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Fachkräftemangel: In Deutschland fehlen 65.000 Handwerker

Besonders im Tiefbau ist der Fachkräftemangel groß. (Foto: Markus_Thoenen Adobe Stock)
Besonders im Tiefbau ist der Fachkräftemangel groß. (Foto: Markus_Thoenen Adobe Stock)

Die Anzahl der offenen Stellen im Handwerk ist deutlich höher als in der deutschen Gesamtwirtschaft. Dies geht aus der aktuellen Kofa-Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Demnach blieben 2020 65.000 Stellen für Handwerker unbesetzt. Damit beträgt die Stellenüberhangsquote 35,9 Prozent. Damit ist der Anteil der offenen Stellen gemeint, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt. Zum Vergleich: In der bundesweiten Gesamtwirtschaft liegt diese bei 27,4 Prozent.

Zu den offenen Stellen im reinen Handwerk kommen rund 12.000 Fachkräfte, die in Berufen mit einem Handwerkanteil gesucht werden. Besonders stark ist der Fachkräftemangel in Bereichen wie der Produktion, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie der Kraftfahrzeugtechnik. Am häufigsten werden Gesellinnen und Gesellen gesucht. Am schwersten zu finden sind allerdings Meisterinnen und Meister. Sie fehlen vor allem im Verkauf von Fleischwaren aber auch in der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik sowie im Hoch- und Tiefbau. Der Fachkräftemangel unterscheidet sich je nach Region und ist besonders stark in den bayerischen Arbeitsagenturbezirken Ansbach-Weißenburg, Würzburg und Schweinfurt. Dort blieben 2020 mehr als 70 Prozent aller offenen Stellen in überwiegend handwerklichen Berufen unbesetzt.

Durch die Corona-Pandemie verringerte sich der Fachkräftemangel kurzzeitig – wie auch in der deutschen Gesamtwirtschaft. Zwischen März und Mai des vergangenen Jahres sank die Arbeitskräftenachfrage stark, ab Juli stieg sie dann wieder an. Allerdings bliebt die Arbeitskräftenachfrage zehn Prozent unter dem Ausgangsniveau im Januar 2020. Hier zeigt sich ein Unterschied je nach Branche. Im Bauhandwerk sank die Nachfrage nur leicht, während sie in Bereichen, die stark vom Lockdown betroffen waren, stärker zurückging. So etwa im Friseurgewerbe, bei der Augenoptik und der Hörgeräteakustik. Die Studienverfasser rechnen mit einem erneuten Anstieg nach dem Ende der Corona-Pandemie.

Weniger Ausbildungsplätze

Ein leichter Rückgang zeigte sich auch bei der Anzahl an Ausbildungsplätzen im Handwerk. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft fiel dieser allerdings geringer aus. Auch hier gibt es branchenbedingte Unterschiede. Während in der Bauelektrik, der Kraftfahrzeugtechnik und im Metallbau 2020 weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden, wurden – auch als Konsequenz der Pandemie – mehr Ausbildungen im Bauhandwerk, der Fleischerei und im Verkauf des Lebensmittelhandwerks begonnen. Hierbei zeige sich anhand der Daten laut den Studienverfassern auch, wie hilfreich es sei, Geflüchtete aktiv in die Ausbildung einzubinden.

Basierend auf den Daten geben die IW-Wissenschaftler Tipps, wie der Fachkräftemangel  – auch im Rahmen der Pandemie – angegangen werden kann. So solle man an Schulen die Berufsorientierungsmaßnahmen verbessern und mithilfe von Multiplikatoren und Lehrenden auf die Vorteile von dualen Ausbildungen aufmerksam gemacht werden. Das auch gerne auf digitalem Wege, denn in Pandemie-Zeiten fallen Messen und Schulkooperationen mit Besuchen vor Ort weg. Zudem bedürfe es einem Fokus auf betriebliche Aus- und Weiterbildung sowie eine vorausschauende Personalbedarfsplanung in den Handwerksbetrieben. Hier zeigen die Studienverfasser allerdings gleich ein weiteres Problem mit auf: In vielen kleinen und mittelständigen Unternehmen (KMU) gebe es keine Personalexperten, die sich strategisch mit Personalentwicklung und Stellenbesetzung beschäftigen.

Die Studie wurde vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), einem Projektteam des Instituts der deutschen Wirtschaft durchgeführt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Die Kofa unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu qualifizieren.

 

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