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Willkommen, aber ohne Extrabehandlung

Mehr als jeder vierte Bachelorstudent verlässt die Uni vorzeitig - Potenzial für Betriebe, die dringend Azubis suchen.  
Foto: © Syda Productions/Fotolia.de
Mehr als jeder vierte Bachelorstudent verlässt die Uni vorzeitig – Potenzial für Betriebe, die dringend Azubis suchen.
Foto: © Syda Productions/Fotolia.de

Die Unternehmen in Deutschland stehen der Ausbildung von Studienabbrechern generell aufgeschlossen gegenüber. Diese Zielgruppe ist vor allem wegen der aktuellen Probleme, geeignete Auszubildende zu finden, interessant. Eine Extrabehandlung wollen die Betriebe diesen Azubis allerdings nicht zukommen lassen.

In Bachelorstudiengängen liegt die durchschnittliche Abbruchquote bei 28 Prozent. Das Potenzial von jungen Erwachsenen, die ihr Studium nicht zu Ende geführt haben, für die duale Berufsausbildung zu nutzen, findet bei weiten Teilen der Betriebe Zuspruch. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung sowie die zunehmenden Schwierigkeiten, Ausbildungsplätze zu besetzen. Das zeigt eine aktuelle Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur dualen Berufsausbildung von Studienabbrechern. An der Studie haben sich rund 570 Ausbildungsbetriebe beteiligt.

Jeder dritte Betrieb hat schon Studienabbrecher eingestellt

22 Prozent der teilnehmenden Betriebe sind explizit, weitere 44 Prozent tendenziell der Ansicht, dass Studienabbrecher aufgrund der zunehmenden Probleme, (andere) leistungsstarke Jugendliche für eine Lehre gewinnen zu können, eine wichtige Zielgruppe sind. Knapp jeder dritte befragte Betrieb verfügt über Erfahrungen mit der Ausbildung von Studienabbrechern. Kleine Betriebe sind zurückhaltender bei der Einstellung von Azubis, die von der Hochschule kommen, als mittlere und große Unternehmen.

Die Mehrheit ist gegen eine Freistellung vom Berufsschulunterricht

Ungeachtet der positiven Einstellung hält aber eine große Mehrheit der Unternehmen wenig von besonderen Ausbildungsregelungen und -modellen für Studienabbrecher. So lehnen über 80 Prozent der Betriebe die Überlegung, Studienabbrecher generell vom Berufsschulunterricht freizustellen, generell ab. Auch die Idee, separate Berufsschulklassen für Studienabbrecher einzurichten, findet bei mehr als der Hälfte der Unternehmen keinen Anklang. Allerdings bewerten immerhin rund 30 Prozent diesen Ansatz als gut oder sehr gut. Ein Teil der Betriebe hält dies anscheinend für ein geeignetes Instrument, um die Attraktivität der dualen Berufsausbildung für Studienabbrecher zu erhöhen, so die Studie. Allerdings hat eine weitere Befragung unter Studierenden, die das BIBB in Kooperation mit der Universität Maastricht durchgeführt hat, ergeben, dass dies offenbar gar nicht notwendig ist: Für die Mehrheit der Studenten ist es im Falle eines Wechsels von der Hochschule in die duale Berufsausbildung kaum von Belang, ob es einen gesonderten Berufsschulunterricht für sie gibt oder dieser gänzlich wegfällt, und trägt auch nicht dazu bei, die Attraktivität einer dualen Berufsausbildung zu steigern.

Gespaltene Meinung zur Ausbildungsdauer

Wenn es um die Frage der Ausbildungsdauer für Studienabbrecher geht, fällt das Votum der Unternehmen durchwachsen aus. Das Berufsbildungsgesetz eröffnet bereits jetzt die Möglichkeit, dass Jugendliche mit Fachhochschulreife oder Abitur ihre Ausbildungszeit um zwölf Monate verkürzen können. Rund die Hälfte der befragten Betriebe spricht sich dagegen aus, die Ausbildungszeit für Studienabbrecher über das derzeit geltende Maß hinaus noch weiter zu verkürzen; rund ein Drittel würde eine solche Sonderregelung jedoch begrüßen.

Die Ergebnisse des Bibb-Reports “Studienabbrecher/-innen: Als Auszubildende in Betrieben willkommen – aber möglichst ohne Extrabehandlung” kann > hier heruntergeladen werden.