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Betriebliche Fortbildung in Deutschland und der EU – Teilnahme und Nutzen

Betriebliche Weiterbildung
Das BIBB hat den Stand der Weiterbildung in Deutschland und der EU untersucht.
Foto: © PhotoSG-stock.adobe.com

Das BIBB hat einen Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2021 des Bundesbildungsministeriums vorgelegt, der neben Informationen zur > Ausbildung auch Analysen zur Entwicklung der betrieblichen Weiterbildung enthält.

Bei den Gründen für Fortbildungsaktivitäten und der Einschätzung der Nutzenaspekte ergeben sich zum Teil Unterschiede zwischen Deutschland und dem EU-Schnitt.

Der Datenreport des BIBB bezieht sich auf den Adult Education Survey (AES), der regelmäßig die Lernaktivitäten Erwachsener erfasst. Die aktuellsten veröffentlichen Zahlen stellen den Stand der Weiterbildung aus dem Jahr 2016 dar. Für jedes Land wird eine repräsentative Stichprobe der 25- bis 64-jähirgen Bevölkerung zu ihren Lernaktivitäten der letzten zwölf Monate befragt. In Deutschland beteiligten sich 7.750 Personen an der Befragung.

Jeder Dritte hat zuletzt mindestens an einer Weiterbildung teilgenommen

Im EU-Durchschnitt nahm knapp ein Drittel (32 Prozent) der Studienteilnehmer in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung an mindestens einer betrieblichen Weiterbildung teil. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern waren jedoch beachtlich; die Werte lagen zwischen nur drei Prozent in Rumänien und 53 Prozent in der Schweiz. Hierzulande betrug der Anteil 38 Prozent, damit lag Deutschland im oberen Drittel der Weiterbildungsbeteiligung.

Hauptgrund für Weiterbildung: im Job besser werden

Als mit Abstand häufigsten Grund für eine betriebliche Weiterbildung gaben die Befragten an, dass sie sich damit versprechen, eine berufliche Tätigkeit besser ausüben zu können. Hier bewegten sich die Werte zwischen 59 Prozent in Belgien und 97 Prozent in Serbien und Bosnien-Herzegowina. In Deutschland gaben gut drei Viertel (78 Prozent) diese Motivation an. Eine Teilnahmepflicht durch gesetzliche Vorgaben oder die Anordnung des Arbeitgebers nannten zwischen 14 und 89 Prozent, von den deutschen Befragten waren es 36 Prozent. In mehr als 19 Ländern sagten über 50 Prozent, dass private Erwägungen und persönliche Interessen für ihre betriebliche Weiterbildung eine Rolle spielten. Hierzulande traf das auf 38 Prozent zu und stellte unter allen genannten Gründen den zweithöchsten Wert dar. Für fast die Hälfte aller EU-Teilnehmer bestand der Grund für die Weiterbildungsteilnahme darin, Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die im Alltag nutzbar sind. Hierzulande war dieses Ziel mit 36 Prozent unterdurchschnittlich relevant. Je ein Drittel der hiesigen Befragten (33 Prozent) nannten als Weiterbildungsgründe die Arbeitsplatzsicherung und die Verbesserung der beruflichen Chancen und gut ein Viertel (28 Prozent) gab organisatorische oder technische Veränderungen bei der Arbeit an.

