisten wir unseren Teil dazu, die Schadstoffbelastung in Städten zu reduzieren”, sagt die Fahrradleasing-Beauftragte. Und auch die Mitarbeitenden fänden es schön, mit ihrem Dienstrad einen Beitrag zu den Unternehmenszielen und dem Umweltschutz beitragen zu können, so Hohmann.

Benefit Jobrad

Neben den positiven Effekten auf Natur, Umwelt und Gesundheit können Unternehmen mit einem Fahrradleasing-Angebot aber auch bei potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern punkten, die fahrradaffin sind. Denn sie haben so die Chance, teure Räder teilweise deutlich vergünstigt zu bekommen. Charleen Hohmann: “Jobrad wirbt damit, dass man bis zu 40 Prozent Ersparnis hat, im Vergleich zum Direktkauf.” Fahrradleasinganbieter gibt es inzwischen zahlreiche, Transgourmet hat sich für Jobrad, mit Sitz in Freiburg entschieden.

Neben Charleen Hohmann ist eine weitere Mitarbeiterin bei Transgourmet Ansprechpartnerin für das Thema Fahrradleasing. Die beiden Frauen sind allerdings nicht Vollzeit mit dem Thema Mobilität und BGM beschäftigt. Gut organisierte interne Abläufe verhindern, dass die Administration und Bearbeitung von Fahrradleasing-Anfragen der Beschäftigten zum Zeitfresser werden.

Das Dienstrad beantragen

Das Unternehmen bekommt vom Leasingdienstleister ein Portal zur Verfügung gestellt und schickt interessierten Mitarbeitenden dann einen Link zu dem Portal, auf dem sich diese zunächst anmelden müssen. Über das Portal können Mitarbeitende auch nach Fachhändlern in der Nähe suchen, die mit dem Leasinganbieter zusammenarbeiten. Der Fachhändler muss dann ein Angebot für das Wunschrad erstellen, das sich der Arbeitnehmende ausgesucht hat. Entweder fügt der Händler das Angebot direkt dem Account der Mitarbeitenden auf der Plattform an, oder dieser muss das Angebot hochladen und seinem Antrag beilegen, der ebenfalls digital gestellt wird.

“Ob der Fachhändler das Angebot direkt hochlädt, hängt auch von seiner technischen Ausstattung ab”, sagt Charleen Hohmann. Außerdem muss der Mitarbeitende einen Nutzungsüberlassungsvertrag unterschreiben und hochladen. Letzteres funktioniert auch per Foto. Alles zusammen landet dann bei den Zuständigen im Unternehmen, die den Antrag bewilligen oder ablehnen können. “Bei Transgourmet dürfen alle ein Dienstrad beantragen, die in keinem befristeten Arbeitsverhältnis stehen und keine Pfändungen offen haben”, erklärt Charleen Hohmann. Zuerst wird der Antrag im Unternehmen geprüft, danach vom Leasingdienstleister. Gibt auch dieser den Antrag frei, erhält der Mitarbeitende eine Benachrichtigung. Mitarbeitende können den Status des Antrags aber auch im Portal einsehen und die Bearbeitungsschritte nachvollziehen. Im Anschluss kann sich der Mitarbeitende mit dem Radhändler in Verbindung setzen und die Details besprechen, etwa wann das Fahrrad abholbereit ist, erklärt Hohmann weiter.

Nachhaltiges BGM auch im Homeoffice

Transgourmet hat in seinem Intranet eine extra Seite eingerichtet, auf der Mitarbeitende alle Informationen über das Fahrradleasing und Antworten auf die häufigsten Fragen finden. Hier ist auch eine Betriebsvereinbarung abgelegt, die zusammen mit dem Betriebsrat ausgearbeitet wurde. Sie regelt genau, wie das Dienstradleasing im Unternehmen angeboten wird. Zum Beispiel den berechtigten Personenkreis, welche Räder mit welchem Zubehör beantragt werden können, wie die Gehaltsumwandlung der Leasingrate abläuft et cetera.

“Außerdem haben wir ein Erklärvideo produziert und hochgeladen, in dem wir Interessierten erklären, wie sie zu ihrem Dienstrad kommen”, erklärt Charleen Hohmann. Die Platzierung im Intranet ermöglicht es Mitarbeitenden, auch ortsunabhängig auf Informationen zuzugreifen, ein Aspekt, der gerade in der Corona-Pandemie an Bedeutung gewinnt. Denn der BGM-Gedanke hinter Diensträdern höre ja nicht beim Weg zur Arbeit und zurück auf. Es ginge auch darum, dass Mitarbeitende in ihrer Freizeit mit dem Rad fahren: “Wir bekommen nur positives Feedback zum Rad und zum Konzept, auch weil es in der Freizeit genutzt werden kann”, so die Fahrradleasing-Beauftragte.

Auswahl eines Fahrrads

Welche Räder geleast werden können, hängt von der Versicherung ab, die ein Unternehmen in Anspruch nimmt. Hier kann es gegebenenfalls eine Limitierung zum Beispiel bei der Höchstgeschwindigkeit eines E-Bikes geben. Transgourmet legte fest, dass Räder mindestens 750 und maximal 5000 Euro kosten
dürfen. Nach individueller Absprache können aber auch Räder mit einem höheren Verkaufspreis genehmigt werden. E-Bikes können auch nur bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern geleast werden. Ansonsten ist alles möglich.

