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Automatisierung – produktiver durch Upskilling

Ein Manager hält in seiner linken Hand symbolisch Mitarbeiter und in der rechten Hand ein Chart mit einer nach oben rechts verlaufenden Erfolgskurveann in Businn
Mehr Gewinn machen in Zeiten der Automatisierung lässt sich laut einer Studie durch Qualifizierung, die die Produktivität der Belegschaft erhöht.
Foto: © leowolfert/Fotolia.de

Als Hauptmotiv ihrer Automatisierungsinitiativen nennen 43 Prozent der Unternehmen weltweit die Qualitätsverbesserung. An zweiter Stelle mit 37 Prozent steht die Produktivitätssteigerung der Mitarbeiter, dicht gefolgt von einer besseren Kundenzufriedenheit mit 33 Prozent. Eine Studie des Capgemini Research Institutes hat sich speziell mit dem Aspekt der Produktivität befasst und kommt zu dem Schluss, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen durch die Automatisierung bisher nicht die erwartete Steigerung der Produktivität erzielen konnte, weil die Mitarbeiter nicht entsprechend befähigt wurden. Für die Studie “Upskilling your workforce for the age of the machine” wurden weltweit 800 Führungskräfte und 1200 leitende und nicht leitende Angestellte aus mehr als 400 großen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde US-Dollar befragt.

International geben 42 Prozent der Unternehmen an, dass die Automatisierung die Produktivität in ihrem Unternehmen gesteigert hat; die Mehrheit – 58 Prozent – kann dies nicht bestätigen. Von den Führungskräften sagen ebenfalls 42 Prozent und von den Mitarbeitern 46 Prozent, die Produktivität habe sich erhöht. In Deutschland stellten dies 47 Prozent der Führungskräfte und 43 Prozent der Mitarbeiter fest.

Höhere Produktivität durch automatisierungsbezogene Weiterbildung

Diesen Ergebnissen stellt die Studie Zahlen aus Unternehmen gegenüber, die bereits über einen hohen Automatisierungsgrad verfügen. In solchen Firmen, die die Automatisierung mit einem Befähigungsprogramm für ihre Belegschaft verbunden haben und damit bereits auf der Mitte des Weges sind, geben weltweit 46 Prozent der Führungskräfte an, dass die Automatisierung die Produktivität verbessert hat. Von den Mitarbeitern sind 52 Prozent dieser Meinung. In bereits stark digitalisierten Unternehmen, die in Sachen automatisierungsbezogene Weiterbildung erst am Anfang stehen, konstatieren lediglich 35 Prozent der Führungskräfte und 42 Prozent der Mitarbeiter eine erhöhte Produktivität. Die Studie meint mit Upskilling sowohl Kompetenzen, die direkt mit der Automatisierung in Zusammenhang stehen und technikbezogen sind, als auch nicht-technische ergänzende Skills für neue Jobprofile (Jobmigration) oder solche, die für mehrere Jobs qualifizieren (Multi-Skilling). Die Studienergebnisse legen nahe, so heißt es, dass Unternehmen mit 50 000 oder mehr Mitarbeitern, die ihre Qualifizierungsprogramme bereits vollständig ausgerollt haben, pro Jahr rund 90 Millionen Dollar mehr einsparen können als jene, die ihre Beschäftigten nicht weiterbilden oder dies erst noch tun werden.

Qualifizierte Mitarbeiter sind zuversichtlicher, aber…

“Nebeneffekt” der Weiterbildung: Mitarbeiter in Unternehmen mit laufenden Qualifizierungsprogrammen sind hinsichtlich ihrer Karriereentwicklung positiver eingestellt (76 Prozent) als ohne Befähigungsprogramme (60 Prozent). Auch die Arbeitsmoral ist besser (48 versus 33 Prozent) und die Mitarbeiter sehen die Übernahme neuer Verantwortlichkeiten positiver (57 gegenüber 46 Prozent).

… nicht von Befähigungsprogrammen überzeugt

Doch selbst wenn Unternehmen Qualifizierungsprogramme etabliert haben, stoßen diese bei den befragten Mitarbeitern teilweise auf Kritik: Fast zwei Drittel (61 Prozent) finden, dass ihnen die Maßnahmen nicht bei der Entwicklung von Fähigkeiten geholfen haben, mit denen sie ihre Arbeit effizienter erledigen könnten. Mehr als jeder Zweite (54 Prozent) sagt, die Programme hätten ihnen keine Fähigkeiten vermittelt, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Allerdings meinten 62 Prozent, dass ihnen die Weiterbildung geholfen habe, einer Entlassung zu entgehen und 54 Prozent gaben an, dass die Programme sie von repetitiven Tätigkeiten befreit hätten.

Deutsche Unternehmen bei Qualifizierung aktiver als der globale Durchschnitt

Über ein ausgereiftes Qualifizierungsprogramm für ihre Mitarbeiter verfügen international im Schnitt erst zehn Prozent der befragten Firmen; Deutschland steht mit 16 Prozent schon etwas besser da. Alle anderen Großunternehmen hierzulande haben immerhin bereits damit begonnen, einen Lehrplan zu entwerfen, während es weltweit nur neun Prozent sind. Diesen Schritt abgeschlossen haben in Deutschland fast 90 Prozent gegenüber 70 Prozent auf globaler Ebene. International stehen noch 35 Prozent vor dem Aufbau einer Fortbildungs-Infrastruktur und Partnerschaften, von den deutschen Unternehmen nur noch 14 Prozent. Auch haben hier 37 Prozent schon ein Pilotprojekt dazu gestartet verglichen mit 25 Prozent weltweit.

Belegschaft wird wenig einbezogen und informiert

Interessant ist, dass fast 60 Prozent der Führungskräfte aus HR und Business zugeben, dass die Auswirkungen der Automatisierung auf die Belegschaft keine wichtige Rolle in ihrer Automatisierungsvision und -strategie spielen und sie selten über Weiterbildung oder neue Rollen mit ihren Mitarbeitern kommunizieren. So spricht weniger als jede zweite Führungskraft (45 Prozent) mit ihnen Mitarbeitern über die Automatisierungsinitiativen des Unternehmens, deren Bedeutung und über potenzielle Auswirkungen auf die Angestellten.

Die vollständige Studie in englischer Sprache steht > hier zum Download zur Verfügung.


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Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.