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Immer schneller, immer individueller

+++ Wer war beim Round Table dabei? Was waren die zentralen Aussagen der Experten? Mehr dazu in der › Bilderstrecke +++

Eine Hand greift ein Tablet, das in einem Bücherregal steckt.
Die Digitalisierung ist nicht nur Inhalt, sondern auch Mittel moderner Weiterbildung. Bild: baona/istock

Digitale Transformation, härterer Wettbewerb, Fachkräftemangel – das sind nur drei Aspekte, die Weiterbildung zur Pflicht für Arbeitgeber macht. Der Handlungsdruck steigt, das haben die Unternehmen erkannt. Auch im Mittelstand ist das Thema angekommen: Zeigte sich das “Rückgrat der deutschen Wirtschaft” zunächst eher zögerlich, steigt es nun umso entschiedener ein. Das hat nicht zuletzt auch mit neuen, technikgestützten Lösungen zu tun. Wer seine Mitarbeiter nicht für längere Zeit entbehren kann, freut sich über arbeitsplatznähere und leichter umzusetzende Qualifizierungsmaßnahmen. Ohnehin ist eine unternehmensinterne Weiterbildung sinnvoll: Sie kann verhindern, gut ausgebildete Fachkräfte für viel Geld auf dem Arbeitsmarkt einkaufen zu müssen, und sie trägt zum positiven Image der Arbeitgebermarke bei. Ein nicht zu unterschätzender Faktor vor allem bei jüngeren Generationen.

Leichterer Zugang zur Bildung

Diese lernen selbstbestimmter, da waren sich die Experten beim Round-Table (zur › Bilderstrecke) einig. Der Zugang zu Bildung im Internet ist kinderleicht geworden, zudem ist er flexibel, und er kann die eigene Karriere beflügeln. Die Schattenseiten: Bei vielen E-Learning-Lösungen fehlt der fachliche Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen, der Blick über den Tellerrand. Zudem besteht die Gefahr, dass nicht geprüfte Angebote in Konkurrenz zu den seriösen, in der Regel zertifizierten und wissenschaftlich fundiert arbeitenden Anbietern gesetzt werden.

Und: Nach dem unter anderem vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erhobenen Adult Education Survey (AES) über die Beteiligung und Nichtbeteiligung Erwachsener am lebenslangen Lernen, haben zwar 50 Prozent der 18- bis 64-Jährigen 2016 an Weiterbildung teilgenommen. Das heißt aber auch, dass sie der anderen Hälfte nicht zugänglich war. Wer E-Learning fördern will, muss gleichzeitig eine entsprechende Bildungskultur im Unternehmen schaffen. Doch auch die Unsicherheit bezüglich des passenden Angebotes, schlechte Bildungserfahrungen im Vorfeld oder schlicht die Kosten halten potenzielle Teilnehmer von Weiterbildungsmaßnahmen ab.

HR als Impulsgeber, Sparringspartner, Coach

Personaler können hier eine wichtige Rolle spielen – wenn sie mit den Entscheidungsträgern in Management und Fachabteilungen auf Augenhöhe diskutieren, Impulse setzen und ihre Argumente mit Zahlen, Daten und Fakten untermauern können. Die Schulungs- und Weiterbildungspolitik in vielen Unternehmen ist aber noch zu häufig unsystematisch. Mitarbeiter werden nicht selten mit der Fülle an betrieblichen Weiterbildungsangeboten allein gelassen. Könnte oder sollte diese Aufgabe nicht ein Coach übernehmen, der den nötigen Überblick und das Know-how hat, um die richtigen Angebote zu identifizieren und zu empfehlen? Der die Beschäftigten ein Stück auf ihrem Karriereweg begleitet? Zumindest würde das die Motivation aufseiten des Mitarbeiters erhöhen, zusätzliche Lern-Anstrengungen auf sich zu nehmen.

Vielleicht hilft künftig auch die sogenannte künstliche Intelligenz (KI) dabei. Denn auch sie ist in der Lage, zu lernen – und wird unser menschliches Lernen in Zukunft stärker beeinflussen. Bei vielen Anbietern kommen sie schon heute zum Einsatz. KI bietet Möglichkeiten, Lernpfade trotz steigenden Kostendrucks immer individueller und damit sinnvoller zu gestalten. Nicht zuletzt wird das auch von den Lernenden erwartet, für die das Smartphone in der Tasche und agile Arbeitsweisen im Job längst selbstverständlich sind. Erfolg versprechend ist eine Kombination aus Off- und Online-Methoden: Wird das E-Learning durch einen Tutor oder Trainer aus Fleisch und Blut begleitet, sinkt die Abbruchquote und steigt die Akzeptanz.

Die Führungskräfte haben dabei eine doppelte Aufgabe zu stemmen: die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter – und ihre eigene. Neue Führungssituationen, bröckelnde Hierarchien, immer weniger langfristige Sicherheiten sowie steigende Anforderungen der eigenen Belegschaft an ihr Führungsverhalten stellen auch sie vor neue Herausforderungen, bei denen sie Unterstützung benötigen. Es kann nicht schaden, zu Beginn ein grundsätzliches Verständnis im Unternehmen darüber zu gewinnen, welche Rolle sie künftig einnehmen sollen. Denn eines wird sich auch künftig nicht ändern: Alle sind Lernende.

Trends im Weiterbildungsmarkt 2017
1) Digitalisierung sorgt für Dynamik
Der Weiterbildungsmarkt befindet sich in einem Umbruch. Zum einen müssen Anbieter stetig bedarfsgerechte Lösungen für die schneller wechselnden Anforderungen der Unternehmen finden und entwickeln. Zum anderen ermöglicht der technologische Wandel immer mehr neue Lernformen.
2) Weiterbildung ist Pflicht
Weiterbildung wird gerade für kleine und mittlere Unternehmen zum Muss. Wer Schwierigkeiten hat, offene Stellen zu besetzen, muss intern stärker auf Qualifizierung setzen.
3) Individuelles Lernen ist Trumpf
Die Berufsbilder und Anforderungen an jeden einzelnen Mitarbeiter wandeln sich. “One size fits all” funktioniert nicht mehr. Künftig sind Lösungen und Konzepte gefragt, die den individuellen Wissensstand sowie die spezifischen Bedürfnisse der Beschäftigten berücksichtigen. Das geht nicht ohne Eigeninitiative.
4) Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter
Sie wird von den Unternehmen erwartet und gereicht auch zum eigenen Vorteil des Mitarbeiters. Noch nie zuvor standen so viele Wege offen, sich eigenständig fortzubilden. Wichtig ist dabei aber eine Form von Begleitung, die Klarheit in der Fülle des Angebots und über die Qualität der Maßnahme schaffen kann.
5) Führung neu gedacht
Mit dem Wandel des Unternehmens muss sich auch die Führung ändern. Agiles Arbeiten, sich selbst organisierende Teams und bröckelnde Hierarchien sind Beispiele dafür, dass auch Führungskräfte wieder zu Lernenden werden – und dabei unterstützt werden sollten.
+++Die wichtigsten Aussagen der Teilnehmer hier noch einmal im › Bild +++