Weiterbildungsnutzen: überwiegend hoch

Die Studienteilnehmer wurden auch danach gefragt, wie sie den Nutzen von ein bis zwei ihrer Weiterbildungsaktivitäten subjektiv bewerten. Im EU-Durchschnitt schätzte fast jeder Zweite (48 Prozent) den Umfang, mit dem er die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten bereits einsetzen konnte, als sehr hoch ein. Gut ein Drittel (36 Prozent) bewertete den Nutzen als recht hoch und jeder Sechste (16 Prozent) stellte lediglich eine geringe oder gar keine Nutzung fest. Die deutschen Teilnehmer wählten die beiden letzten Kategorien ähnlich häufig, aber nur 37 Prozent bewerteten den Nutzen als sehr hoch – zwölf Prozent weniger als im Durchschnitt aller Länder. Dafür lag der Anteil derjenigen, die eine recht hohe Nutzung angaben, bei 46 Prozent und damit um zehn Prozent höher als im Schnitt. Da sich einige der Teilnehmer noch in der zu bewertenden Weiterbildung befanden, wurden in einer zusätzlichen Frage auch die zukünftig einsetzbaren Kenntnisse und Fähigkeiten mit einbezogen. Hier sagten 85 Prozent der Deutschen, dass sie erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten bereits in hohem Umgang nutzten oder künftig so nutzen würden. Dieser Wert lag nur geringfügig unter dem EU-Gesamtwert von 87 Prozent. Dass die Nutzenbewertung insgesamt so positiv ausfällt, spricht laut BIBB für eine hohe Passgenauigkeit der Inhalte betrieblicher Weiterbildung.

Steigerung der Arbeitsleistung ist der wichtigste Aspekt

In der Folge wurden die Teilnehmer zu verschiedenen Nutzendimensionen von betrieblicher Weiterbildung befragt. An erster Stelle steht danach der Nutzen, im Job mehr leisten zu können. Über alle Länder hinweg gaben die Teilnehmer an, dass sie ihre Arbeitsleistung sehr häufig durch betriebliche Weiterbildung steigern können. Lediglich Deutschland mit 37 Prozent und die Niederlande mit 47 Prozent erreichten Werte unter 50 Prozent. Zum Vergleich: in Zypern betrug dieser Anteil 93 Prozent, in Portugal und Griechenland 87 Prozent und in Italien 85 Prozent.

Personenbezogene Aspekte von Weiterbildung spielen die zweitwichtigste Rolle

Der zweithäufigste Grund für die Studienteilnehmer, an betrieblichen Weiterbildungen teilzunehmen, sind personenbezogene Aspekte, zu denen unter anderem das Auffrischen und die Erweiterung generellen Wissens und Fähigkeiten, aber auch der Ausbau sozialer Kontakte gehören, also auch im Alltag einsetzbare Kenntnisse und Kompetenzen. Im EU-Durchschnitt gab knapp die Hälfte (49 Prozent) der Teilnehmer an, dass sie durch die betriebliche Weiterbildung diesen Nutzenaspekt realisieren konnten. Innerhalb der einzelnen Länder war die Streuung sehr groß und reichte von vier Prozent in Bulgarien bis 79 Prozent in den Niederlanden und Serbien. Deutschland lag genau im Schnitt. Die insgesamt hohe Bedeutung dieser Nutzenkategorie verdeutliche, dass betriebliche Weiterbildung über die beschäftigungsspezifische Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten hinausgehe und den Teilnehmern auch generelle Kompetenzen, die ihren Interessen entsprechen, vermitteln könne, so der Report.

Ebenfalls relevanter Nutzenaspekt: sich wappnen für neue berufliche Aufgaben

Die Übernahme neuer beruflicher Aufgaben stellte mit 36 Prozent den am dritthäufigsten genannten Nutzenaspekt dar. In Deutschland gaben lediglich 29 Prozent der Teilnehmer an, dass sie eine betriebliche Weiterbildungsmaßnahme nutzen, um besser für neue berufliche Aufgaben gewappnet zu sein. Weitere Nutzenaspekte spielen eine weniger relevante Rolle: Der berufliche Aufstieg durch Weiterbildung ist für lediglich zehn Prozent wichtig und in Deutschland sogar nur für sechs Prozent. Nicht mehr als vier Prozent der deutschen Befragten versprechen sich als Nutzen, einen neuen Job zu finden. Auch EU-weit lag der Wert nur in vier Ländern über zehn Prozent. Eine Gehaltserhöhung infolge einer Qualifizierungsmaßnahme rangiert mit neun Prozent (in Deutschland sechs Prozent) noch weiter hinten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.