Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Abwärtstrend und große lokale Unterschiede

Ob bei der Volkshochschule oder anderen Anbietern: Die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen geht kontinuierlich zurück.
Foto: © Stefan Merkle/Fotolia.de
Ob bei der Volkshochschule oder anderen Anbietern: Die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen geht kontinuierlich zurück.
Foto: © Stefan Merkle/Fotolia.de


Im Jahr 2013 hat jeder achte Bundesbürger (12,3 Prozent) an mindestens einer Weiterbildung teilgenommen. 2012 lag die Quote noch bei 12,6 Prozent. 2011 hatte noch fast jeder Siebte (13,9 Prozent) an einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen. Lediglich in zwei Bundesländern ist die Teilnahme an Weiterbildung im Jahr 2013 gestiegen. Das zeigt der Deutsche Weiterbildungsatlas, den die Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht hat. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE), der Freien Universität Berlin (FU) und dem Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V.. Analysiert wurde die Weiterbildungsteilnahme der Gesamtbevölkerung ab dem 25. Lebensjahr.

Höchste Weiterbildungsquote in Baden-Württemberg

Von den Bundesländern verzeichnet Baden-Württemberg im Jahr 2013 mit 14,8 Prozent die höchste Teilnahmequote, gefolgt von Hessen und Rheinland-Pfalz. Die geringsten Werte mit jeweils 10,4 Prozent finden sich in Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland. Dabei stieg die Teilnahmequote im Saarland gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent. Das zweite Land mit einem Anstieg ist Sachsen, hier nahm der Anteil von 10,4 auf 12,1 Prozent zu. In Niedersachsen blieb die Weiterbildung konstant. Am stärksten gesunken ist die Quote in Bremen mit einem Minus von 1,8 Prozent.

Sehr heterogenes Bild bei den Kommunen

Wesentlich stärker als unter den Ländern unterscheidet sich die Weiterbildungsteilnahme in den Kommunen. So reicht sie von 2,9 Prozent in Prignitz bis zu 23,1 Prozent in Darmstadt – eine fast achtmal so hohe Teilnahmequote. Während zum Beispiel In der Grafschaft Bentheim und in Fürstenfeldbruck nicht einmal jeder dreißigste Bürger an einer Weiterbildung teilnimmt, bildet sich in Kommunen wie Mainz-Bingen oder Erlangen mehr als jeder Fünfte weiter. Auch innerhalb einzelner Bundesländer ergibt sich auf kommunaler Ebene ein sehr heterogenes Bild: Bayern etwa hat mit seiner überdurchschnittlichen Teilnahmequote von 13 Prozent sowohl überragende Kommunen (Erlangen mit 21,8 Prozent und Landsberg am Lech mit 21,7 Prozent) als auch sehr schwache Kommunen (Fürstenfeldbruck, Weiden, Straubing und Dillingen an der Donau mit je unter vier Prozent). Große Unterschiede gibt es auch zwischen Kommunen, die direkt aneinander grenzen.

Weiterbildungschancen in Deutschland sind regional zu ungleich verteilt. Damit wird Chancengerechtigkeit bei beruflichem und sozialem Aufstieg eingeschränkt,

kommentiert Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse.

Strukturelle Rahmenbedingungen erklären nur 30 Prozent der Unterschiede

Die großen lokalen Unterschiede bei der Weiterbildungsteilnahme lassen sich zu 30 Prozent durch die jeweilige Sozial-, Wirtschafts- und Infrastruktur erklären, so die Forscher. So führten eine gute wirtschaftliche Lage und ein hohes Qualifikationsniveau der Bevölkerung eher dazu, dass sich mehr Menschen weiterbilden. Zum größten Teil spielten jedoch andere Faktoren wie die Qualität des Angebots und der Zuschnitt auf den Bedarf der Einwohner eine Rolle – Aspekte, die zum Teil beeinflussbar sind.

Die Studie wertete die Angebote der öffentlichen, gemeinschaftlichen, privatwirtschaftlichen und betrieblichen Anbieter aus und kam zu folgenden Ergebnissen: Bei den öffentlichen Angeboten der Volkshochschulen gibt es ein West-Ost-Gefälle und große Unterschieden zwischen den 402 Kommunen. Das gemeinschaftliche Angebot von gewerkschaftlichen und kirchlichen Trägern konzentriert sich in der Mitte Deutschlands, in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Privatwirtschaftliche Weiterbildung findet sich vor allem in prosperierenden Regionen. Auch bei der betrieblichen Weiterbildung lässt sich ein Zusammenhang mit der jeweiligen Wirtschaftsstärke beobachten – aber auch mit der allgemeinen Konjunktur.

Der Weiterbildungsatlas steht > hier zum Download zur bereit. Außerdem gibt es > Kartenübersichten mit weiteren Infos.