Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Nicht wegducken, wenn es emotional wird

In unserer neuen Serie zu guter Führung geben wir regelmäßig Tipps für verschiedene Situationen im Alltag von Führungskräften. In Folge 6 erläutern wir, wie Sie mit emotionalen Reaktionen Ihrer Mitarbeiter umgehen lernen.

Chefin und trauriger Mitarbeiter
Bild: Antonioguillem/Fotolia.de

Kennen Sie das?

“Wenn einzelne Mitarbeiter in Gesprächen emotional reagieren, fällt es mir schwer, damit umzugehen. Ich habe den Impuls, sofort nach Lösungen zu suchen. Wie kann ich dem jeweiligen Mitarbeiter Raum für seine Emotionalität lassen?”

Das können Sie tun!

Denken Sie in Ruhe über Ihre Situation nach und beantworten Sie sich selbst dabei folgende drei Fragen: Wie hindern Sie die Mitarbeiter daran, ihre Emotionalität auszudrücken? Warum wollen Sie immer sofort nach einer Lösung suchen? Und: Wie würden Sie eigentlich in solchen Situationen handeln wollen?

1. Frage: Wie hindern Sie die Mitarbeiter daran, ihre Emotionalität auszudrücken?

Die Antwort auf diese Frage stammt von Ihnen selbst: Sie suchen sofort nach Lösungen. Wenn es also Ihrer künftigen Absicht entspricht, Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihre Gefühle auszudrücken, dann lautet die Empfehlung: Stellen Sie das Suchen nach Lösungen hinten an, hören Sie erstmal aufmerksam zu und versuchen, sich in die Lage Ihres Mitarbeiters zu versetzen. 

2. Frage: Was motiviert Sie, sofort nach Lösungen zu suchen?

Welches Motiv Ihrem Verhalten tatsächlich zugrunde liegt, darüber kann nur spekuliert werden, zum Beispiel: Versuchen Sie sich vor eigenen Gefühlen, die durch die Situation ausgelöst werden könnten, zu schützen, indem Sie sofort nach Lösungen suchen und dabei von der Gefühlsebene auf die Sachebene wechseln? Ist Ihre Aktivität der Versuch, ein unangenehmes Erleben abzuwehren oder zu verringern? Oder fühlen Sie sich im Umgang mit emotionalen Reaktionen hilflos, weil Ihnen dafür das “Handwerkszeug” fehlt? Vielleicht verfolgen Sie aber auch nur einen pragmatischen Ansatz, weil Sie der Meinung sind, dass Unternehmen keine therapeutischen Einrichtungen sind.

3. Frage: Welche alternativen Verhaltensweisen könnten Sie sich in solchen Situationen vorstellen?

Wenn Sie grundsätzlich pragmatisch denken, dann war Ihr bisheriges Verhalten nicht problematisch, sondern lösungsorientiert. Für diese Haltung spricht, dass es nicht im primären Interesse marktwirtschaftlicher Unternehmen liegt, die Mitarbeiter “glücklich” zu machen. Aber Achtung: die individuellen Bedürfnisse – wie etwa Kontakt, Wertschätzung, Bestätigung oder Empathie – dürfen nicht auf Dauer enttäuscht werden, weil es sonst zu Protest, innerer oder tatsächlicher Kündigung kommen kann. Entscheiden Sie also in jedem Einzelfall, ob Sie zunächst der Sachlichkeit oder der Emotionalität den Vorzug geben wollen.

Wenn Ihre Reaktion eher Hilflosigkeit widerspiegelt, dann ist es das Einfachste, im Moment emotionaler Reaktionen sich ganz dem Mitarbeiter zu widmen. Versuchen Sie, seine Sichtweise einzunehmen und ihm das, was er Ihnen mitgeteilt hat, mit eigenen Worten zurückzumelden. Dies setzt nicht viel Können voraus, nur Wachheit, Wohlwollen und echtes Interesse am Mitarbeiter. Meist wollen Betroffene auch nicht umgehend eine Lösung vorgeschlagen bekommen, sondern nur Gehör finden.

Spiegelt sich jedoch in Ihrer bisherigen Vorgehensweise der Versuch wider, eigene Gefühle zu unterdrücken, ist zu fragen, ob und wie lange Sie an dieser Praxis festhalten wollen. Denn unterdrückte Gefühle gleichen einem Ball, der mit aller Kontrolle unter Wasser gehalten wird. Im Moment der kleinsten Unachtsamkeit schnellt dieser Ball explosionsartig an die Oberfläche – meistens ausgerechnet dann, wenn es absolut unpassend ist.
Wenn Sie solche “Explosionen” im Kontakt mit Ihren Mitarbeitern vermeiden und Ihre eigenen Gefühle nach und nach erschließen möchten, dann nehmen Sie sich immer mal wieder Zeit, Ihre Gefühle auf der körperlichen Ebene wahrzunehmen. Tun Sie dies aus der Rolle eines Beobachters heraus, zum Beispiel: “Ich spüre gerade ein Kribbeln in meinen Händen und eine Enge in meiner Brust.” Versuchen Sie dabei, so wenig wie möglich zu bewerten. Denn: Es ist nicht das Gefühl an sich, das zu schaffen macht, sondern Ihre Interpretation davon.

+++ Dieser Beitrag ist der 6. Teil unser › Serie “Tipps für gute Führung”. Alle 14 Tage gibt es eine neue Folge.+++

Sie wollen uns die Meinung sagen?
Nur zu!
Jetzt Feedback geben & Prämie erhalten »
Sie wollen uns die Meinung sagen?
Nur zu!
Jetzt Feedback geben & Prämie erhalten »