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Round Table Ausbildung: Was beim Azubi-Recruiting hilft

Auszubildende und Ausbilder arbeiten an einem Auto.
Viele Unternehmen klagen über zu wenige Auszubildende und müssen deshalb ihr Azubi-Recruiting intensivieren. Foto: goodluz/AdobeStock

Rund 60.000 Ausbildungsplätze blieben im Pandemiejahr 2020 unbesetzt – und damit 7000 mehr als im Vorjahr. Rund 40.000 Schulabgänger weniger als 2019 bemühten sich einen Ausbildungsplatz. Die Ursachen: Die Veranstaltungen zur Berufsorientierung in Schulen und Kammern fielen aus genauso wie Praktika und Schnuppertage in den Betrieben. Außerdem befand sich die Zielgruppe im Homeschooling und nicht wenige junge Menschen waren verunsichert: Bilden Unternehmen in der Corona-Krise überhaupt aus? Manche entschieden sich, zunächst noch ein Jahr Fachoberschule dranzuhängen, andere warteten untätig ab. Das Ergebnis: Noch mehr Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt.

Recruiting und Ausbildung virtuell

Ob im Rückblick auf das Jahr 2020 und bei der Beurteilung des Status Quo – die einhellige Erkenntnis der Experten lautet: Betrieben, die schon vor Covid-19 ihre Prozesse digitalisiert hatten, fiel es leichter, ihr Recruiting und auch die Ausbildung aufrecht zu erhalten. Sie konnten virtuell ihre Anwerbungsoffensive fortsetzen oder verstärken. Zum Beispiel investierten Unternehmen mehr in Online-Recruiting und digitale Messen, auch diejenigen, die vorher noch auf traditionellen Wegen Nachwuchs suchten. Doch der Fortschritt ist eine Schnecke, nicht alle Ausbildungsbetriebe sprangen oder springen auf den digitalen Zug auf. Es gibt immer noch sehr viele Firmen, die komplett analog arbeiten. Aber nicht nur das bereitet den Experten Sorgen: Die Zahl der Ausbildungswilligen schrumpft von Jahr zu Jahr und viele Schulen positionieren nach wie vor das Studium als bessere Alternative.

Jugendlichen fremdeln mit virtuellen Bewerbungswegen

In der Pandemie zeigte sich, dass die “Generation Smartphone” einigen virtuellen Formaten mit Skepsis begegnet. Ausbildungsportale als Informationsplattformen, auf denen sich Schulabgänger ein umfassendes Bild eines Berufs oder eines Betriebs machen können, sind akzeptiert und werden gut besucht. Doch Einstellungsgespräche per Video begeistern junge Menschen wenig. Ihnen fällt es schwer, in den direkten Austausch zu gehen. Viele trauen sich nicht die Kamera einzuschalten und Fragen zu stellen. Schulabgänger, so lautet das Resümee der Experten,  konsumieren lieber und schauen zu, als mitzumachen und sich einzubringen.

Wie im “Noch-Corona-Jahr” Azubis finden?

Die deutsche Wirtschaft hat die Folgen der Pandemie besser als gedacht verkraftet. Die Auftragsbücher sind zum Teil gut gefüllt und Ausbildungsbetriebe konzentrieren sich wieder stärker auf personelle Herausforderungen. Wie also Schulabgänger in diesem Jahr ansprechen und motivieren? Ganz wichtig: Unternehmen müssen deutlich machen “Wir bilden trotz Corona aus”, denn vielen 16- bis 19-Jährigen ist das nicht bewusst sei. Außerdem sollten Ausbildungsbetriebe auf den Karriereseiten konkrete Informationen zu den Übernahmeoptionen und Karrierechancen aufzeigen, denn die Sicherheit des Arbeitsplatzes spielt eine wichtige Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers.

Auch eine andere Baustelle könnten Unternehmen zeitnah beseitigen lassen: Viele Arbeitgeber zählten mehr abgebrochene Online-Prozesse auf ihrer Karriereseite als eingehende Bewerbungen. Wenn Hemmnisse abgebaut würden und benutzerunfreundliche Bewerbungsformulare zum Standard würden, könnten sie im Wettbewerb um Azubis viel gewinnen.

Einen positiven Effekt haben auch Marketingmaßnahmen, in die Auszubildenden des zweiten oder dritten Lehrjahrs eingebunden werden. Da viele junge Menschen rund um die Uhr mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, ist es sinnvoll, sie in ihrem digitalen Umfeld über Snapchat, YouTube oder Instagram anzusprechen. Die Peergroup kann authentisch aus der Praxis berichten und genießt ein hohes Vertrauen bei Gleichaltrigen.

Knappe Recruiting- und Marketingressourcen in KMU richtig einsetzen

Die Mehrheit der ausbildenden Betriebe besteht aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, die weder über eine HR- noch über eine Marketingabteilung verfügen. Die fehlenden Ressourcen können sie durch andere Stärken ersetzen. Zum Beispiel durch eine wertschätzende Behandlung. Das bedeutet unter anderem: gut vorbereitet in das Video-, Telefon- und persönliche Bewerbungsgespräch zu gehen, sich Zeit zu nehmen für alle Fragen und den jungen Menschen mit ihren Unsicherheiten in der für sie ungewohnten Situation wohlwollend zu begegnen.

Oft wird auch vergessen, dass die Situation der Ausbildung für Jugendliche eine Blackbox darstellt, die mit Ängsten und Zweifeln behaftet ist. Ein filmischer Gang durch den Betrieb, die Abteilung oder die Ausbildungswerkstatt hilft ihnen dabei, sich ein Bild vom Arbeitsplatz zu machen. Möglichst transparent und nahbar kommunizieren, lautet daher der Appell der Ausbildungsexperten.

Bilderstrecke:

Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.

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