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Azubi-Recruiting – jetzt langfristig denken

Zwei Frauen im Bewerbungsgespräch, eine trägt einen Mundnasenschutz
Vorstellungsgespräch mit Mund-Nasen-Schutz – eine Möglichkeit in Corona-Zeiten. Bei der Vorauswahl können auch Online-Tools helfen.
Foto: © zwiebackesser/StockAdobe

Für neue Auszubildende gilt in Deutschland ein fester Einstellungstermin, der sich aus dem Start der Berufsschulen Anfang September jedes Jahres ergibt. Azubis, die nicht zum 1. August oder spätestens zum 1. September eingestellt werden, sind für das Ausbildungsjahr so gut wie verloren. Dieser Rückstand ist für Unternehmen nur schwer wieder aufzuholen.

Wenn Unternehmen jetzt nicht einstellen, bleiben die Ausbildungsplätze für 2020/2021 unbesetzt,

sagt Felicia Ullrich, Ausbildungsexpertin und Mitgründerin von U-form Testsysteme. Sie befürchtet, dass wegen der Corona-Krise ein ganzer Ausbildungsjahrgang in der Luft hängen könnte. Und Unternehmen fehlten in drei Jahren die nicht eingestellten Auszubildenden als Fachkräfte. Die noch unveröffentlichte aktuelle Studie “Azubi-Recruiting Trends 2020” zeige, dass aktuell jeder Azubi-Bewerber im Schnitt rund drei Angebote erhält. Auch nach dem Lockdown würden Azubis schwer zu rekrutieren sein. Ulrich warnt deswegen vor einem möglichen Kollaps der dualen Ausbildung, der für Deutschland fatale Folgen hätte. Gerade in der Krise sei deutlich geworden, dass systemrelevante Unternehmen wie Pflegeeinrichtungen, Hersteller von medizintechnischen Produkten, Logistikdienstleister oder Supermärkte nur mit einer großen Zahl nicht-akademischer Fachkräfte funktionierten. Aber auch alle anderen Unternehmen sollten hier langfristig denken, so Ullrich.

Nachfrage nach Online-Tests für die Azubi-Gewinnung um zwei Drittel gestiegen

Aufgrund der derzeitigen Situation steigen offenbar immer mehr Ausbildungsbetriebe auf Online-Tests bei der Rekrutierung von neuen Azubis um. Laut > U-form Testsysteme, Anbieter für digitale Lösungen im Ausbildungsmanagement, ist die Nachfrage nach Online-Tests für Azubis im März dieses Jahres vor dem Hintergrund der Kontaktbeschränkungen gegenüber dem Vorjahr um zwei Drittel (65 Prozent) gestiegen. Die Anfrage neuer Kunden nach Online-Testverfahren habe um ein Drittel zugenommen; derzeit nutzten rund 2000 Unternehmen die Tests.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.