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Gut jeder Sechste ist überqualifiziert

In einigen westdeutschen Gebieten hat jeder zehnte Arbeitnehmer einen Berufsabschluss, der höher ist als für die ausgeübte Tätigkeit erforderlich ist. In anderen Regionen trifft dies jedoch teilweise sogar auf jeden vierten zu – vor allem in Ostdeutschland.

Mehr Berufsabschlüsse und mehr Überqualifizierte in Ostdeutschland

Die regionalen Unterschiede lassen sich zunächst auf ein höheres formales Qualifikationsniveau in Ostdeutschland zurückführen: Nur neun Prozent der ostdeutschen Arbeitnehmer haben keinen Berufsabschluss, aber 16 Prozent der westdeutschen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Basis der Analyse ist eine Stichprobe der Beschäftigtenhistorik des IAB; berücksichtigt wurden 18- bis 65-Jährige Arbeitnehmer.

Vor allem Arbeitnehmer über 50 arbeiten unterhalb ihres Ausbildungsniveaus

In der ehemaligen DDR hatte die flächendeckende Berufsausbildung einen sehr hohen Stellenwert. Daher haben dort nur wenige Arbeitnehmer keine Berufsausbildung abgeschlossen, erklären die IAB-Forscher. Außerdem sind nach der Wiedervereinigung viele Arbeitsplätze mit einem höheren Qualifikationsniveau weggefallen, sodass nicht genügend adäquate Stellen für die noch in der DDR ausgebildeten Arbeitnehmer zur Verfügung standen. Darüber hinaus wurden durch den Wechsel des Systems manche Qualifikationen und Kenntnisse nicht mehr nachgefragt. In der Folge mussten die Arbeitnehmer vermehrt auch Tätigkeiten unterhalb ihres formalen Qualifikationsniveaus annehmen. Daher sind es heute vor allem die Arbeitnehmer über 50 Jahre, die von ausbildungsinadäquater Beschäftigung in Ostdeutschland betroffen sind, während das Risiko der Jüngeren sehr viel geringer ausfällt.

In einzelnen westlichen Regionen ziehen hohe Löhne Überqualifizierte an

In Westdeutschland gibt es nur vereinzelt Regionen mit hohen Anteilen an formal überqualifiziert Beschäftigten, etwa Wolfsburg und der Rhein-Neckar-Kreis. Der Lohn der formal überqualifiziert Beschäftigten ist dort aufgrund der ansässigen Industrie durchschnittlich höher als in anderen Regionen. Die hohen Anteile an formal überqualifiziert Beschäftigten scheinen also durch die besseren Verdienstmöglichkeiten bedingt zu sein, so das IAB.

Nicht ausgeschöpfte Potenziale?

Das IAB hat die formale Überqualifizierung näher betrachtet, weil sie auf nicht ausgeschöpfte gesamtwirtschaftliche Potenziale hindeuten könnte. Die Arbeitsmarktforscher betonen aber, dass die individuellen und gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen von formaler Überqualifizierung differenziert zu betrachten seien: “Für Arbeitnehmer kann eine formale Überqualifizierung sowohl mit höheren Verdiensten als auch mit Lohneinbußen und weiteren Arbeitsmarktrisiken einhergehen. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht kommt es einerseits zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit, andererseits aber zu nicht optimal genutzten Bildungsausgaben und Wertschöpfungspotenzialen”. Vor allem im Hinblick auf die künftige Fachkräftesicherung stelle sich die Frage, wo Potenziale besser genutzt werden könnten.

Ein ausführlicher Bericht über die Studie ist hier abrufbar.

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