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Gen Z und KI: Digital Natives sind keine AI Natives

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Viel wird über die Gen Z (Jahrgänge 1995–2010) in Personalabteilungen diskutiert. Wie leistungsbereit ist die neue Nachwuchsgeneration? Welche Herausforderungen, aber auch welche Chancen ziehen mit der Gen Z in Unternehmen ein? Und wie KI-kompetent sind die Digital Natives der Gen Z wirklich? Was können Arbeitgeber von dieser Generation erwarten, welche Potenziale bringt sie in Hinblick auf KI mit? Und welche Wünsche hat die Gen Z, wie sie KI im Arbeitsalltag einsetzen kann? Diese Fragen haben wir mit der aktuellen Studie „GenZ und GenAI: A Good Match?“ untersucht.  

Zurückhaltende Selbsteinschätzung 

Die Studie macht eines sehr klar: Die Digital Natives der Gen Z sind keine AI Natives. Die Selbsteinschätzung ihrer Kompetenz im Umgang mit KI ist zurückhaltend. Es wird deutlich, dass die Gen Z bislang ein Bildungssystem durchlaufen hat, das sie nur unzureichend auf die neuen Anforderungen der KI-Transformation vorbereitet hat. Die Gefühlswelt, mit der die Gen Z auf die Arbeitswelt mit KI blickt, schwankt zwischen Faszination, Optimismus und der Sorge, am Arbeitsmarkt der Zukunft nicht mehr benötigt zu werden. Deutlich wurde in der Studie aber auch, dass die Potenziale der Gen Z für eine „Change Agent“-Rolle in der KI-Transformation sehr groß sind. Um diese zu heben und die Gen Z bestmöglich dort abzuholen, wo sie gerade steht, lohnt sich der Blick auf die einzelnen Ergebnisse. 

Info

1. KI-Nutzung: Tools werden genutzt – aber ohne Strategie 

    Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Lern- und Arbeitsalltags der Generation Z geworden. Ob beim Schreiben, Recherchieren oder Erstellen von Inhalten – viele greifen ganz selbstverständlich auf KI-gestützte Anwendungen zurück und sind neugierig auf neue KI-Tools und -Systeme, die ihren Alltag erleichtern. Knapp 21 Prozent geben sogar an, KI-Tools eine bis zwei Stunden täglich zu nutzen – und damit als integralen Bestandteil ihres Arbeitsalltags. Vor allem Chatbots wie ChatGPT oder Gemini haben sich in kürzester Zeit zu Standardwerkzeugen dieser Generation entwickelt. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Der Umgang mit KI ist zwar weit verbreitet, aber selten strategisch ausgerichtet mit besonderem Fokus auf Tätigkeiten, die eine Erweiterung der eigenen Fähigkeiten darstellen (Skill Augmentation) und zugleich stark nachgefragt sind. Während generative Text- und Assistenztools dominieren, bleiben spezialisierte Anwendungen wie Recherche- oder Coding-Tools noch Randerscheinungen. 

    Was bedeutet das für Arbeitgeber? 

    Für Arbeitgeber ergibt sich daraus ein wichtiger Ansatzpunkt: Die Gen Z nutzt KI bislang intuitiv, aber nicht mit einer strategischen Ausrichtung. Durch gezielte Weiterbildungen in spezifischen Anwendungskontexten (beispielsweise KI im Marketing, Produktentwicklung, Innovationsprozessen) können Unternehmen das vorhandene Interesse in echte, berufsrelevante Kompetenzen übersetzen. Dazu zählt auch, der Gen Z stärker zu vermitteln, wie KI nicht nur als „Tool“ für bestimmte Aufgaben genutzt werden kann, sondern als strategischer Partner, mit dem typische Aufgaben wie Entscheidungsfindung, Planung und Problemlösung im Team mit KI besser erledigt werden können. 

    2. Gefühlswelt der Gen Z: neugierig, aber nicht naiv 

      Die Generation Z blickt ambivalent auf die Arbeitswelt mit Künstlicher Intelligenz. Einerseits überwiegen Neugier (35,1 Prozent), Offenheit und Faszination (22,8 Prozent), da KI für viele als Arbeitserleichterung, Innovationstreiber und Türöffner zu neuen beruflichen Möglichkeiten gilt.  

      Andererseits sorgt der rasante technologische Wandel für spürbare Verunsicherung. Viele Personen der Gen Z befürchten, in einer KI-getriebenen Arbeitswelt nicht mehr mithalten zu können vor allem, wenn sie selbst noch am Beginn ihrer Laufbahn stehen. 22,2 Prozent äußern Unsicherheit und 14,6 Prozent Sorge.  

      Was bedeutet das für Arbeitgeber? 

      Arbeitgeber können das Potenzial der großen Mehrheit der Gen Z, die neugierig, fasziniert und optimistisch in Bezug auf KI ist (80 Prozent), nutzen, um sie gezielt als Change Agents für die unternehmensinterne KI-Transformation zu nutzen. Gleichzeitig sind die Sorgen derjenigen, die „ängstlich“ oder „pessimistisch“ sind, ernst zu nehmen. Hier ist neben Weiterbildung auch transparente Kommunikation über die KI-Strategie des Unternehmens und ihre Konsequenzen für die Belegschaft gefragt. 

