Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Mein neues HR-Jahr

Bild: Coloures-pic/Fotolia.de
Bild: Coloures-pic/Fotolia.de

In guter Tradition bitten wir unseren Fachbeirat zum Jahreswechsel, in die Glaskugel zu schauen, um wichtige HR-Themen für das neue Jahr zu skizzieren. Dieses Mal ging es um die eigene Agenda 2016. Dazu haben wir unseren Beiratsmitgliedern folgende Fragen gestellt.

1.) Welches HR-Projekt schreiben Sie sich persönlich für 2016 so deutlich auf die Fahnen, dass wir Sie am Ende des Jahres darauf festnageln können?

2.) Welche drei HR-Veranstaltungen haben Sie für 2016 schon fix im Kalender vermerkt?

3.) Welches HR-Thema nervt Sie so sehr, dass Sie darüber nächstes Jahr auf keinen Fall etwas in der Personalwirtschaft lesen wollen?  

Roland Hehn

CHRO, Heraeus

1.) Die Implementierung eines Leistungspotential- Index. Das ist eine Eigenentwicklung zusammen mit der Universität Wuppertal zur Messung der Ausschöpfung des Leistungspotentials der Mitarbeiter innerhalb einer Abteilung im Zusammenhang mit Führung, Organisation und Gesundheit.

2.) Heraeus Global HR Summit, Beiratssitzung der Personalwirtschaft sowie ein oder zwei Kongresse

3.) Demokratische Unternehmen   

Prof. Dr. Wolfgang Jäger

Fachbereich Design, Informatik, Medien, Hochschule RheinMain

1.) Mindestens zwei interessante Beiträge für die Personalwirtschaft zu verfassen.

2.) Unser Jobstairs-Gesamtkundenforum, die Verleihung des Deutschen Personalwirtschaftspreises in Köln und den Talent Management Gipfel

3.) Mich nervt grundsätzlich jedes Thema, wenn der Inhalt dünn ist und die Verfasser sich nur selber loben.  

Rudolf Kast

Inhaber, Personalmanufaktur

1.) Führungskultur in der Umsetzung: Viele Unternehmen sind stolz auf ihre perfekt formulierten und gestalteten Führungsleitlinien, die an der Wand hängen, aber die Realität nicht abbilden. Ich habe mir für 2016 in derzeit drei Unternehmen vorgenommen, in Zusammenarbeit mit Führungskräften die direkte Übersetzung der Leitlinien in geeignete Führungsinstrumente zu definieren sowie die Leitsätze mit passgenauen Maßnahmen in den Führungsalltag zu integrieren. Förderlich dabei werden die Rollen einzelner Führungskräfte als Peers sein, die die Verantwortung für spezielle Führungsthemen in der Umsetzung im operativen Alltag wahrnehmen.

2.) Es sind die Veranstaltungen, auf denen ich als Referent auftrete, wie zum Beispiel bei einer Tagung in Freiburg am 25. Februar zu der Frage, was Führung in der heutigen Arbeitswelt heißt – oder auf der Messe Zukunft Personal in Köln. Im Übrigen besuchen die Repräsentanten der Personalfunktion viel zu viele Präsenzveranstaltungen. Stattdessen empfehle ich eine regelmäßigere Teilnahme an Online-Kursen, virtuellen Diskussionsforen im Web und nach wie vor die Lektüre eines guten Fachbuchs.

3.) Bitte keine Artikel und Statements mehr zur Positionierung der HR-Funktion im Unternehmen und zur Diskussion, ob HR nun Business Partner ist oder nicht und welche Anteile der Strategie- oder Service-Funktion zuzuordnen sind. Stattdessen sollen HRler konsequent ihre Personalpolitik aus der Unternehmensstrategie heraus ableiten und ihren Nutzen für das Unternehmen bitte endlich in Kennzahlen messbar machen. Akzeptanz und Einfluss ergeben sich dann wie von selbst.  

Isabell C. Krone

Inhaberin, i-Restart

1.) 2016 möchte ich einen meiner Kunden beim Weg aus der Krise begleiten und unterstützen. Ich möchte insbesondere dabei sein, wenn das HR-Team Themen wie Vertrauensverlust und Rückkehr in die Glaubwürdigkeit bearbeitet und umsetzt.

2.) In meinem Kalender sind die Netzwerktreffen der Selbst GmbH vermerkt, die Teilnahme an den HR-Foren der CeBIT, die Messe Zukunft Personal in Köln und nicht zuletzt die Preisverleihung des Deutschen Personalwirtschaftspreises 2016.

3.) HR 2.0/HR 4.0: Die Digitalisierung der HR-Welt. Der HRBereich sollte wieder zu realen Themen zurückkommen und im Face-to-Face-Dialog mit seinen Kunden – den Mitarbeitern und Führungskräften – stehen. Es scheint, als würden einige Personaler das Schweben in der HR-Matrix dem tatsächlichen HR-Alltag vorziehen.

