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Das Beste aus zwei Welten

Zeichnung von einer Menschenmenge mit Gedankenblasen über deren Köpfern.
Bild: DrAfter123/istock

Der Weiterbildungsmarkt, darin waren sich die Experten einig, floriert derzeit. Wissen kommt nicht aus der Mode, und mit den technischen Möglichkeiten von heute eröffnen sich neue Wege, es weiterzugeben. E-Learning hat sich mittlerweile in vielen Unternehmen etabliert, wenngleich der Blick darauf realistischer geworden ist: Gelernt wird auch in Zukunft nicht nur am Rechner oder am Smartphone. Es kommt auf die Inhalte an, die manchmal immer noch besser in Präsenztrainings gelehrt und gelernt werden. Insofern ist zeitgleich zum Trend der Digitalisierung auch ein Gegentrend zu beobachten, eine Renaissance des persönlichen Austauschs, etwa in Lerngruppen.

Das heißt nicht, dass sich digitale Medien nicht für die Weiterbildung eignen. Sie ermöglichen unter anderem zeit- und ortsunabhängiges Lernen. Darüber hinaus bieten sie Arbeitgebern die Möglichkeit, mehr Mitarbeitergruppen zu schulen als dies früher möglich war. Woran es noch hapert, sind oftmals ganzheitliche Konzepte und Strategien. Zu oft stehen E-Learning-Projekte in Unternehmen noch vereinzelt da, ohne eine flächendeckende Wirkung erzielen zu können. Das mag auch daran liegen, dass viele von ihnen noch nicht genau wissen, welche Lernmedien die richtigen für die spezifischen betrieblichen Anforderungen sind. Zahlreiche Organisationen sind mittlerweile dazu übergegangen, verschiedene Lernmethoden und -medien, ob online oder offline, zu kombinieren: Das sogenannte Blended Learning nimmt zu.

Wissen allein reicht nicht

Dies ist auch der Erkenntnis geschuldet, dass es unterschiedliche Wege der Wissensvermittlung geben muss. Notwendig und vielversprechend sind beispielsweise Möglichkeiten der Erfassung und der Weitergabe von Expertenwissen, etwa der Kenntnisse eines Maschinenführers. Ebenso wird adaptives Lernen nach Auffassung der Round Table-Teilnehmer wichtiger, also das Lernen zu dem Zeitpunkt und an dem Ort, wann und wo das Wissen tatsächlich gebraucht wird. Ein generelles Problem beim informellen Lernen ist jedoch, dass es in der Regel nicht schriftlich nachgewiesen werden kann, und dieses Wissen in vielen Unternehmen daher nicht ausreichend wertgeschätzt wird. Das verschlechtert unter anderem die Chancen vieler Zeitarbeitnehmer.

Es wird deutlich: Nicht nur das Wissen selbst, sondern auch seine Vermittlung ist ein vielschichtiges Thema. Ein weiteres Beispiel ist das Internet: Noch nie war für jeden Menschen so viel Know-how auf Abruf verfügbar. Soll es Wirkung entfalten, bedarf es aber zum einen vertrauenswürdiger Quellen, zum anderen eines didaktischen Konzepts. Insofern sehen die Weiterbildungsanbieter das Netz nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als Förderung: Die Bedürfnisse werden im Internet geweckt, und dann von Profis nachhaltig und anwendungsbezogen gedeckt.

Die Ansprüche steigen

Insgesamt haben die Experten des Round Table beobachtet, dass die Ansprüche an jedwede Form von E-Learning gestiegen sind. Gamification-Ansätze werden zwar nachgefragt, und die Implementierung von Wettkampf-Prinzipien kann positiv wirken. Das Konzept muss jedoch gut durchdacht sein, um nicht das Gegenteil vom Gewünschten zu erzielen. Geht es an die Programmierung ganzer Lernspiele, winken die meisten ab: Zu teuer und zu aufwendig. Hier hat die Games-Industrie mit ihren Milliardenprodukten mittlerweile die Messlatte so hoch gelegt, dass sie im Weiterbildungssektor kaum mehr erreicht werden kann.

Digitale Tools zur Weiterbildungsplanung und -verbesserung dagegen haben das Zeug dazu, sich flächendeckend durchzusetzen. Sie leisten von der Einsatzplanung über Chatbots bis hin zur Unterstützung der individuellen Weiterentwicklung der Mitarbeiter gute Dienste. Vor allem bei letzterem sollte der Betriebsrat jedoch frühzeitig ins Boot geholt werden, um Vorbehalte abzubauen und gemeinsam eine Lösung zu finden, die sowohl dem Sicherheitsbedürfnis der Mitarbeitervertretung in puncto Datenschutz als auch den Interessen der Beschäftigten und des Unternehmens entgegenkommt.

All das erfordert auch ein neues Verständnis von Führung, weg von autoritären Strukturen und hin zu gemeinsam erarbeiteten Entwicklungswegen. Das ist leichter gesagt als getan, und manche Führungskraft tut sich mit den neuen Spielregeln noch schwer. Es liegt auf der Hand, welcher Schritt hier in manchem Unternehmen zu gehen wäre: eine Weiterbildung – in diesem Fall aber der Entscheider selbst.

Bilderstrecke: Round Table Weiterbildung 2017

Der Weiterbildungsmarkt floriert. Die wachsenden und individueller werdenden Ansprüche an Qualifizierung stellen auch die Anbieter vor neue Herausforderungen. Neun Branchenexperten gaben Auskunft über den Status quo – und wohin die Reise gehen wird. In der Bilderstrecke finden Sie die wichtigsten Aussagen unserer Experten.


Dieser Beitrag ist in Ausgabe 12/2018 erschienen. Sie können die gesamte Ausgabe in unserem › Shop bestellen.

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