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Auch Digital Natives zieht es vor allem in traditionelle Berufe

Collage: Lehrerin in Klassenraum und IT-Spezialist in Industriebetrieb
“Was mit Menschen” oder “was mit Technik” – so könnte man die beliebtesten Berufswünsche von Mädchen und Jungen zusammenfassen.
Foto links: © industrieblick/StockAdobe, Foto rechts © Pixel-Shot /StockAdobe,

Für die neue Pisa-Studie wurden nicht nur Tests durchgeführt, sondern die 15-jährigen Teilnehmer wurden danach gefragt, in welchem Beruf sie mit 30 einmal arbeiten möchten. Die meisten Mädchen (10,4 Prozent) sehen sich dann als Lehrerin, dicht gefolgt von der Ärztin (zehn Prozent). Auf den Plätzen dahinter rangieren die Berufe Erzieherin (6,4 Prozent) und Psychologin (4,5 Prozent). Die meisten Jungen (6,7 Prozent) möchten 15 Jahre später als IT-Spezialist arbeiten oder als Industriemechaniker (5,2 Prozent), Automechaniker (5,1Prozent), Polizist (4,5 Prozent) und Lehrer (3,8 Prozent). Die Sonderauswertung der Pisa-Studie wurde letzte Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgestellt. Aus Deutschland hatten rund 5500 Schüler an der Studie teilgenommen.

OECD sieht die Berufswünsche der Schüler als Warnsignal

Die Ergebnisse zeigen laut OECD, dass sich die Berufsvorstellungen der jungen Menschen trotz der sich verändernden Arbeitswelt in den letzten 20 Jahren kaum verändert haben, sondern “dass auch im Zeitalter sozialer Medien und künstlicher Intelligenz Jugendliche in den OECD-Ländern kaum Tätigkeiten anstreben, die mit der Digitalisierung entstanden sind”. Auch die sogenannten Digital Natives interessierten sich vor allem für etablierte Berufe; IT-Jobs hätten sogar an Attraktivität verloren. Die OECD hält es für möglich, dass 39 Prozent der genannten Berufe dem Risiko unterliegen, in zehn bis 15 Jahren durch die Automatisierung wegzufallen; hierzulande treffe das sogar für 45 Prozent zu.

Jungen interessieren sich weiterhin mehr für Technik als Mädchen

Die Sonderauswertung zeigt außerdem, dass nicht nur hierzulande, sondern auch im globalen Schnitt weibliche Teenager weiterhin deutlich andere Berufsvorstellungen haben als männliche. So interessieren sich Jungen, die in der Pisa-Studie gut in Mathematik und Naturwissenschaften abgeschnitten haben, laut der Auswertung wesentlich häufiger für einen Ingenieurberuf. Mädchen hingegen wählen, auch wenn sie in diesen Fächern gut abschneiden, häufiger Berufe im Gesundheitswesen.

Deutsche und österreichische Teenager zieht es weniger an die Hochschule als im globalen Vergleich

Überdies falle es in Deutschland, aber auch in Österreich, auf, dass viele leistungsstarke Schüler trotz guter schulischer Leistungen nicht studieren wollen, so die Pisa-Experten. In Deutschland gelte das für 45 Prozent der Mädchen und sogar für mehr als jeden zweiten Jungen. Die duale Ausbildung werde offenbar als gute Karriereperspektive zum Studium wahrgenommen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.