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Der Einstieg ins Lifelong Learning

Lebenslanges Lernen
Foto: Vitalii Vodolazskyi / stock.adobe.com

Die Zufriedenheit der Branche war bis dato nicht grundlos. Viele Faktoren spielten den Business School in die Hände: So vergrößern sie seit einigen Jahren ihr Portfolio und passen es den Bedürfnissen der Wirtschaft und der Studierenden immer weiter an. Außerdem zwingt die digitale Transformation Unternehmen und Arbeitnehmer zu unverzichtbaren Qualifizierungsmaßnahmen, von denen die Anbieter profitieren. Und zum Dritten: Bislang war der boomenden Arbeitsmarkt eher ein “Feind” der Weiterbildung, gerade in Vollzeitprogrammen. Bei schwächelnder Konjunktur sind es nach den Erfahrungen der Anbieter vor allem die Mitarbeiter selbst, die in ihre Bildung investieren.

Dass immer weniger Studierende in den Klassen für den Fulltime-MBA sitzen, lässt sich national und international schon seit einigen Jahren beobachten, spricht aber nicht gegen das generelle Wachstum dieses Bildungsmarktes.

MBA, Zertifikatsprogramme und Co.

Die Bewerberzahlen für Fulltime-Programme schrumpfen vor allem deshalb, weil die Business Schools die Palette der Executive-Education-Kurse – meistens berufsbegleitend – mächtig erweitert haben: vom Online-MBA, konsekutiven Master-Studiengängen und Zertifikatsprogrammen bis zu Open Courses. Realistisch betrachtet, machen sie sich mit ihren spezialisierten Angeboten intern Konkurrenz. Ob ESCP, TUM School of Management, ESMT, Mannheim Business School, Henley oder WHU: Sie alle haben in den letzten Jahren neue Studienprogramme aufgesetzt, die gut gebucht sind.

Im Trend: Customized Programs  

Neben der Fülle der Individualprogramme wächst die Bereitschaft einzelner Unternehmen, komplette Studiengänge für ausgewählte Mitarbeiter zu buchen. Oder sie beteiligen sich an Konsortial-Programmen, bei denen sich mehrere Firmen zusammenschließen, um gemeinsam mit einer Business School ein maßgeschneidertes Programm entwickeln und umsetzen zu können. Das Geschäft mit den Firmenprogrammen läuft gut und macht bei einigen Hochschulen rund ein Viertel des Umsatzes aus.
Die Motive der Auftraggeber ähneln sich: Für die zukünftige Positionierung ihre Unternehmens im Markt sind sie auf hervorragende Fach- und Führungskräfte angewiesen und investieren daher in die Entwicklung ihrer Beschäftigten – zumeist in den Themenbereichen digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Innovation, Big Data aber auch Strategie, Key Account Management und Leadership.  

Fragwürdige Marktauswüchse – aggressive Konditionenpolitik

Um Teilnehmer zu gewinnen, kämpfen die internationalen Wettbewerber – aber auch nationale – nicht immer mit fairen Mitteln und drehen an den Schrauben der Zulassungs- und Konditionenpolitik. So stößt es bei hiesigen Business Schools auf Befremden, wenn Kandidaten um die Gebühren für einen MBA feilschen wollen – was in den USA und an einigen deutschen Hochschulen wohl an der Tagesordnung ist. In den USA und China sind beispielsweise hohe ausgeflaggte Preise der First-Tier-Schools üblich, aber de facto zahlen die Kandidaten weniger. Gerade die Anbieter, die aggressiv im FT-Ranking aufsteigen wollen, müssen einen Discount geben – oftmals als Stipendium ausgewiesen –, da das Preisleistungsverhältnis bei der Beurteilung ein hohes Gewicht hat.

Immer wieder verzichten einzelne Business Schools auch auf den Nachweis des GMAT, wenngleich dieser eigentlich eine Grundvoraussetzung für die Zulassung ist. Interessenten sollten skeptisch sein,  wenn sie mit allzu offenen Armen empfangen werden und ihnen sehr schnell hohe Rabatte zugestanden werden.

Eine weitere unfaire Methode: Bestimmte Hochschulen ködern Bewerber mit der Anerkennung von Punkten für Kurse oder für Berufserfahrung, die regulär nicht akzeptiert werden dürfen. Der Kandidat freut sich, weil sich sein zeitlicher Aufwand für das Studium reduziert. Langfristig beschädigen diese Praktiken die Executive Education von Fach- und Führungskräften, die zukünftig erfolgreich sein und ihren persönlichen Marktwert erhöhen möchten.  

Social Impact-Themen kommen an

Engagement, Purpose, Klimawandel, KI, Ethik, gesellschaftliche Verantwortung und mehr: Social-Impact-Themen kommen in den Klassen und Business Schools an. Die Studierenden erwarten nicht nur “Nachhaltigkeitsmanagement” als Modul in den Curricula, sondern schauen auch, ob die Hochschule eine Vorbildfunktion hat. Beispielsweise bei Reisetätigkeiten, beim Recycling oder  Energiemanagement. Die Hochschulen und Business Schools müssen sich heute die Fragen nach dem Einsatz der Ressourcen stellen lassen.

Executive Education: Start in die lebenslange Weiterbildung  

Der Markt der Weiterbildungsmotivierten wird größer: In der Generation Z kommt gerade an den Business Schools an und gleichzeitig wissen die Vertreter der Babyboomer-Generation um den Wert des lebenslangen Lernens. Bislang sind die besten Kunden die Alumni, berichten die Experten. Sie kommen immer wieder zurück und profitieren von Kursen, die sie weiter in ihrer Karriere unterstützen
Die Einstellung “I do my MBA, I am solid for Life”, gilt heute für MBA-Absolventen nicht mehr. Für die Generation Y und Z wird es selbstverständlich sein, sich regelmäßig grundlegend weiterzubilden.  
Ob und wie die Corona-Pandemie den Markt der postgraduierten Weiterbildung dämpfen wird, lässt sich erst in einigen Monaten verlässlich feststellen.

Bilderstrecke: Round Table MBA: Der Einstieg ins Lifelong Learning

Alle Zeichen stehen auf Wachstum. Dies hat unter anderem zu fragwürdige Marktauswüchse geführt. Lesen Sie hier weitere Meinungen von Experten anlässlich des Round Tables MBA.

 


Dieser Round Table kann in voller Länge im Special „MBA & Co.“ 2020 der Personalwirtschaft nachgelesen werden. Sie können das gesamte Heft in › auf dieser Seite kostenlos herunterladen.

Vorschau in neuem Tab

Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.