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Mangel an belastbaren Leitbildern schadet Unternehmen

In Jahresendgesprächen sollten die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Mitarbeiter mit den Zielen und Werten des Arbeitgebers in Einklang gebracht werden. Jedes zweite Unternehmen agiere dabei aber “im luftleeren Raum”, wie eine Studie der Personalberatung Rochus Mummert ergab. Sie verfügten über kein “belastbares Leitbild”, an dem sich die Gesprächspartner orientieren können. Gleichzeitig gaben drei Viertel der befragten Unternehmen an, dass Firmen mit einer klaren normativen Führung wirtschaftlich erfolgreicher seien.

Die Diskrepanz führe zu der Gefahr, dass die vereinbarten wirtschaftlichen Ziele in vielen Fällen nicht erreicht würden oder Mitarbeiter das Unternehmen “völlig frustriert” verlassen, sagt Studienleiter Dr. Hans Schlipat: “In den Unternehmen wird dieser Tage über Zielvorgaben und daraus abgeleitete Vergütungsmodelle gesprochen, ohne sich vorher über ein paar grundsätzliche Fragen des täglichen Miteinanders verständigt zu haben.”

Ein Leitbild allein ist jedoch nicht die Lösung des Problems: Die rund 70 befragten HR-Manager gaben an, dass sich ein vorhandenes Firmenleitbild bei nicht einmal zehn Prozent der obersten Führungskräfte “wirklich überzeugend” im Verhalten niederschlage. Schlipat: “Sich für viel Geld ein Leitbild oder ein Employer Brand ,designen’ zu lassen statt eine Wertekultur vorzuleben, ist kein Zeichen von Arbeitgeberattraktivität, sondern von Arroganz.”

Eine frühere Studie der Personalberatung hatte ergeben, dass sich jeder dritte Mitarbeiter aus Furcht vor negativen Konsequenzen mit Kritik im Jahresendgespräch zurückhält. Diese Vorsicht erkläre sich auch dadurch, dass nur wenige Mitarbeiter Leitbildgrundsätze als Verhaltensmaßstab nutzen könnten. Das Beratungsunternehmen sieht vor allem die HR-Verantwortlichen in der Pflicht, Themen wie Respekt und Wertschätzung im Unternehmen voranzutreiben. (ds)