      3. KI-Kompetenz der Gen Z: Verstehen ist nicht beherrschen 

        Die Generation Z traut sich ein solides Grundverständnis von künstlicher Intelligenz zu. Fast 59 Prozent bewerten ihr Wissen über die Prinzipien, Funktionsweisen und Anwendungsmöglichkeiten von KI-Systemen als „gut“ (46,6 Prozent) oder „sehr gut“ (12,1 Prozent). Nur rund 10 Prozent stufen ihr Grundverständnis als „eher schwach“ oder „schwach“ ein. Auf den ersten Blick scheint die junge Generation damit gut aufgestellt, doch ein zweiter Blick zeigt ein differenzierteres Bild. 

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        Kompetenzlücke zwischen Theorie und Praxis 

        Zwar liegt die Selbsteinschätzung der Tool-Kompetenz mit 58,6 Prozent nahezu auf dem Niveau des allgemeinen KI-Verständnisses (58,7 Prozent), doch die qualitative Differenz ist entscheidend: Viele wissen zwar, wie KI funktioniert, fühlen sich aber weniger sicher, sie zielgerichtet einzusetzen. 

        Knapp ein Drittel (28,4 Prozent) bezeichnet die eigene Tool-Kompetenz als „ausbaufähig“, und 13 Prozent geben an, im Umgang mit KI-Anwendungen noch unsicher zu sein. Dies deutet darauf hin, dass theoretisches Wissen über KI nicht automatisch in praktische Handlungskompetenz überführt wird. Die Gen Z weiß, was KI kann, aber nicht immer, wie sie gezielt für konkrete Aufgaben und Problemlösung eingesetzt werden kann.

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        Diskrepanz zur Bildungserfahrung 

        Deutlich wird die Lücke bei der Frage nach der Vorbereitung durch Schule, Ausbildung oder Arbeitgeber. Nur 28Prozent der Befragten fühlen sich „gut“ oder „sehr gut“ auf den zielgerichteten und sicheren Einsatz von KI vorbereitet. Ein gutes Drittel (33,2 Prozent) sieht sich nur „mittelmäßig“ gerüstet, während fast 39 Prozent ihre Vorbereitung als „eher schlecht“ oder „schlecht“ einschätzen. 

        Das zeigt: Der Bildungskontext – sowohl die schulische und universitäre Ausbildung als auch die betriebliche Weiterbildung – hält mit der schnellen technologischen KI-Entwicklung nicht Schritt. Zwischen selbst erworbenem Wissen, intuitiver Tool-Nutzung und institutioneller Vorbereitung und den schnelllebigen neuen Anforderungen klafft eine spürbare Lücke. 

        Was bedeutet das für Arbeitgeber? 

        Für Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag im Bereich der Bildung. Die Gen Z bringt die Grundlagen und Neugierde mit, jedoch fehlt ihr oft die strukturierte Anleitung, um KI strategisch und produktiv in spezifischen Anwendungsfeldern einzusetzen. Arbeitgeber sollten die vorhandene Offenheit und Neugierde für neue KI-Entwicklungen der Gen Z durch praxisnahe Weiterbildung in echte Anwendungskompetenz überführen.

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        Sie wollen mehr über das Thema Künstliche Intelligenz und deren Nutzung im HR-Bereich erfahren?

        Dann schauen Sie doch einmal in unser Dossier zum Thema. Dort stellen wir für Sie kontinuierlich aktuelle Berichte, Analysen, Deep-Dives und Tools für den Einsatz von KI im HR-Alltag zusammen.

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        4. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Der Ruf nach mehr KI-Fähigkeiten 

          Die Generation Z zeigt in Bezug auf KI einen hohen Lernwillen. Das ist neben ihrer Neugierde und Offenheit als größte Stärke bei der KI-Transformation zu werten. Obwohl sich viele Befragte bereits eine gute allgemeine KI-Kompetenz zuschreiben, wünschen sich die meisten dennoch eine gezielte Weiterentwicklung in konkreten Anwendungsfeldern. 

          Mehr als die Hälfte der Gen Z (59,4 Prozent) möchte lernen, Aufgaben gezielt mit KI zu automatisieren. 54,2 Prozent möchten die effektive Nutzung von KI-Tools für die Recherche und die Textgenerierung besser beherrschen. Knapp 40 Prozent interessieren sich für die Grundlagen von Machine Learning und KI-Entwicklung, während 35,9 Prozent lernen möchten, KI-generierte Inhalte kritisch zu bewerten. 

          Auffällig ist, dass der Aspekt der Ethik und Verantwortung beim Einsatz von KI mit 27,7 Prozent zwar seltener genannt wird, aber dennoch von einem signifikanten Teil der jungen Menschen als Lernfeld erkannt wird – ein Hinweis darauf, dass die Generation Z KI nicht nur technisch, sondern auch werteorientiert betrachtet.

