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Der potenzielle Nachwuchs braucht mehr Infos und Vorbilder

Unterrichtsraum mit jungen Leuten, die Computerunterricht haben, im Vordergrund eine motiviert aussehende junge Frau
Bereits in der Schule müssten junge Menschen stärker für Informatik und andere MINT-Fächer begeistert werden. Foto: © nd3000/Fotolia.de

In Deutschland ist die Zahl von weiblichen Studienanfängern in Informatikstudiengängen im Jahr 2016 um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und damit etwas stärker als die Gesamtzahl der Informatik-Erstsemesterstudierenden, die um 4,8 Prozent zunahm. Mit einem Anteil von knapp einem Viertel (23 Prozent) sind Frauen unter den Informatik-Studienanfängern jedoch weiter deutlich unterrepräsentiert. Das berichtet der Digitalverband Bitkom unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis).

Mädchen interessieren sich weniger für Informatik & Co

Junge Frauen sind immer noch deutlich zurückhaltender als junge Männer, wenn es darum geht, MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) im Abitur oder an der Universität zu belegen. Eine aktuelle Studie von PwC zeigt, dass nur acht Prozent der Schülerinnen hierzulande Physik oder Informatik im Abitur wählen. An den Hochschulen zeigt sich ein ähnliches Bild: Fast jeder zweite Student, aber nur jede vierte Studentin belegt ein MINT-Fach; für Informatik entscheiden sich sogar lediglich zwei Prozent der Studentinnen gegenüber 14 Prozent bei den Studenten. Für den > “Women in Tech Report” wurden mehr als 2000 Schüler und Studierende an deutschen Schulen und (Hochschulen repräsentativ befragt.

MINT-Fächer sind in den Augen junger Menschen nicht kreativ

Als Hauptgründe gegen einen MINT-Beruf gaben die meisten Befragten – 76 Prozent der Studierenden und 75 Prozent der Schüler – fehlendes persönliches Interesse an. 37 Prozent der Studierenden und 23 Prozent der Schüler nannten die Schwierigkeit der Ausbildung. Außerdem war für 22 Prozent der Studierenden und 21 Prozent der Schüler fehlende Kreativität der Fächer ein Motiv gegen eine Karriere in MINT-Berufen. Letzteres verdeutliche, so PwC, dass vielen jungen Menschen die wachsende Bedeutung und Kreativität der Fächer gerade im Zusammenhang mit neuen Technologien wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz, Roboter und Virtual Reality gar nicht bewusst seien.

Schüler und Studierende wünschen sich mehr Beratung zu MINT-Berufen

In der Studie gaben je 61 Prozent der Schüler und Studierenden an, dass sie sich mehr Beratung und Information zu MINT-Berufen gewünscht hätten. Mehr als ein Drittel der Befragten, für die ein MINT-Beruf bislang nicht in Frage kam, gaben sogar an, sie würden eine MINT-Karriere in Erwägung ziehen, wenn sie mehr darüber wüssten. Um mehr Nachwuchs für solche Berufe zu begeistern, müsse man deshalb möglich früh und offensiv ansetzen, so PwC. Durch verstärkte Kooperationen von Schulen, Hochschulen und Unternehmen der Technologiebranche ließen sich deutlich mehr MINT-Talente finden und fördern. Auch Bitkom-Bildungsexpertin Natalie Barkei ist der Meinung, dass Kinder so früh wie möglich für digitale Technologien begeistert und schon im Grundschulalter an das Programmieren herangeführt werden sollten.

Mädchen müssen dabei besonders gefördert werden, denn die Erfahrung zeigt, dass auch die talentiertesten ihr Interesse an MINT-Fächern verlieren, wenn die Förderung ausbleibt,

denkt Barkei. Die Bitkom-Schulinitiative > erlebe IT veranstaltet regelmäßig Programmiertage an Schulen. Aber es fehle auch an weiblichen Vorbildern, so Barkei. Das zeigt auch die Studie von PwC. Die meisten Befragten, die ein Vorbild der Technologiebranche nennen konnten, dachten an Steve Jobs, außerdem an Bill Gates und Elon Musk, die von Männern etwas häufiger genannt wurden als von Frauen. Eine berühmte Frau aus der Technologie fiel nur jedem siebten Befragten spontan ein.

Unternehmerinnen und Managerinnen der Tech-Branche sollten als Vorbilder sichtbarer in Erscheinung treten,

sagt Susanne Arnoldy, Partnerin bei PwC Deutschland und Mitbegründerin
des Digital- und Technologienetzwerkes “women&technology:
connected. disruptive. digital.”. Dadurch könnten sie insbesondere jungen Frauen die Attraktivität sowie die Innovations- und Kreativitätskraft des Berufs näherbringen und helfen, mehr Schülerinnen für den Berufszweig zu begeistern.

Derzeit könnten 55 000 IT-Jobs nicht besetzt werden, weil die Spezialisten fehlen, so Natalie Barkei. Aber nicht nur wegen des Fachkräftemangels hätten Frauen auf dem IT-Arbeitsmarkt besonders gute Chancen, sondern viele Unternehmen suchten wegen der Vorteile gemischter Teams speziell weibliche Mitarbeiter.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.