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Working Out Loud: Beziehungsarbeit fürs Lernen

Am Eröffnungstag der Zukunft Personal hielt John Stepper die Keynote zu seinem Konzept Working Out Loud. Bei #HR macht, dem Messe-Pre-Event der “Personalwirtschaft” gab er vorab einen exklusiven Einblick in die Rede und umriss seine Netzwerk-Methode.

Szenische Aufnahme Gespräch Cliff Lehnen und John Stepper
Was heißt eigentlich dieses Working Out Loud? Einer der Vordenker dieser neuen Methode der Wissensvermittlung, John Stepper (rechts), erläuterte bei #HR macht, worum es geht. Foto: Cornelius Tometten

Working Out Loud – kurz: WOL – erfährt in Deutschland eine rasante Entwicklung. Vorreiter von New Work schwören auf das Konzept, mit dem alte Denkprozesse aufgelöst und innovatives Arbeiten ermöglicht werden soll. Doch auch wenn sie von WOL vielleicht schon gehört haben, wissen viele Personaler nicht, was es damit konkret auf sich hat. Bei einem Talk mit Cliff Lehnen, dem Chefredakteur der “Personalwirtschaft”, gab der Gründer der WOL-Bewegung John Stepper, der die Methode mit seinem 2015 erschienenen Buch “Working Out Loud: For a better career and life” bekannt gemacht hat, Auskunft.

“Dale Carnegie meets the Internet”

Im Grunde geht es bei WOL um Beziehungsarbeit für selbstorganisiertes Lernen, erfuhren die Zuhörer im vollbesetzten Saal in den Balloni-Hallen Köln. Denn laut Stepper hilft die Methode dabei, Beziehungen zu anderen Mitarbeitern und Kollegen aufzubauen, ihr Vertrauen zu gewinnen, um voneinander zu lernen. Es ist ein anderes Lernen, als wir es ursprünglich kennen. Eine neue Denkweise und Lebenseinstellung wird gefördert. “Dale Carnegie meets the Internet”, so der –WOL-Pionier wörtlich.

Wie Stepper weiter ausführt, entstehe das Vertrauen, indem man sein Wissen mit den anderen Community-Mitgliedern teilt (der Austausch findet in sogenannten Circles mit circa vier bis fünf Teilnehmern statt). Zudem werde die Haltung entwickelt, den Anderen Anerkennung und Wertschätzung zu schenken für das Wissen, das sie einbringen. Es gehe keineswegs darum “laut zu sein” beziehungsweise lautstark auf sich und seine Arbeit aufmerksam zu machen, betonte Stepper – auch wenn der Begriff Working out Loud es vielleicht zunächst vermuten ließe. Viele Menschen hätten deswegen erst einmal Bedenken. Doch das Netzwerken könne auch einfach bei einem Kaffee stattfinden, per E-Mail oder Twitter.

Tragische Verschwendung von Potenzial

Für Stepper waren es viele kleine Schritte, die ihn zu dem WOL-Ansatz geführt haben, der im Grunde nicht neu ist. Bryce Williams hat die Idee, das eigene Wissen und die eigene Arbeit sichtbar zu machen bereits 2010 in einem Blogartikel umrissen und dabei zum ersten Mal den Begriff Working Out Loud verwendet. Betroffen von einer Restrukturierung bei seinem früheren Arbeitgeber vor ein paar Jahren hatte Stepper gemerkt, wie wenig Kontrolle er über seine eigene Karriere hatte. Er wurde auf eine neue Position verschoben und musste sich selbst helfen. Dies machte ihm bewusst, wie viel individuelles – und somit zwangsläufig auch unternehmerisches – Potenzial verschwendet wird. Das, so findet Stepper, ist tragisch. So viele Menschen würden regelrecht danach hungern, sich mehr in ihrer Organisation einbringen zu dürfen.
Das scheint auch den Unternehmen inzwischen zu dämmern. Warum sonst wäre Working Out Loud zu einer globalen Bewegung geworden? (In mehr als 20 Ländern haben sich bereits Working Out Loud Circles gebildet.) Insbesondere in Deutschland wächst die Bewegung. Die Firma Bosch, so berichtet Stepper, hat das Konzept als erstes ausprobiert, für gut befunden und hierzulande vorangetrieben.

Direktes Feedback von den Deutschen

Steppers Beziehung zur deutschen Community ist besonders. “I love the Germans” entfuhr es ihm, als die Rede auf die Deutschen kam. Sie seien pünktlich und direkt, deshalb funktioniere das Konzepte in Deutschland unter anderem auch so gut. Jedenfalls habe er viel ehrliches Feedback von der deutschen Community erhalten, so Stepper scherzhaft.

Ihren Hang zum Perfektionismus müssen die Deutschen im Zusammenhang mit WOL aber wohl eher ablegen. Steppers Antwort auf Lehnens Frage, was es brauche, um mit der Methode zu starten, war kurz und knapp: einfach für sich ausprobieren und mit ein paar Leuten anfangen. Schließlich verliere man nichts, falls es nicht funktioniert. Das Einzige, was laut Stepper feststeht: die Beziehung der Menschen untereinander verändert sich. Dass er das mit WOL erreicht habe, dafür sei er dankbar.

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