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Mehr arbeitende Rentner, doch insgesamt weniger Erwerbstätige

Berufstätiger Rentner
Die Zahl der Menschen im Rentenalter, die erwerbstätig sind, steigt in Deutschland an.
Foto: © Stephanie Eichler-stock.adobe.com

In Deutschland sind immer mehr ältere Menschen berufstätig. Während im Jahr 2009 noch acht Prozent der Bundesbürger ab 65 arbeiteten, waren es 2019 schon acht Prozent. Das geht aus einer aktuellen Analyse desStatistischen Bundesamts (Destatis) hervor.

Der Anstieg der Erwerbstätigkeit Älterer erklärt sich zum Teil dadurch, dass das Renteneintrittsalter seit 2012 stufenweise erhöht und bis zum Jahr 2031 von 65 auf 67 Jahre angehoben wird. Ein weiterer Grund besteht laut Destatis darin, dass der Anteil der Hochqualifizierten hierzulande gestiegen ist und Menschen mit höheren Bildungsabschlüsse oft länger im Job bleiben: Von den Hochqualifizierten war 2019 gut jeder vierte (26 Prozent) im Alter von 65 bis 69 noch erwerbstätig gegenüber lediglich 13 Prozent der Gruppe der Geringqualifizierten. Auch Selbstständige arbeiten häufig nach dem 65. Lebensjahr noch weiter; bei ihnen lag der Anteil vor zwei Jahren sogar bei 37 Prozent.

38 Prozent der arbeitenden Rentner brauchen das Geld zum Leben

Für knapp sechs von zehn (59 Prozent) derjenigen Deutschen, die nach 65 Jahren noch im Berufsleben stehen, ist die Tätigkeit eher ein Zuverdienst; sie leben überwiegend von ihrer Rente und/oder ihrem Vermögen. Immerhin fast vier von zehn Erwerbstätigen in diesem Alter (38 Prozent) bestreiten jedoch hauptsächlich damit ihren Lebensunterhalt; die Rente reicht dafür also nicht aus.

Anteil der Menschen ab 65 steigt bis 2037 auf fast ein Viertel

Die demografische Entwicklung und die steigende Lebenserwartung hierzulande wirken sich sowohl auf den Arbeitsmarkt als auch auf die Rentenkasse aus. Immer mehr ältere Menschen im Rentenalter stehen immer weniger Menschen im Erwerbsalter gegenüber. Die Tatsache, dass die Zahl der arbeitenden Rentner ansteigt, wird laut Destatis nichts daran ändern können, zumal die sogenannten Babyboomer, die geburtenstarken Jahrgänge, schon jetzt und noch die nächsten 25 Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheiden. 2019 machten die Menschen ab 65 Jahren in Deutschland noch rund 18 Millionen aus. Eine Prognose des Statistischen Bundesamts geht davon aus, dass im Jahr 2037 bei einer moderaten demografischen Entwicklung 23,3 Millionen Menschen diese Altersgrenze überschritten haben.

Bis 2060 zwölf Prozent weniger Erwerbstätige in Deutschland

Sollte die Erwerbsbeteiligung von Älteren und von Frauen künftig weiter zunehmen, stünden dem Arbeitsmarkt im Jahr 2030 voraussichtlich 42,6 Millionen Menschen zur Verfügung, das wären zwei Prozent weniger als vor zwei Jahren, als die Zahl noch 43,6 Millionen betrug. Bis 2060 ginge die Zahl der Erwerbstätigen nach diesem Szenario auch bei moderater Zuwanderung um zwölf Prozent auf rund 38,5 Millionen zurück mit einem überproportionalen Rückgang bei den 20- bis 54-Jährigen.

Einzahlungen in die Rentenkassen gehen zurück

Der sogenannte Altenquotient, der anzeigt, wie viele Personen im Rentenalter auf jeweils 100 Menschen im Erwerbsalter ab 20 Jahren kommen, ist vom Wert 24 in 1990 auf 37 im letzten Jahr gestiegen und wird laut Vorausschau weiter steigen, auf 47 im Jahr 2030 und bis 57,7 in 2060. Diese Entwicklung bedeutet, dass immer wenige Menschen in die Rentenkassen einzahlen werden – mit entsprechenden Folgen für die künftigen Rentengenerationen. Aber auch die Krankenversicherung und andere Versorgungsdienstleistungen für ältere Menschen wären davon stark betroffen. Am deutschen Rentensystem wurde bisher jedoch nicht grundsätzlich gerüttelt. Im Gespräch ist stattdessen, das Rentenalter noch weiter zu erhöhen, auf 69 oder sogar 70 Jahre, und auch der Ruf nach mehr privater Vorsorge wird derzeit laut.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.