Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Karriere wird für Absolventen unwichtiger

Studenten wünschen sich vor allem einen sicheren ersten Arbeitsplatz, Karriere ist nicht so wichtig.
Bei der Wahl des ersten Arbeitgebers steht für Absolventen heute die Jobsicherheit an erster Stelle.
Foto: © Andrey Popov/Fotolia.de

 

Studenten wurden danach gefragt, welche Themen langfristig für sie von Bedeutung sind. Von den vorgegebenen Themen schnitt die Familie am besten ab: 70 Prozent messen ihr eine sehr hohe Bedeutung bei ähnlich wie vor zwei Jahren (69 Prozent). An zweiter Stelle stehen mit 66 Prozent die Freunde (gegenüber 61 Prozent in 2016), auf Platz drei folgt für 50 Prozent die Freizeit, für die sich vor zwei Jahren noch 59 Prozent entschieden hatten. Beruflicher Aufstieg hat nur noch für 41 Prozent eine sehr hohe Relevanz – vor zwei Jahren war die Karriere noch für 57 Prozent wichtig. Zurückgegangen ist auch der Anteil jener, für die gesellschaftliches Engagement wichtig ist (von 32 auf 27 Prozent) sowie der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard (von 27 auf 25 Prozent).

Wunsch nach beruflichem Aufstieg nimmt bei beiden Geschlechtern ab

Während Studentinnen die Familie (77 versus 62 Prozent bei den Männern) und Freunde (70 gegenüber 62 Prozent) unverändert wichtiger sind als den Studenten, zeigt sich beim Thema beruflicher Aufstieg eine Veränderung: Vor zwei Jahren sahen 62 Prozent der Männer diesen Aspekt als sehr wichtig an, während es heute nur noch 45 Prozent sind. Allerdings hat auch das Interesse ihrer weiblichen Kommilitonen an einer Karriere weiter deutlich abgenommen und ist von 52 auf 38 Prozent gesunken. Das sind Ergebnisse der Studie “Studenten in Deutschland: Werte, Ziele, Perspektiven” von EY (Ernst & Young). Für die Erhebung wurden in deutschen Universitätsstädten rund 2000 Studenten befragt.

Studienfachwahl vermehrt nach Interessen und weniger nach Einstellungschancen

Die Tendenz, das Studienfach eher nach persönlichen Interessen als nach guten Jobchancen auszuwählen, hat minimal zugenommen: Aktuell geben für 63 Prozent der Befragten – sowohl bei Männern als bei Frauen – an, dass persönliche Interessen für sie ein sehr wichtiges Motiv bei der Studienplatzwahl waren. 2016 sagten dies 61 Prozent. Deutliche Unterschiede bestehen weiterhin zwischen den verschiedenen Fachrichtungen: So wählen mit 84 Prozent überdurchschnittlich viele Geisteswissenschaftler ihr Fach vor allem nach persönlichem Interesse aus, ebenso Sprachwissenschaftler (76 Prozent), Sozialwissenschaftler (72 Prozent) und Kulturwissenschaftler (71 Prozent). Gute Berufsaussichten nannten in der diesjährigen Studie nur noch 49 Prozent (Frauen 47, Männer 51 Prozent) als wichtiges Motiv im Vergleich zu 59 Prozent bei der letzten Befragung, als dieser Aspekt bei Männern noch auf Platz eins stand.

Gefragt nach ihren vermuteten Chancen, nach dem Studium zügig eine Stelle zu finden, die ihren Qualifikationen und Erwartungen entspricht, antworteten 41 Prozent mit “Ja”, 51 Prozent mit “Eher ja” und acht Prozent mit “Nein”. Jeder neunte Befragte denkt, die Einstellungsaussichten hätten sich angesichts der wirtschaftlichen Lage in den letzten Monaten deutlich verbessert. Am optimistischsten bezüglich ihrer Arbeitsmarktchancen sind angehende Mediziner, Ingenieure, Juristen und Wirtschaftswissenschaftler.

Jobsicherheit ist wichtigstes Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers

Was die Kriterien bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers betrifft, so steht mit 57 Prozent die Jobsicherheit auf Rang eins. Das Gehalt befindet sich mit 44 Prozent auf dem zweiten Platz, flache Hierarchien mit 41 Prozent nehmen Rang drei ein. Es folgt mit 40 Prozent die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die weiter an Bedeutung zugenommen hat. Aufstiegschancen hingegen, die 2016 noch das zweitwichtigste Kriterium waren, liegen momentan mit 39 Prozent nur noch auf dem fünften Platz. Wenn es um das erwartete Einstiegsgehalt geht, sind Männer nach wie vor selbstbewusster oder optimistischer als Frauen: Männliche Studenten gehen von einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 39 300 Euro aus, während Frauen mit 36 500 Euro rechnen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.