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Zwischen Sicherheit und Flexibilität: Wie Unternehmen die Balance halten wollen

Es gilt jetzt für Arbeitgeber, aktiv mitzugestalten. Sich als stiller Beobachter oder Rebell gegen den Wandel der Arbeitswelt zu stellen, wird dafür sorgen, dass Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels den Kürzeren ziehen und ohne neue Mitarbeitende dastehen. So zumindest die Überzeugung der 27 Speakerinnen und Speaker beim 5. FKi Global Forum, das digital in der vergangenen Woche stattfand. Mit dabei waren HR-Vorstände, CEOs, Diversity– und GenZ-Expertinnen und Wissenschaftler, sie sich mit den rund 700 Gästen austauschten.

Vor allem Audi gab bei der Veranstaltung Einblicke in die Methoden, die der Automobilhersteller anwendet, um Mitarbeitende durch den Wandel der Arbeitswelt zu begleiten. Personalvorstand Xavier Ros stellte in einer Keynote vor, wie Audi diesem Wandel begegnet. Drei Faktoren sind Audi dabei besonders wichtig: sinnstiftende Arbeit anbieten, Selbstbestimmung fördern und Sicherheit schaffen. Es brauche ein klares Purpose, hybride und flexible Arbeitszeitmodelle, die im Team selbstständig angewandt werden, und eine Kultur, in der sich Beschäftigte sicher und respektiert fühlen. „Mitarbeitende wollen mehr Autonomie haben“, sagte Ros. „Sie wollen entscheiden können, wann, wo und mit welchen Kolleginnen und Kollegen sie Projekte bearbeiten.“ Diesen Wunsch sollten Arbeitgeber Talenten nachkommen, denn: „Wir müssen uns ins Zeug legen, damit die Fachkräfte im Wettbewerb um Talente zu uns kommen“, sagte Ros.

Mitarbeitende müssen außerhalb des Jobprofils arbeiten

Gleichzeitig werde die neue Arbeitswelt davon geprägt sein, dass Menschen ihre Tätigkeit nicht nur für sich selbst flexibler gestalten können, sondern auch anpassungsfähiger auf äußere Umstände und schnelle Veränderungen reagieren müssen, so eines der Ergebnisse der Podiumsdiskussion „Wie sieht die Zukunft unserer Arbeit aus?“. „Derzeit arbeiten bereits rund 30 Prozent der Leute außerhalb ihres Jobprofils“, sagte Moritz Ettl, Co-Gründer und Managing Director von Forever Day One, einem Berater-Start-up für Change Management. „Wir müssen die Mitarbeitenden darauf vorbereiten, dass jeder Tag ein neuer Job ist.“

Dabei sei es wichtig, den Beschäftigten zu verdeutlichen, dass sie nicht alles auf einmal verstehen und können müssen, fügte Miriam Wohlfarth, Seriengründerin von Fintech-Start-ups, CEO und Aufsichtsrätin hinzu. „Wir müssen ihnen den Raum geben, um zu lernen und Weiterbildung ganzheitlicher angehen“, sagte Wohlfarth. Um eine Kultur des lebenslangen Lernens zu etablieren, spielen die Führungskräfte eine wichtige Rolle. „Sie werden zum Coach und Begleiter eines Teams, das selbstbestimmt arbeitet“, sagte Katrin Pucknat, Geschäftsführerin ResMed Germany, die ebenfalls mitdiskutierte. Direktive Führung dahingegen gehöre der Vergangenheit an.

Wandel nicht um jeden Preis

Viele Veränderungen stehen an, die von Arbeitgebern gelebt werden sollten, allerdings nicht um jeden Preis, meint Pucknat. Mit dieser Einstellung ist sie nicht allein. Die zugeschaltete Staatssekretärin aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Lilian Tschan, betonte, wie wichtig es sei, die Arbeitssicherheit weiterhin zu gewährleisten. „Es kann nicht nur darum gehen, dass wir umorganisieren“, sagte sie. „Wir sollten das mit dem Erhalt der Arbeitssicherheit verbinden. Arbeit muss menschenwürdig und diskriminierungsfrei sein.“

Auch bei Audi hat man sich laut Ros und seiner Kollegin Denise Mathieu, Leiterin Diversity Management, mit den Schattenseiten der neuen Arbeitswelt beschäftigt. Gemeinsam mit der Universität St. Gallen hat der Automobilhersteller eine Langzeitstudie begonnen, bei der rund 1.500 Mitarbeitende bisher im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2022 zu ihrem Wohlbefinden befragt wurden. Die Ergebnisse stellte Mathieu beim Forum vor: Ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten, bringt zwar ein höheres Autonomiegefühl und mehr Authentizität mit sich, erhöht aber auch das Risiko für emotionale Erschöpfung.

Im hybriden Arbeiten, also sowohl von zu Hause aus als auch im Büro, liegt die größte Herausforderung in der Erwartungshaltung zur Verfügbarkeit im Team: Rund 53 Prozent der Beschäftigten gehen beispielsweise davon aus, bei etwas Dringendem immer bereit sein und reagieren müssen. 46 Prozent denken, sie müssen flexibel sein. „Wenn die Teams die tatsächlichen Erwartungshaltungen offen kommunizieren, kann das eine große Entlastung bringen“, sagte Mathieu. Die Studienergebnisse zeigten, dass klare Regeln im Team helfen, hybrides Arbeiten gemeinsam optimal zu gestalten. Das erhöht die Zufriedenheit, die Performance und das Engagement.

Es gibt kein Patentrezept

Abgesehen von dem großen Audi-Case der Veranstaltung brachten sich die Teilnehmenden in Breakout-Sessions mit ihren jeweiligen Unternehmensbeispielen ein und weitere zahlreiche Speakerinnen und Speaker taten ihrer Sichtweise auf aktuelle Entwicklungen der Arbeitswelt kund. Dabei wurde klar: Vieles ist noch unklar und den einen richtigen Weg im Umgang mit den Veränderungen gibt es nicht. „Beim New Way of Working gibt es kein Patentrezept“, fasste Veranstalterin und geschäftsführende Gesellschafterin von FKi Diversity Barbara Lutz zusammen. „Daher sind der Austausch und die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene so elementar. Nur so werden sich die Herausforderungen der künftigen Arbeitswelten lösen können.“ 

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.