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Wo Deutschland finanziell lebenswert ist

Frau am Schreibtisch
Großzügige Gehälter bei niedrigen Mieten machen Standorte abseits der Metropolen finanziell attraktiv. Foto: © zasabe/AdobeStock

Das zeigt eine Analyse
von StepStone, für welche die Online-Jobplattform 128.000 Gehälter ins
Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten in 395 Stadt- und Landkreisen in
Deutschland gesetzt hat.

Berücksichtigt wurden die Mietkosten sowie weitere
Lebenshaltungskosten für Transport, Nahrungsmittel und
Freizeitaktivitäten.

Die Beispielrechnung zeigt, dass je nach Wohnort im
Extremfall monatlich bis zu 1.600 Euro mehr oder weniger im
Portemonnaie übrig bleiben als in anderen.

Ruhrgebiet besonders lebenswert

Laut Analyse sorgt besonders das gesamte Ruhrgebiet, als starke Wirtschaftsregion mit den dort angesiedelten
Big Playern, wie RWE, E.ON, Evonik oder Aldi, für ein
relativ hohes Gehaltsniveau der Arbeitnehmer, mit dem die
Lebenshaltungskosten gut bestritten werden können.

Der große Gewinner unter
allen deutschen Großstädten ist Essen: Wer hier wohnt und arbeitet, hat
am Ende des Monats der Rechnung zufolge am meisten Geld übrig, nämlich
mit rund 1.280 Euro etwa 41 Prozent des durchschnittlichen monatlichen
Nettogehalts – rund fünfmal mehr als ein Arbeitnehmer in München, der
teuersten Großstadt Deutschlands.

Der Grund für die vollen Portemonnaies der
Essener sind vor allem die verhältnismäßig günstigen Mieten. Aber auch
für Verpflegung geben Essener durchschnittlich ein Viertel weniger aus
als Münchener. Wer im Süden Deutschlands wohnen möchte, zahlt generell
einen hohen Preis dafür. Denn auch im Münchener Umland sind die Ausgaben
für eine Wohnung verhältnismäßig hoch. Wer auf Jobsuche im Süden
Deutschlands ist, könnte Nürnberg in die engere Wahl nehmen: Dort bleibt
den Arbeitnehmern rund 470 Euro mehr im Monat übrig als beispielsweise
in München.

Der deutschlandweite Sieger ist, so die Analysten, Holzminden in Niedersachsen: Wer hier
wohnt und arbeitet, hat am Ende des Monats im bundesweiten Vergleich am
meisten übrig – rund 1.470 Euro. Grund dafür sei beispielsweise der in Holzminden ansässige börsennotierte Duft- und Aromahersteller Symrise, der zuletzt
kurz vor dem Aufstieg in den DAX stand und, wie in der
Chemiebranche üblich, seine Arbeitnehmer gut bezahlt. Gleichzeitig halten sich die Lebenshaltungskosten in der Region im Rahmen.

Metropolen eher unattraktiv

Gehalt und Lebenshaltungskosten stehen beispielsweise in Berlin in einem
ungünstigen Verhältnis: Arbeitnehmern bleibt in der Hauptstadt im
Schnitt monatlich nur 250 Euro ihres Nettoeinkommens übrig. Grund dafür sind die
in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Mietkosten, mit denen die
Gehaltsentwicklung nicht mithalten konnte. Zudem sind in Berlin mehr Agenturen und Start-Ups angesiedelt, als große
Konzerne.

Ein
ähnliches Bild zeigt sich in Hamburg, wo sich Arbeitnehmer neben der
kostspieligen Miete auch auf hohe Ausgaben für Freizeitaktivitäten
einstellen müssen – diese liegen ein Viertel über dem deutschen
Durchschnitt.

Arbeitnehmer in der Finanzhochburg Frankfurt am Main
verdienen zwar im Schnitt am meisten (rund 70.970 Euro brutto jährlich).
Dafür sind aber auch die Lebenshaltungskosten hoch. Besonders schlägt
sich das in den hohen Mietkosten nieder.

Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei StepStone, sagt dazu:

Wer einen neuen
Job sucht und dafür einen Umzug in Erwägung zieht, sollte genau
hinschauen. Denn ein hohes Gehalt bedeutet nicht automatisch, dass auch
die finanziellen Rücklagen im selben Maße steigen.

Denn die Höhe der
Lebenshaltungskosten am Wohn- und Arbeitsort spiele, so Zimmermann, eine entscheidende
Rolle. Darauf würden in Zukunft immer mehr
Arbeitnehmer achten – insbesondere diejenigen, die sich in der
Vergangenheit teure Mieten geleistet haben, um lange Pendelzeiten zu
vermeiden.

Zimmermann betont, dass die Bereitschaft der Arbeitnehmer zur Verlagerung des Lebensmittelpunktes in ländliche
Regionen langfristig zunehmen könnte, da gerade immer mehr Unternehmen, ausgelöst durch die Corona-Krise, die
Möglichkeit anbieten, zeitlich und örtlich flexibel zu arbeiten. Das könnte, so Zimmermann,
für viele Arbeitnehmer attraktiv sein, denn das gesparte Geld könnten sie
dann in eine größere Wohnung oder Freizeitaktivitäten auf dem Land
investieren.