Prof. Dr. Gunther Olesch

Geschäftsführer HR, Informatik und Recht, Phoenix Contact

1.) Die Einführung von neuen Arbeitsorganisationen sowie Change Management und Qualifizierungsmaßnahmen für Industrie 4.0. Speziell für unsere Ausbildung und Qualifizierungsmaßnahmen wird im Juni 2016 unser neues Bildungszentrum (Investitionssumme: 30 Millionen Euro) im Beisein von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka eröffnet.

2.) DGFP-Kongress, CEO-Gipfel, Personalmanagement Kongress

3.) Mich nerven eigentlich keine Themen. Besonders wichtig und für mich interessant finde ich jedoch Themen, die die ganzheitliche Unternehmensausrichtung und -strategie behandeln.

Thomas Sattelberger

ehem. Personalvorstand, Deutsche Telekom

1.) Als Unruheständler befeuere ich die HR-Szene mit etlichen Themen. Da ist zum einen die große Herausforderung der digitalen Transformation. Dieses Thema treibe ich seit Jahren. Zweitens: Unternehmens- und Führungskulturen müssen sich verändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das HRDesaster VW lässt aufhorchen! Hier bin ich bei INQA aktiv. Das dritte Projekt, das mir am Herzen liegt, ist das Aktionsprogramm Berufliche Bildung der ZAAG mit Federführung DGFP, mit dem wir in 2016 vor allem die Qualifizierung von Flüchtlingen in den Blick nehmen werden. Das System der dualen Berufsausbildung muss für eine halbe Millionen junger Flüchtlinge total auf den Kopf gestellt werden.

2.) Auf jeden Fall ist unser Nationaler MINT-Gipfel am 2. Juni vermerkt, zu dem auch die Kanzlerin kommen wird. Wenige Tage später, am 9. Juni, findet an der TU München in Garching zusammen mit großen Informatik- und Technologieorganisationen unser Kongress zur Gründerkultur statt. Und schließlich wird die Zukunftsallianz Arbeit & Gesellschaft (ZAAG) zusammen mit dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft schon am 6. April einen großen HR-Kongress in München veranstalten: zur Frage, ob HR die Transformationsherausforderungen meistern wird.

3.)  Das ganze Gerede über Work-Life-Balance kann ich nicht mehr hören. Es ist auch eine typisch dekadente, deutsche Diskussion. HR soll sich besser um die Sinnstiftung bei der Arbeit kümmern. Und ich möchte auch keine unkritischen Best-Practice-Beispiele mehr lesen.

Prof. Dr. Christian Scholz

Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation, Personal- und Informationsmanagement, Universität des Saarlandes

1.) Anders als die Argumentation im deutschen Mainstream nahelegt, brauchen wir ein standardisiertes Personal-Reporting, um Transparenz und Vergleichbarkeit von Personalarbeit herzustellen. Auch die Wissenschaft braucht das. Und trotz populistisch-schräger Artikel sind wir hier auf einem erfolgreichen Weg. Aus guten Grund habe ich mich hier in der letzten Zeit im öffentlichen Raum zurückgehalten: Genau das wird aber nach aktueller Planung 2016 etwas anders werden.

2.) Ich habe außer unserem Best-Pers-Award keine HR-Veranstaltung fix vermerkt.

3.) Nerven tut mich eigentlich überhaupt nichts. Wovon wir etwas weniger bekommen könnten, das sind paradoxe Themen wie Agilität und Demokratisierung, weil sie letztlich auf grotesker Überbürokratisierung beziehungsweise auf scheinheiliger Top-Down-Vorgabe basieren. Sie sind allerdings – und vielleicht sollten wir die entsprechenden Protagonisten trotzdem zum Weitermachen ermutigen – lehrbuchreife Beispiele für die “Sei-spontan!”-Paradoxie von Paul Watzlawick.

Dr. Ursula Schütze-Kreilkamp

Leiterin Personalentwicklung Konzern und Konzernführungskräfte, DB Mobility Logistics AG

1.) Mein persönliches Ziel für 2016 ist die Implementierung einer neuen, überarbeiteten Form von Talent Management – angepasst auf die Erfordernisse (Profile) der digitalen Zeit und ausgerichtet auf beziehungsweise eingebettet in eine daraufhin angepasste Form der Erkennung und Weiterentwicklung unserer Talente.

2.) Fix eingeplant in meinem Kalender ist ein Follow-up Leadership- Termin am ZfU, eine Lern-Erfahrungsreise mit meinem Personalvorstand und meinen geschätzten Kollegen im Januar nach Shanghai und Seoul (Transformation, Digitalisierung) und der Zukunftskongress von 2b Ahead in Wolfsburg. Ich stehe allerdings erst am Anfang der Planung.

3.) Die ewige Business-Partner-Diskussion kann ich nicht mehr aushalten, und auch die Diskussion über das “Agieren auf Augenhöhe” nervt zuweilen.