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Zufriedenheit mit dem Chef geht leicht zurück

Manager mit Spielsteinpyramide nimmt mit einem Spielzeugkran den obersten Stein wegen
Die Arbeitnehmer hierzulande wären mit ihren Chefs vielleicht zufriedener, wenn es nicht so starre Hiercharchien gäbe.
Foto: © Jakub Jirsák/Fotolia.de

Das Verhalten des Vorgesetzten spielt eine sehr wichtige Rolle für die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Doch wie beurteilen diese derzeit ihre Chefs? Laut dem Führungskräfte-Report 2017 der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu sind die Arbeitnehmer hierzulande noch ein wenig unzufriedener mit dem Boss als im letzten Jahr.

Auf einer Skala zwischen fünf (sehr zufrieden) und eins (sehr unzufrieden) liegt die Zufriedenheit der deutschen Arbeitnehmer mit ihren Vorgesetzten derzeit bei einem mittleren Wert von 3,15. Gegenüber dem Vorjahreswert von 3,19 ist das immerhin eine geringfügige Verschlechterung. Außerdem gehört das Verhalten der Führungskräfte zu den Faktoren, die Berufstätige am schlechtesten bewerten, wenn es um ihre Zufriedenheit geht. So wurden im letzten Jahr von 13 abgefragten Kategorien, die auf Kununu zur Mitarbeiterzufriedenheit abgefragt werden, nur die Bereiche Karriere/Weiterbildung und Kommunikation noch schlechter bewertet.

Jeder Dritte empfiehlt seinen Arbeitgeber nicht weiter

Neben der Zufriedenheit ist auch die Weiterempfehlungsrate im Vergleich zu 2016 leicht zurückgegangen; sie sank von 71 auf 67 Prozent. Der Führungskräfte-Report 2017 von > Kununu basiert auf mehr als 300 000 Bewertungen, die deutsche Arbeitnehmer innerhalb der letzten zwölf Monate zum Thema Vorgesetztenverhalten auf der Plattform abgegeben haben. Dafür bewerteten Mitarbeiter, ob ihre Chefs realistische Ziele setzen, ob sie bei Entscheidungen eingebunden werden, ob diese klar und nachvollziehbar sind und wie sich ihre Vorgesetzten in Konfliktfällen verhalten.

Mitarbeiter wollen weniger Hierarchien

Dass die Arbeitnehmer in der Tendenz unzufriedener mit ihren Führungskräften werden, liegt vermutlich auch daran, dass Berufstätige immer weniger einverstanden mit hierarchischen Vorgaben sind und sich statt Kontrolle mehr Selbstbestimmung wünschen: Laut dem Report wird in deutschen Unternehmen nach Ansicht der Mitarbeiter noch zu häufig von oben nach unten regiert. Stattdessen würden die Arbeitnehmer lieber Entwicklungen im Unternehmen offen diskutieren und beeinflussen können.

Die Anforderungen der Mitarbeiter haben sich in den letzten Jahren verändert. Das bedeutet, dass sich auch die Führungsmodelle entsprechend ändern müssen. Es geht um Zielerreichung und Vertrauen anstelle von Präsenzdenken und Arbeitskontrolle,

kommentiert Johannes Prüller, Head of Global Communications & Insights von Kununu, die Ergebnisse des Reports. Für Mitarbeiter bedeute dies zwar mehr Druck durch Verantwortungsübernahme, aber auch mehr Freiheit in der Arbeit, so Prüller.

HR-Chefs auf Platz drei in der Gunst der Mitarbeiter

Der Führungskräftereport zeigt auch, in welchen Branchen die Mitarbeiter hierzulande am zufriedensten mit ihren Vorgesetzten sind. Danach führen Führungskräfte der Branche Beratung/Consulting mit einem Durchschnittswert von 3,99 die Liste an. Nicht weit dahinter rangieren die Chefs der Branche Internet/Multimedia (3,95). Auch das Personalwesen (3,93) und die Finanzbranche (3,92) stehen vergleichsweise gut da. Chefs in der Branche EDV/IT liegen mit 3,90 auch noch deutlich über den Durchschnittswert aller Branchen, der bei 3,58 liegt. Die deutsche Bankenbranche befindet sich auf dem zwölften Platz. Telekommunikation (Platz 16), Automobil (20) und Industrie (24) befinden sich nur im Mittelfeld. Die letzten fünf Plätze gibt es für Vorgesetzte der Branchen Druck/Papier/Verpackung, Verkehr/Transport/Logistik, Nahrungsmittel/Land/Forstwirtschaft, Handwerk und in der Textilbranche – dort liegt die Zufriedenheit mit den Chefs lediglich bei einem Wert von 2,98.

Führungskräfte in Berlin top, in Sachsen-Anhalt eher ein Flop

Ebenfalls analysiert wurde die Bewertung des Vorgesetztenverhaltens nach Bundesländern. Hier liegen die Werte relativ dicht beieinander zwischen 3,49 und 3,05. Berlin konnte sich vom neunten auf den ersten Platz verbessern und steht nun gemeinsam mit dem Vorjahressieger Hamburg an der Spitze. Auch Bayern und Baden-Württemberg werden – wie im Vorjahr – gut bewertet und liegen nun mit dem Saarland und Bremen auf Platz zwei. Es folgen Nordrhein-Westfalen, Hessen, Schleswig-Holstein und Niedersachen. Von den östlichen Bundesländern steht Sachsen noch am besten da, direkt hinter Niedersachsen. Danach folgen Rheinland-Pfalz als schlechtes westliches Bundesland sowie die vier östlichen Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt, das gegenüber dem Vorjahr zurückfiel und jetzt das Schlusslicht bildet.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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