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KOFA: Mehr Weiterbildungen in kleinen Unternehmen während der Pandemie


Digitale Weiterbildung
Jedes fünfte Unternehmen mit Kurzarbeit bildet seine Belegschaft weiter – oft mit digitalen Lernmedien. Foto: © barameefotolia-stock.adobe.com

Im letzten Jahr war der Anteil der kleinen Betriebe, die auf Kurzarbeit angewiesen waren, genauso hoch wie bei Großunternehmen. Das geht aus einer Analyse des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) hervor, die sich auf Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln bezieht. Circa ein Fünftel dieser Arbeitgeber in Deutschland hat seine Belegschaft in dieser Zeit weitergebildet, wobei es nur minimale Unterschiede je nach Unternehmensgröße gab. Überhaupt investieren KMU generell trotz größerer Hindernisse mehr Zeit und Geld in betriebliche Weiterbildung als andere Arbeitgeber, das gilt jedenfalls für die Zeit vor der Krise.

Der Anteil der kleinen und großen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter
infolge der Corona-Krise in Kurzarbeit geschickt haben, lag letzten Sommer jeweils bei
47,1 Prozent und in mittleren Betrieben mit 50 bis 249 Mitarbeitern bei
44,1 Prozent. Von den großen Firmen nutzten 19,3 Prozent diese Zeit für
die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, von den mittelgroßen Unternehmen
21,3 Prozent und von den kleinen Betrieben waren es 18,7 Prozent.

Insgesamt ist die Weiterbildungsbeteiligung von kleinen Unternehmen geringer

Dass kleine Unternehmen mit Kurzarbeit in ähnlichem Maße auf Weiterbildung setzten wie große Firmen, war für die Studienautoren überraschend, da sich die Weiterbildungsbeteiligung in Nicht-Krisenzeiten “sehr stark” nach Unternehmensgröße unterscheide. So ermöglichen von den großen Firmen fast alle (99,5 Prozent) ihrer Belegschaft Fortbildungen gegenüber 96,3 Prozent der mittelgroßen Unternehmen und “nur” 87,4 Prozent der kleinen Betriebe.

Je Mitarbeiter investieren kleine Betriebe mehr Zeit und Geld in Qualifizierung

So erstaunlich sind die Weiterbildungsaktivitäten der kleinen Unternehmen in der Krise jedoch nicht, wenn man mitberücksichtigt, dass sie die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter auch vorher schon mit größerer Intensität betrieben als mittlere und große Unternehmen, was den zeitlichen Aufwand und die Kosten je Arbeitnehmer betrifft: Im Vorkrisenjahr kamen kleine Betriebe auf durchschnittlich 22,4 Weiterbildungsstunden pro Mitarbeiter – rund sechs Stunden mehr als mittlere (16,4) und große Unternehmen (16,2). Auch investierten kleine Betriebe 1.384 Euro je Mitarbeiter in Weiterbildung, während mittelgroße Unternehmen 2019 lediglich 1.209 Euro je Angestelltem ausgaben und große Firmen nur 1.142 Euro aufwandten. Ein wesentlicher Grund für das höhere Engagement von KMU sei, dass sie sie in den letzten Jahren stark unter Fachkräfteengpässen gelitten haben, so die Studie.

Haupthindernisse für Weiterbildung: keine Zeit und fehlende Planungskapazitäten

Größenübergreifend geben fast sechs von zehn der weiterbildungsaktiven Unternehmen (57,4 Prozent) an, dass sie nicht genügend Zeit für (noch) mehr Weiterbildungsaktivitäten haben und die Mitarbeiter im Tagesgeschäft nicht noch länger entbehren können. Für 23 Prozent der kleinen Arbeitgeber ist fehlende Zeit für Freistellung das Haupthemmnis und trifft “voll und ganz” zu, für weitere 34,2 Prozent trifft es eher zu. In mittleren Unternehmen trifft es bei 16,6 Prozent voll und ganz und bei 44 Prozent eher zu und bei großen Firmen liegen die jeweiligen Anteile bei 14,6 und 42,5 Prozent. An zweiter Stelle der Weiterbildungshürden stehen sowohl für kleine als auch mittlere und große Unternehmen fehlende Kapazitäten für Planung und Organisation von Qualifizierungsmaßnahmen. Addiert man die Antworten “trifft voll und ganz zu” und “trifft eher zu”, sind hier die mittelgroßen Unternehmen am meisten betroffen, doch die Angabe “trifft voll und ganz zu” machten auch hier am häufigsten die kleinen Betriebe (19,2 Prozent), verglichen mit den mittleren (16,6 Prozent) und großen Unternehmen (13,8 Prozent). Als Grund dafür macht die Studie vor allem die Tatsache aus, dass kleine Unternehmen seltener eine eigene Personalabteilung oder hauptamtliche Personalexperten haben, die sich um das Thema Weiterbildung kümmern. Das Geld folgt als Hinderungsgrund für einen Ausbau der Weiterbildungsmaßnahmen erst an dritter Stelle und über ein mangelndes Budget klagen sogar mehr große Unternehmen als kleine Betriebe.

Digitale Lernmedien kommen auch KMU in der Krise zugute

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Nutzung digitaler Lernmedien, die schon vor der Krise zugenommen und 2019 einen Anteil von 90 Prozent erreicht hatte, hat sich im vergangenen Jahr noch mehr verbreitet. Zwar kommen digitale Lernformate in KMU immer noch seltener zum Einsatz als in großen Firmen, doch kleine Betriebe haben ihren Abstand in den letzten Jahren verringert. KMU, die schon vor der Corona-Krise digitale Weiterbildungsformate einsetzten, konnten diese während der Kurzarbeit und der Kontaktbeschränkungen ähnlich intensiv für die Qualifizierung ihrer Belegschaft nutzen wie größere Unternehmen. Es ist zu erwarten, dass die anhaltende Corona-Krise und die starke Verbreitung von Heimarbeitsplätzen die digitale Weiterbildung in Unternehmen jeder Größenordnung und insbesondere der kleinen Betriebe noch weiter befeuern wird.

Die vollständigen Studienergebnisse gibt es als > Download.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.