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Schöne neue Lernwelten

Foto: © doucefleur/stock.adobe.com
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Die meisten Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Weiterbildungsbranche nach wie vor boomt – trotz erster Eintrübungen der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur. Das betrifft nahezu alle Bereiche der Fortbildung. Selbst längerfristige Lernformate, denen sogenannte Learning Nuggets oder Micro-Learning eine Zeit lang den Rang abzulaufen schienen, sind ebenfalls wieder stärker nachgefragt. Kurz: Angesichts von Herausforderungen wie der Globalisierung und der Digitalisierung, dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel ist Qualifizierung schlicht zur Pflicht geworden.

Neue Technologien können bei der Wissensvermittlung helfen, darin waren sich die Experten einig. Zu unklar sind aber manches Mal die Möglichkeiten, die sie mittlerweile eröffnen können. Andernorts fehlt mitunter noch das Know-how oder das Budget, um effektive Lernmanagement-Systeme in großem Stil einzuführen. Und wie in anderen HR-Bereichen auch gilt die vieldiskutierte Künstliche Intelligenz als ein Versprechen auf die Zukunft, das bisher aber noch am Anfang seiner Verwirklichung steht.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Wichtig ist, sich eine Flexibilität anzueignen, ohne sie mit Beliebigkeit zu verwechseln. Das bedeutet auch, dass es gar nicht immer die fachlichen Inhalte sind, die vermittelt werden müssen. Das Arbeiten in interdisziplinären Teams, ein größeres Maß an Selbstbestimmtheit oder das Weitergeben von Erfahrungswissen werden zunehmend wertvoller, müssen von vielen in der Praxis aber erst erlernt werden. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass es immer schwieriger wird, belastbare Zukunftsprognosen zu treffen – etwa, welche Qualifikationen künftig gefragt sein werden. Unterstützung erfahren Arbeitgeber wie Arbeitnehmer durch eine zunehmende Personalisierung des Lernens.

Zahlreiche Systeme können bereits, ähnlich wie beispielsweise bei Kaufempfehlungen von großen Onlinehändlern, aus vorliegenden Daten “lernen” und den jeweiligen Nutzern passgenauere Vorschläge für ihre persönliche Weiterentwicklung machen. Was möglich ist, kann aber durch gesetzliche Vorgaben und Betriebsvereinbarungen eingeschränkt sein. Auch bei den Bildungsanbietern, in Schulen und in Universitäten wird zunehmend darüber diskutiert, wie starre Lernstrukturen aufgeweicht werden können, ohne dass die Qualität der Lehre leidet – und sie im Gegenteil sogar steigt.

Blended Learning hat sich durchgesetzt

Für Unternehmen ist die Ausgangslage zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Blended Learning-Formate, die Präsenz- und Onlinetrainings verbinden, sind mittlerweile vielerorts Standard, berichteten die Weiterbildungsexperten. Insbesondere in Bereichen wie der Persönlichkeitsentwicklung oder den Führungskräftetrainings wird es aber auch künftig nicht ohne den direkten Austausch in einem geschützten Rahmen gehen.

Die Frage, welchen Stellenwert der Nachweis von Qualifizierungen mittels Zertifikaten und ähnlichen Dokumenten künftig haben wird, ist ebenfalls nicht leicht zu beantworten. Zu beobachten ist das heute schon insbesondere in beruflichen Feldern, in denen es große Engpässe gibt. Wer als Arbeitgeber etwa IT-Fachkräfte, Pfleger oder Erzieher sucht und auf die Einhaltung strenger Formalien besteht, wird Probleme bei der Besetzung seiner offenen Stellen haben. Auf der anderen Seite sind hohe formale Auflagen in einigen anderen Berufen unabdingbar – beispielsweise bei Ärzten.

Eine zukunftsweisende Lösung für das Dilemma könnten durchlässigere Lernpfade sein, die stärker auf die individuellen Ziele und Kompetenzen eingehen. Anstatt unterschiedliche Individuen einen starren und einheitlichen Bildungsweg durchlaufen zu lassen, gelte es dann, die Qualifizierung stärker an die Voraussetzungen und Bedürfnisse des jeweiligen Individuums und auch des Arbeitsmarktes anzupassen. Schon Helmut Kohl wusste: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Bilderstrecke: Round Table Weiterbildung 2019

Die Weiterbildung spielt für Unternehmen und ihre Beschäftigten daher eine entscheidende Schlüsselrolle beim Erhalt der eigenen Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit. Die Möglichkeiten, sich neues Wissen anzueignen, waren nie so zahlreich wie heute. Branchenexperten sprechen über ihre Einschätzungen in dieser Bilderstrecke.


Dieser Round Table ist im Sonderheft „Weiterbildung“ in der Personalwirtschaft 12/2019 erschienen. Sie können das gesamte Heft auf › dieser Seite kostenfrei herunterladen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.