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Ausbildungsqualität verbesserungswürdig

In einigen Branchen, unter anderem in der Gastronomie, sind Auszubildende extrem unzufrieden.
Foto: © auremar/Fotolia.de
In einigen Branchen, unter anderem in der Gastronomie, sind Auszubildende extrem unzufrieden.
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Fast drei Viertel (71,7 Prozent) der Azubis hierzulande sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Allerdings gibt es große Branchenunterschiede. Mechatroniker, Industriekaufleute und Zerspanungsmechaniker zeigen sich überdurchschnittlich zufrieden, während Fachverkäufer des Lebensmittelhandwerks, Zahnmedizinische Fachangestellte, Malerinnen sowie Auszubildende in Teilen des Hotel- und Gaststättenbereichs ihre Betriebe mangelhaft bewerten. In diesen Berufen sind hohe Vertragslösungsquoten die Regel, daher bleiben derzeit vor allem dort viele Ausbildungsstellen unbesetzt. Das sind Ergebnisse des DGB-Ausbildungsreports 2016, den die DGB-Jugend gestern vorgestellt hat. An der repräsentativen Befragung hatten sich 13.603 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 25 häufigsten Ausbildungsberufen beteiligt.

Betriebliche Ausbildungspläne sind nicht selbstverständlich

Der Report zeigt einige inhaltliche und organisatorische Mängel im Ausbildungsbereich auf. So liegt einem Drittel der Auszubildenden (33,6 Prozent) gar kein betrieblicher Ausbildungsplan vor, sodass ihnen eine Überprüfung der Ausbildungsinhalte nicht möglich ist. Jeder zehnte Azubi (10,6 Prozent) übt häufig oder immer ausbildungsfremde Tätigkeiten aus. Bei 13,4 Prozent der jungen Menschen findet eine fachliche Anleitung durch den Ausbilder überhaupt nicht oder nur selten statt und 10,1 Prozent stehen ihre Ausbilder selten oder nie am Ausbildungsplatz zur Verfügung.

Überstunden – für viele die Regel

Daneben gibt es Probleme durch Mehrarbeit. 11,2 Prozent der Auszubildenden unter 18 Jahren müssen in der Woche mehr als 40 Stunden arbeiten. Gut ein Drittel (34,8 Prozent) muss regelmäßig Überstunden machen, im Schnitt 4,3 Stunden pro Woche. 14,4 Prozent der Azubis bekommen für ihre Überstunden weder einen Freizeitausgleich noch eine Bezahlung. Außerdem kommen sechs von zehn Azubis (59,6 Prozent) auch zur Arbeit, wenn sie sich krank oder unwohl fühlen. Und jeder Vierte (26,1 Prozent) hat immer oder häufig Probleme, sich nach der Ausbildung in der Freizeit zu erholen. Ein weiteres Ergebnis: 44,4 Prozent der Azubis im letzten Ausbildungsjahr wissen noch nicht, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung übernommen werden.

Novellierung des Berufsbildungsgesetzes gefordert

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack kritisierte, dass die Qualität der dualen Ausbildung in vielen Bereichen schwinde. Wer über unbesetzte Ausbildungsplätze klage, müsse qualitativ gute Ausbildungsplätze mit Perspektive anbieten. Nach Ansicht von Hannack belegt der Report erneut, dass gerade die Branchen über Azubi-Mangel klagen, die seit Jahren für ihre schlechten Ausbildungsbedingungen bekannt seien. Hier müsse der Gesetzgeber mit einer Novellierung des Berufsbildungsgesetzes endlich einschreiten.

In das Gesetz gehört ein rechtlicher Anspruch auf einen betrieblichen Ausbildungsplan, der die Inhalte der Ausbildung regelt, sowie eindeutige Vorschriften, um Überstunden zu vermeiden,

sagte Florian Haggenmiller, DGB-Bundesjugendsekretär.

Jeder zweite Azubi klagt über psychische Belastung

Der diesjährige Themenschwerpunkt des Reports waren psychische Belastungen am Ausbildungsplatz. Jeder zweite befragte Jugendliche (50,8 Prozent) gab an, sich durch Arbeitsanforderungen oder schlechte Arbeitsbedingungen stark bis sehr stark belastet zu fühlen. Auszubildende in Berufen mit schlechter Ausbildungsqualität sind hohen Belastungen viermal häufiger ausgesetzt (24,9 Prozent), als jene in Berufen mit guter Bewertung (6,3 Prozent). 61,9 Prozent der Azubis, die hohen Belastungen am Ausbildungsplatz ausgesetzt sind, fühlen sich am Ende des Ausbildungstages immer oder häufig erschöpft.

Die vollständige Studie kann > hier zum Download angefordert werden.