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Gute und schlechte Noten für das deutsche Bildungssystem

In Deutschland ist der soziale Aufstieg für Kinder von Eltern ohne Schulabschluss schwerer als anderswo.
Foto: © crazymedia/Fotolia.de
In Deutschland ist der soziale Aufstieg für Kinder von Eltern ohne Schulabschluss schwerer als anderswo.
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Deutschland kann sich damit rühmen, dass der Anteil junger Menschen, die weder in Ausbildung noch erwerbstätig sind, so niedrig ist wie in keinem der anderen 34 OECD-Staaten. Wie die Agentur Reuters meldete, sagte Andreas Schleicher, Experte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, am Donnerstag, das liege zwar auch an der guten wirtschaftliche Lage der Bundesrepublik, vor allem aber an der international vorbildlichen beruflichen Ausbildung.

Zahl der Studierenden steigt stärker als im OECD-Schnitt

Immer mehr junge Menschen entscheiden sich jedoch nicht für eine Berufsausbildung, sondern für ein Studium. Laut OECD-Bildungsbericht ist die Zahl der Studenten in Deutschland zwischen 2008 und 2013 um 28 Prozent angestiegen; im OECD-Durchschnitt liegt der Anstieg bei 11 Prozent. Ein Überangebot von Universitätsabgängern gibt es nach Meinung von Schleicher allerdings nicht; Anzeichen für eine Sättigung des Arbeitsmarktes für höhere Qualifikationen seien nicht erkennbar.

Anteil der Deutschen ohne Ausbildung oder Abitur geht nicht zurück

Auch wenn die Zahl der Studierenden hierzulande stärker zunimmt als anderswo, ist nicht alles Gold, was glänzt: Deutschland schafft es seit Jahren nicht, den Anteil von Bundesbürgern ohne Berufsausbildung oder Abitur zu verringern, so Schleicher. Er führte an, dass dieser Anteil bei den heute 25- bis 34-Jährigen bei 13 Prozent liegt – damit ist er genauso hoch wie bei den 55- bis 64-Jährigen. Vielen anderen Ländern sei es dagegen gelungen, die Zahl der jungen Menschen ohne Ausbildung und Abitur zu verkleinern. In Österreich beispielsweise sei diese Quote von 23 Prozent auf 10 Prozent gedrückt worden und in der Schweiz sei der Anteil Geringqualifizierter von 16 auf 9 Prozent zurückgegangen.

Fehlende Durchlässigkeit und niedrige Bildungsausgaben

Das deutsche Bildungssystem krankt außerdem weiter an fehlender Durchlässigkeit. Die Aufstiegschancen für Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Familien seien nach wie vor ungenügend, sagte Schleicher. Von Kindern mit Eltern ohne Schulabschluss könne nur jedes zehnte im Alter zwischen 21 und 44 Jahren ein abgeschlossenes Studium vorweisen. Die Mobilität falle lediglich in sechs Staaten noch geringer aus.

Einen direkten Zusammenhang zwischen den festgestellten Mängeln und den Bildungsausgaben stellte der Experte zwar nicht her, verwies aber darauf, dass die Ausgaben in Deutschland mit 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts unter dem OECD-Durchschnitt von 4,8 Prozent liegen.

Weitere Informationen gibt es im Bericht “Bildung auf einen Blick – OECD-Indikatoren”, der > hier abgerufen werden kann.