Laufzeit des Fahrrad-Leasingvertrags

In der Regel laufen Leasingverträge drei Jahre lang. Jedes Jahr fällt eine Inspektion an. Bei Transgourmet ist die Gebühr hierfür aber bereits in die Leasinggebühr eingerechnet. Nach den drei Jahren können sich Mitarbeitende dazu entschließen, ihr Rad zu übernehmen. Die Abschlagszahlung orientiert sich dabei an der Höhe des Kaufpreises beziehungsweise der unverbindlichen Verkaufsempfehlung.

Der Leasingdienstleister Jobrad wirbt damit, dass man insgesamt bis zu 40 Prozent Ersparnis hat – im Vergleich zum Direktkauf. Der Gesamtpreis des Rads wird umgerechnet auf eine monatliche Leasinggebühr. “Die Ersparnis ergibt sich dadurch, dass es eine Brutto-Leasingrate ist. Dafür gibt es auch einen Rechner auf dem Jobrad-Portal, der die Nettoersparnis nach der Eingabe bestimmter Werte, wie der Steuerklasse, berechnet”, erklärt Hohmann. Ein zusätzlicher Benefit, den Transgourmet seinen Mitarbeitenden bietet: Das Unternehmen übernimmt die Versicherung. “Das sind circa zehn bis 15 Euro pro Monat und Rad, die hierfür anfallen”, sagt die Fahrradleasing-Beauftragte. In der Versicherung enthalten sind auch Extras wie ein Ratenschutz. Das entlastet Arbeitnehmer und -geber, sollte ein Dienstrad-Nutzer längerfristig beispielsweise krankheitsbedingt ausfallen.

Kosten für Mitarbeitende

Woraus sich die Ersparnis genau berechnet, erklärt Tassilo Holz, Pressesprecher des Leasinganbieters Jobrad: “Unternehmen können dem Mitarbeitenden das Dienstrad per Gehaltsumwandlung überlassen. In diesem Fall behält der Arbeitgeber einen Teil des monatlichen Bruttogehalts ein und bedient damit die für das Dienstrad anfallenden Kosten – oder einen Teil davon.” Da sich das monatlich zu versteuernde Bruttogehalt des Mitarbeitenden verringere, entrichte dieser zum einen etwas weniger Steuern und Sozialabgaben. Hinzu komme, dass die private Nutzung des Dienstrads seit vergangenem Jahr nach der sogenannten 0,25-Prozent-Regel versteuert werden muss. “So spart der Mitarbeitende in Summe im Vergleich zum klassischen Kauf bis zu 40 Prozent – und deutlich mehr, wenn der Arbeitgeber das Dienstrad bezuschusst”, erklärt Holz.

Gleichzeitig sind Menschen, die regelmäßig Rad fahren, erwiesenermaßen gesünder – und sparen tendenziell Gesundheitskosten.

Durch die Gehaltsumwandlung reduzieren sich aber auch die Rentenansprüche, wenn auch meist nur in geringem Maße. “Gleichzeitig sind Menschen, die regelmäßig Rad fahren, erwiesenermaßen gesünder – und sparen tendenziell Gesundheitskosten”, sagt der Pressesprecher.

Kombinationsmöglichkeiten im BGM

Bei Transgourmet setzt das Gesundheitsmanagement zusätzlich auf weitere Anreize, wie organisierte Challenges. Mitarbeitende treffen sich in Teams zum Radfahren oder fahren alleine, die gesammelten Kilometer werden beispielsweise per App erfasst. Das Team, das die meisten Kilometer innerhalb eines Zeitraums zurückgelegt hat, bekommt einen Preis. “Das steigert den Teamzusammenhalt enorm”, sagt Hohmann. Zusätzlich gibt es bei Transgourmet kombinierte Challenges, in denen Mitarbeitende in unterschiedlichen Disziplinen, wie beispielsweise Jogging, antreten können.

Mehr Verkehrsunfälle beziehungsweise Ausfälle kann Charleen Hohmann nicht vermelden. “Unser Eindruck ist, dass durch die Nutzung der Räder die Gesamtzufriedenheit steigt. Das bekommen wir immer durch Mitarbeitergespräche mit, sehen die Zufriedenheit aber auch daran, dass neue Verträge im Anschluss an abgelaufene Leasingverträge abgeschlossen werden”, so Hohmann. Außerdem würden immer mehr Räder
übernommen werden. Zunhemend mehr Mitarbeitende würden außerdem davon berichten, dass sich das Fahren mit dem Dienstrad, sei es privat oder auf dem Weg zur Arbeit, positiv auf die Work-Life-Balance auswirke: “Viele Mitarbeitende sagen, dass es ihnen dabei hilft, Stress abzubauen. Außerdem stärkt es das Immunsystem der Dienstrad-Nutzerinnen und -Nutzer durch den Sport an der frischen Luft.”

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und kümmert sich insbesondere um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.