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Azubis deutlich von der Krise betroffen

Junge Frau mit Mundnasenschutz an Bahnsteig schaut auf die Uhr
Wann geht es weiter? Bei vielen Azubis ist die Ausbildung wegen der Corona-Krise nur eingeschränkt möglich.
Foto: © deepview-stock.adobe.com

Für die Untersuchung “Betriebe in der Covid-19-Krise” befragte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (> IAB) vom 14. bis 25 September 866 Unternehmen in Deutschland, die zu Beginn der Krise Auszubildende hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass eine angemessene Fortführung der Ausbildung und die Betreuung der Azubis oft nicht möglich war, weil Betriebsteile vorübergehend geschlossen und Mitarbeiter in Kurzarbeit oder im Homeoffice waren. In jedem zweiten befragten Betrieb wurden die Prüfungen verschoben. In gut einem Drittel konnten die Ausbildungsinhalte nicht wie geplant vermittelt werden. In jedem fünften Unternehmen konnten die Azubis wegen Kurzarbeit nicht im gewohnten Umfang tätig sein oder betreut werden. Außerdem war die Ausbildung in 13 Prozent der Betriebe durch Homeoffice beeinträchtigt. Zusätzlich waren in jedem zehnten Betrieb die Ausbilder – zum Beispiel wegen Kinderbetreuung oder Quarantäne – für einen längeren Zeitraum ausgefallen.

Azubis im Gastgewerbe besonders stark betroffen

Manche Branchen sind besonders von der Krise betroffen, das gilt insbesondere für das Gastgewerbe; dort waren Betriebsschließungen und Kurzarbeit sehr weit verbreitet. Laut Befragung gaben fast sechs von zehn dieser Unternehmen an, dass die Ausbildungsinhalte nicht wie geplant vermittelt werden konnten. In jedem zweiten Betrieb waren Ausbildung und Betreuung wegen Kurzarbeit eingeschränkt. Auch im Sektor der sonstigen Dienstleistungen, unter anderem im Finanz- und Versicherungswesen, war die Ausbildung überdurchschnittlich stark beeinträchtigt. In den besonders betroffenen Branchen dürfte die Einschränkung der Ausbildung  in jedem Fall problematische Folgen für Betriebe und Lehrlinge haben, so das IAB.

Auch die Besetzung von Lehrstellen und der Recruiting-Prozess waren erschwert

In manchen Unternehmen haben die Corona-Maßnahmen nicht nur die laufende Ausbildung behindert, sondern auch dazu geführt, dass weniger Ausbildungsplätze angeboten wurden. Lediglich rund ein Drittel aller ausbildungsberechtigten Betriebe hat geplant, für das jetzt begonnene Ausbildungsjahr Lehrstellen zu besetzen. Zwar sagt die Hälfte der Betriebe (51 Prozent), die Krise habe keine Auswirkungen auf die Besetzung von Ausbildungsplätzen gehabt, das gilt jedoch vor allem für größere Unternehmen sowie auch das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe. Über alle Branchen hinweg gibt jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) an, die geplante Besetzung von Ausbildungsstellen aufgegeben zu haben. Zwei Prozent haben vorhandene Ausbildungsplätze gelöst. In drei Prozent der Unternehmen hat die erhöhte Nachfrage nach bestimmten Gütern oder Leistungen dazu geführt, dass mehr Ausbildungsplätze angeboten wurden. Gut ein Drittel der befragten Unternehmen (35 Prozent) gibt an, dass die Krise den Besetzungsprozess erschwert hat, etwa weil Vorstellungsgespräche aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht wie gewohnt stattfinden konnten und Praktika oder Ausbildungsmessen abgesagt werden mussten.

Was die Übernahme von Ausbildungsabsolventen betrifft, geben sieben Prozent der Betriebe an, dass sie weniger Azubis übernommen haben als ursprünglich geplant. Nicht einmal ein Prozent hat mehr Absolventen übernommen als vorgesehen.

Längerfristige Auswirkungen der Krise bleiben abzuwarten

Das IAB stuft die erfassten negativen Auswirkungen der Krise auf die Ausbildung als weniger gravierend als teilweise erwartet ein. Die Betriebe hätten ihre Ausbildungsaktivitäten insgesamt weniger stark heruntergefahren als befürchtet. Es bleibe aber abzuwarten, wie sich die Krise auf die Qualität der Ausbildung, die langfristige Sicherung des Fachkräftebedarfs in einzelnen Wirtschaftszweigen und auf die Arbeitsmarktchancen der jungen Erwachsenen auswirken wird. Auch sei unklar, ob sich stärkere Effekte der Krise vielleicht erst im nächsten Ausbildungsjahr zeigten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.