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Erfolgreiche Bildungssysteme nicht eins zu eins übertragbar

Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt in einigen europäischen Ländern fast 50 Prozent, während sie in Deutschland dank des dualen Bildungssystems vergleichsweise gering ist. In einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Vodafone Stiftung haben Wissenschaftler Erfolgsfaktoren identifiziert, wie ein Berufsausbildungssystem möglichst viele Jugendliche auf ihr Arbeitsleben in einem Europa ohne Grenzen gut vorbereiten kann. Die Studie basiert auf einer vergleichenden Analyse der Berufsbildungssysteme von Deutschland, Italien, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz sowie Großbritannien.

Demnach gelingt Jugendlichen der Einstieg in den Arbeitsmarkt besonders gut, wenn sie eine Qualifizierung mit der Möglichkeit zu praktischen Erfahrungen in der Arbeitswelt bekommen. Die Unternehmen wiederum erhielten dadurch passgenau qualifizierte Fachkräfte. Laut der Studie gelingt dies in Deutschland und der Schweiz bereits gut, während sich in den anderen EU-Ländern die Wirtschaft noch zu sehr zurückhält. Vorteilhaft für nachhaltige Arbeitsplatz- und Berufsperspektiven sei es, wenn Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite Form und Inhalte der beruflichen Ausbildung gemeinsam gestalten. In dieser Hinsicht seien ebenfalls Deutschland und die Schweiz besonders fortschrittlich, weil hier die Sozialpartner durch ein duales Ausbildungssystem verbindlich eingebunden sind.

Mobilität der deutschen Jugendlichen steigern

Eine weitere wichtige Säule für ein erfolgreiches Bildungssystem ist der Studie zufolge die Mobilität der Jugendlichen. Damit die Auszubildenden stärker von Erfahrungen in anderen europäischen Ländern profitieren und sich auf den internationalen Arbeitsmarkt vorbereiten können, sollten deshalb beispielsweise die EU-Mobilitätsprogramme (wie Erasmus+) noch stärker auf Auszubildende ausgerichtet werden. In Deutschland gelte es zudem, innerhalb des Landes die Mobilität der Jugendlichen zu steigern. Bewerber und offene Stellen lägen oft in verschiedenen Regionen, und aufgrund mangelnder Mobilität blieben Jugendliche unversorgt und Ausbildungsstellen unbesetzt.

Spezielle Angebote für leistungsstarke und -schwache Jugendliche einrichten

Darüber hinaus sind laut der Studie spezielle Angebote für leistungsstarke und -schwache Jugendliche vonnöten, um sie nachhaltig in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen. Beispielsweise würden in Großbritannien und in Deutschland duale Studiengänge für besonders leistungsstarke Jugendliche angeboten werden. Für leistungsschwächere Jugendliche wiederum gäbe es beispielsweise in Schweden, Polen und Portugal speziell zugeschnittene Angebote, mit deren Hilfe die Zahl der Ausbildungsabbrecher gesenkt werden konnte. Auch in Deutschland wurden mit dem Ausbau der ausbildungsbegleitenden Hilfen und der Einführung der Assistierten Ausbildung gezielt Instrumente geschaffen, die den Jugendlichen den Abschluss einer vollqualifizierenden Ausbildung ermöglichen, so die Studie.

Image der beruflichen Ausbildung verbessern

Einen weiteren Erfolgsfaktor für ein nachhaltiges Berufsbildungssystem identifizierten die Wissenschaftler in der verbesserten Akzeptanz der beruflichen Ausbildung bei den Jugendlichen und ihren Eltern. Diese könnte eine optimierte Berufsberatung, die nicht einseitig in Richtung Studium berate (wie das in den meisten europäischen Staaten der Fall sei), aber auch die Anschlussfähigkeit an höhere Bildungswege oder die Anrechnung erworbener Kompetenzen bewirken. In Portugal und Polen erhielten beispielsweise Auszubildende mit dem Ausbildungsabschluss die Hochschulreife. In Schweden, Deutschland und der Schweiz gebe es Extrakurse zum parallelen oder anschließenden Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung.

Die Studie ist im >Internet kostenlos erhältlich.