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E-Learning weiter im Aufwind, aber oft fehlt Beschäftigten die Zeit

E-Learning ist inzwischen fester Bestandteil der Qualifizierungsmaßnahmen von Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Derzeit geben 91,8 Prozent der Betriebe an, dass sie digitales Lernen in der Aus- oder Weiterbildung einsetzen. Weitere 4,3 Prozent planen, dieses Lernmedium im Unternehmen einzuführen. Das ergab die „E-Learning Benchmarking Studie 2022“, die das eLearning Journal und GoodHabitz, Anbieter von E-Learning-Inhalten, durchgeführt haben. Für die Untersuchung wurden von März bis Juni dieses Jahres 448 Unternehmen der DACH-Region befragt, davon rund 80 Prozent aus Deutschland. Drei Viertel der Befragten waren in HR/Personalentwicklung, der E-Learning-Abteilung oder in der Aus- und Weiterbildung tätig.

Vor allem in den vergangenen fünf Jahren hat E-Learning einen Schub bekommen: Fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) hat angefangen, seinen Mitarbeitenden digitale Lernmöglichkeiten zu bieten. Wegen der Corona-Einschränkungen gewann das Thema nochmals stark an Bedeutung; seit 2020 hat ein Sechstel der Betriebe (16 Prozent) E-Learning erstmals eingeführt. Der Anteil von digitalen Lernangeboten war 2021 mit rund 55 Prozent – doppelt so viel wie im Vorjahr – am höchsten. Dieses Jahr ist er zwar auf etwa 36 Prozent zurückgegangen, weil wieder mehr Präsenzveranstaltungen stattfinden, liegt jedoch immer noch höher als vor der Corona-Pandemie, was auf eine steigende Tendenz hinweist.

Lernzeit gilt bei sechs von zehn Betrieben als Arbeitszeit

Trotz der Möglichkeit von überall aus zu lernen, findet E-Learning in der Mehrzahl der befragten Unternehmen, bei gut 92 Prozent, am Arbeitsplatz statt. Allerdings: Nicht jeder Arbeitsplatz ist auch für digitales Lernen geeignet, doch jeder fünfte Arbeitgeber (rund 21 Prozent) stellt dafür spezielle Lernstationen zur Verfügung. Doch Mitarbeitende benötigen noch etwas anders, um sich auf digitalem Weg weiterbilden zu können: Zeit.

In fast zwei Dritteln der befragten Firmen (etwa 62 Prozent) gilt die Lernzeit deshalb als Arbeitszeit. Rund 18 Prozent geben an, dass sie diese Regelung ebenfalls einführen wollen. Wann die Mitarbeitenden lernen, können sie in den meisten Unternehmen flexibel entscheiden (74 Prozent). Nur 14 Prozent der Arbeitgeber haben feste Zeitkontingente für ihre Beschäftigten definiert. Was die Lernzeit selbst betrifft, so liegt der Rahmen in 86 Prozent der Fälle bei bis zu zwei Stunden wöchentlich pro Mitarbeiter oder Mitarbeiterin.

Zeit zum Selbstlernen in der Theorie vorhanden, in der Praxis kaum

Die Rahmenbedingungen scheinen positiv für das E-Learning zu stehen – oder etwa doch nicht? Denn was die Studie auch zeigt, ist, dass E-Learning in der Theorie zwar klappen kann, den Mitarbeitenden im Arbeitsalltag aber zu wenig Zeit zur Verfügung steht, in der sie das Zeitkontingent zur Weiterbildung ausnutzen können. Ihr Arbeitspensum ist zu hoch. Lediglich 17 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Beschäftigten die Lernzeit tatsächlich nutzen. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) sagen, dass ihre Beschäftigten die für E-Learning vorgesehene Zeit nur teilweise in Anspruch nehmen. Und fast ein Fünftel der Studienteilnehmenden (19 Prozent) räumt ein, dass gar keine Zeit für das digitale Lernen verfügbar ist. Die Studie ging der Frage nach, warum die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die dafür vorgesehene Zeit so wenig nutzen.

Ebenfalls ein Hindernis: Mangelnde Unterstützung durch Führungskräfte

Mit der hohen Arbeitsbelastung und dem Zeitmangel für digitales Lernen verbunden ist die fehlende Unterstützung der Führungskräfte, die mit immerhin 45 Prozent der Nennungen ebenfalls ein Hindernis für E-Learning darstellt. Angesichts dessen müssten sich die Unternehmen fragen, welchen Stellenwert betriebliche Weiterbildung eigentlich hat, sagen die Studienautoren und -autorinnen. Wenn E-Learning einen konkreten Mehrwert für das Unternehmen hat und das Erreichen strategischer Ziele unterstützen soll, müssen Arbeitgeber die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen.

Außerdem: Wird Weiterbildung nicht geschätzt, wirke sich dies zumeist auch auf die Lernkultur und damit auf die Lernmotivation und -bereitschaft der Belegschaft aus. Tatsächlich gibt jeder dritte Befragte (33 Prozent) zu, dass die Lernkultur ein Grund für die unzureichende Nutzung des Lernangebots sei. Nach Ansicht von 29 Prozent stellen zudem fehlende Anreize ein Hemmnis dar. Technische Hürden spielen mit rund 18 Prozent eine weniger wichtige Rolle, ebenso wie unpassende Lernangebote (17 Prozent).

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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