          Für die junge Generation ist nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wie“ des Lernens entscheidend. Mehr als die Hälfte (54,8 Prozent) bevorzugt interne Präsenzschulungen und Workshops, gefolgt von virtuellen Trainings (47,6 Prozent) sowie persönlichem Coaching durch KI-Experten und -Expertinnen (39,8 Prozent). Auch der unternehmensübergreifende Austausch (28 Prozent) und der Austausch mit Gleichgesinnten (36,3 Prozent) sind sehr beliebt. Präsenz ist beliebter als virtueller Austausch. Diese Präferenzen verdeutlichen: Die Gen Z lernt am liebsten praxisnah, interaktiv und gemeinschaftlich. Sie sucht reale Anwendungsbeispiele statt theoretischer Abhandlungen. 

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          Was bedeutet das für Arbeitgeber? 

          Für Unternehmen ergibt sich durch KI-Weiterbildung ihrer Belegschaft eine doppelte Chance: Einerseits können sie die Wirkung ihrer Arbeitgebermarke steigern, indem sie gezielt für die Gen Z attraktive Weiterbildungsangebote schaffen und bewerben. Andererseits machen sie so auch ihre Organisation als Ganzes fit für die KI-getriebene Arbeitswelt und können die Gen Z als Multiplikatoren oder für „Reverse Mentoring“ im Bereich KI nutzen.

          5. KI-Weiterbildung wird zur Arbeitgeberfrage 

            Für die Generation Z ist Künstliche Intelligenz längst mehr als nur ein Trendthema: Sie wird zu einem zentralen Faktor bei der Jobwahl. Über 46 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen gute KI-Weiterbildungsangebote ihres Arbeitgebers wichtig oder sehr wichtig sind. Weitere 28,9 Prozent bewerten diesen Aspekt immerhin als „etwas wichtig“. Damit sehen sich drei Viertel der jungen Talente gezielt nach Unternehmen um, die ihnen Möglichkeiten zur Entwicklung und Anwendung von KI-Kompetenzen bieten. 

            Trotz der hohen Bedeutung von Weiterbildung zeigt sich die Generation Z realistisch: Nur ein sehr kleiner Teil würde einen ansonsten attraktiven Arbeitgeber allein wegen fehlender KI-Schulungen ablehnen oder kündigen. Das bedeutet: Fehlende KI-Weiterbildung führt zwar nicht unmittelbar zu Kündigungen, aber zu einer sinkenden Arbeitgeberattraktivität, zumal die Gen Z eine aktive Förderung ihrer beruflichen Entwicklung einfordert. Unternehmen, die keine klaren Lernangebote im Bereich KI bieten, laufen daher Gefahr, langfristig als rückständig und zu wenig technologieaffin wahrgenommen zu werden – besonders von einer Generation, für die Zukunftsfähigkeit ein entscheidendes Qualitätsmerkmal ist. Noch deutlicher wird die Bedeutung von praktischer Erfahrung mit KI „on the Job“. Fast 40 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich „wahrscheinlich“ bis „sehr sicher“ gegen einen Arbeitgeber entscheiden würden, der keine Möglichkeit bietet, im Arbeitsalltag mit KI-Tools zu arbeiten. Nur 14,6 Prozent würden das „sicher nicht“ tun. 

            Damit zeigt sich ein klarer Trend: Die Gen Z will KI nicht nur lernen, sondern auch anwenden. Praxisorientierte Lernräume und die aktive Integration von KI in den Arbeitsalltag sind entscheidend für die Arbeitgeberattraktivität und Bindung.

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            Fazit: Zwischen Angst und Aufbruch Was die Gen Z bewegt 

            Trotz Optimismus und großer Offenheit gegenüber KI bleibt bei der Gen Z eine gewisse Unsicherheit: 

            • Angst vor Überflüssigkeit: Sorge, durch KI ersetzt zu werden. 
            • Mangelnde Vorbereitung: Gefühl, nicht genug zu wissen. 
            • Kompetenzverlust: Zweifel, ob KI die eigenen Fähigkeiten entwertet. 

            Unternehmen, die diese Emotionen ansprechen, gewinnen Vertrauen. Transparente Kommunikation, Lernpfade und offene Dialogformate schaffen Sicherheit – und binden Talente langfristig. Vertrauen in KI entsteht durch Kompetenz, Transparenz und Mitgestaltungsmöglichkeiten. Arbeitgeber, die ihre Teams einbinden und befähigen, schaffen Akzeptanz – und damit Innovationskraft. Die Generation Z ist wissbegierig, technologieoffen und lernbereit. Doch um in einer KI-getriebenen Welt bestehen zu können, braucht sie Führung, Orientierung und vor allem auch gezielte Förderung. Unternehmen, die diese Generation begleiten, statt zu überfordern, und weiterhin mit der Gen Z ihre Talent-Pipeline auf Einstiegspositionen füllen, schaffen sich einen entscheidenden Vorsprung. Sie bauen Teams auf, die Technologie verstehen und sie sinnvoll einsetzen, ohne dabei ihr menschliches Potenzial zu verlieren. 

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