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Learning Days: Wie Microsoft Mitarbeitende zum regelmäßigen Lernen bringt

Bei Microsoft Deutschland soll das regelmäßige und bewusste Lernen ein natürlicher Teil des Arbeitslebens werden. Dafür gibt es beim Technologieunternehmen seit 2021 zehn sogenannte Learning Days – Zeiten im Arbeitsalltag, die zur Weiterentwicklung von Mitarbeitenden im Kalender geblockt werden. Was steckt hinter der Lernstrategie von Microsoft? Wir haben bei Thomas Mokosch, dem Business Programm Manager Worldwide Learning, nachgefragt.

“Die Learning Days sind Teil einer Lernkultur, die wir immer mehr etablieren möchten”, sagt Mokosch. Diese Lernkultur besteht aus Camps oder einwöchigen Workshops, die dreimal pro Jahr stattfinden und bei denen technische Inhalte vermittelt werden. Zweimal pro Monat finden zudem sogenannte Lunch & Learnings statt, bei denen Mitarbeitende ihren Kollegen und Kolleginnen Dinge beibringen, die sie selbst in Ihrem Arbeitsalltag gelernt haben. Ein weiterer Teil der Lernkultur sind die eben die Learning Days.

Learning Days
Vier Learning Days sind als Gemeinschaftsereignis konzipiert, bei dem gewillte Mitarbeitende gemeinsam neues lernen. (Foto: Microsoft Deutschland)

Gemeinsame Suche nach Themen

Vier von ihnen sind als Gemeinschaftsereignis konzipiert, bei dem gewillte Mitarbeitende gemeinsam neues lernen. “Inhaltlich widmen wir uns hier Themen, die für die jeweiligen Niederlassungen und deren Business relevant sind”, sagt Mokosch. Um diese Themen zu finden, fragen Mokosch und sein Team bei den Führungskräften und bei den Mitarbeitenden nach. So kristallisierten sich in der Vergangenheit Schwerpunkte wie Cloud, Modern Work und Business Applications oder Solution Areas und Nachhaltigkeit. “Wir versuchen die Themen dann für die jeweiligen Rollen herunterzubrechen, die es bei uns gibt”, so Mokosch.

Parallel dazu fragen er und sein Team bereits bei Beschäftigten nach, wer sich vorstellen kann, zu einem der Schwerpunkte einen Vortrag, eine Session oder einen Workshop beim Learning-Day-Event zu halten. Denn 99 Prozent des Inhaltes der Learning Days werden von den Mitarbeitenden erstellt. “Mich überrascht immer wieder die Bereitschaft der Mitarbeitenden, etwas beizutragen”, sagt Mokosch. Dabei seien es vor allem auch kleinere Gruppen an Beschäftigten, die sich stark für bestimmte Themen einsetzen und ihren Kollegen und Kolleginnen gerne etwas dazu beibringen.

Thomas Mokosch
Thomas Mokosch, Business Programm Manager Worldwide Learning bei Microsoft Deutschland (Foto: privat)

Hier arbeitet die Lernabteilung auch eng mit HR zusammen. “Wir sind im ständigen Austausch und stimmen Themen mit HR ab. Sie liefern uns auch Themen wie Coaching oder die Führungskräfte-Entwicklung.” In einzelnen Fällen werden Kunden miteinbezogen, die ebenfalls ihr Wissen zu bestimmten Themenfeldern weitergeben.

Live-Sessions per Teams

Die Sessions fanden vor Ausbruch der Corona-Pandemie in den sieben Niederlassungen von Microsoft Deutschland vor Ort und in Lerngruppen statt, seit März 2020 ersatzweise als rein virtuelle Events. Mittels interaktiver Meetings über Microsoft Teams werden die Sessions live gehalten und aufgezeichnet. “Ein größerer Produktionsaufwand ist dafür nicht nötig”, sagt Mokosch. Allerdings würden beim Mutterhaus in den USA Videos mit Lerninhalten in einer aufwendigeren Form produziert, die auch Mitarbeitenden in Deutschland zur Verfügung stehen.

Trotzdem müssen die Mitarbeitenden, die als Lehrende vor die Kamera treten, einen Zusatzaufwand neben ihrem Berufsalltag betrieben. Dafür bekommen sie laut Mokosch allerdings etwas zurück: Sie werden sich nicht nur darüber bewusst werden, was sie können und weiterzugeben in der Lage sind, sondern üben auch selbst das Halten von Vorträgen und das Sprechen vor einem Publikum.

Lernplan gemeinsam mit der Führungskraft erstellen

Abgesehen von den Learning Events gibt es sechs weitere Lerntage, die sich die Mitarbeitenden für ihre Weiterbildung blocken oder sich an einem anderen Datum, das ihnen besser passt, nehmen können. Diese könnten komplett frei von den Beschäftigten gestaltet werden. “Bei uns gibt es ein Pflichtprogramm an Weiterbildungstrainings, das gezielt an den Learning Days gemacht werden kann”, sagt Mokosch. Was die Mitarbeitenden mit dem Rest der vorgesehenen Lernzeit tun, sollten sie im Optimalfall bereits einige Monate zuvor mit ihrer Führungskraft erörtert haben. “Sie können mit den Managern Lernziele definieren und planen, was sie in den nächsten sechs bis zwölf Monaten lernen möchten”, erklärt Mokosch. “Uns ist hier allerdings wichtig, dass der Mitarbeitende entscheidet, was er Neues lernen will.”

Trotzdem seien die Führungskräfte für die Weiterbildung relevant: Es gibt eine starke Korrelation zwischen der Teilnahme von Managern und der ihrer Mitarbeitenden bei den Learning Days. “Zu Beginn war es eine Herausforderung, die Manager in die Organisation der Learning Days zu integrieren und sie zur Teilnahme zu motivieren”, sagt Mokosch. “Wir haben dann viel mit ihnen kommuniziert und ihnen verdeutlicht, wie wichtig ihre Teilnahme für die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden ist.”

Verpflichtend sei die Teilnahme an den Learning Days nicht. “Es ist vor allem ein Angebot, sich diese Zeit bewusst fürs Lernen freizunehmen”, sagt Mokosch, “und gibt den Mitarbeitenden die Sicherheit, dass es auch in Ordnung ist während der Arbeitszeit ins Lernen zu investieren.” Zudem sei die Weiterbildung an diesen Tagen auch zum Austausch und Networking mit den Kollegen und Kolleginnen aus anderen Abteilungen hilfreich.

Rund zwei Drittel der Mitarbeitenden nehmen teil

An den vergangenen Learning Days haben laut Mokosch rund zwei Drittel der Mitarbeitende teilgenommen, die für Microsoft Deutschland arbeiten. Mokosch geht davon aus, dass sich rund tausend Beschäftigte bei Microsoft Deutschland im Rahmen der Lernzeit weiterbilden. Die Teilnehmerzahl würden er und sein Team regelmäßig – so gut es ginge – messen. Sie erfassen auch Daten dazu, welche Lerninhalte wie häufig gesehen, welche Lernpfade abgeschlossen und welche technischen Zertifizierungen erhalten wurden.Die Learning Days empfiehlt der Lernorganisator auch für kleinere Unternehmen. “Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin bringt viele Sachen mit, die er oder sie weitergeben kann.”

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.