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Akademiker wollen Sicherheit

Der sichere Beamtenstatus ist für viele Studierende ein verlockendes Berufsziel.
Foto: © maxuser2/Fotolia.de
Der sichere Beamtenstatus ist für viele Studierende ein verlockendes Berufsziel.
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Aktuell findet fast ein Drittel (32 Prozent) der deutschen Studierenden den öffentlichen Dienst besonders attraktiv für die eigenen beruflichen Pläne. 2014 waren es mit 30 Prozent noch etwas weniger. Betrachtet man die Präferenzen geschlechtsspezifisch, gibt es allerdings Unterschiede: Der öffentliche Dienst ist für Frauen noch eher eine Option als für Männer. 42 Prozent der Studentinnen wünschen sich einen solchen Arbeitgeber. Bei ihren männlichen Kommilitonen sind es 23 Prozent. Die Pole Position bei ihnen hat mit 30 Prozent die Automobilindustrie. Das geht aus einer neuen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) hervor, für die rund 3.500 Studierende in 27 deutschen Universitätsstädten befragt wurden.

Öffentlicher Dienst vor allem bei Geisteswissenschaftlern beliebt

Allerdings gibt es je nach Studiengang starke Unterschiede bei den Vorlieben hinsichtlich des ersten Arbeitgebers. So möchten vor allem Geisteswissenschaftler (66 Prozent) und Juristen (45 Prozent) in den öffentlichen Dienst. Dagegen bevorzugen Wirtschaftswissenschaftler eher Banken sowie die Beratungs- und Prüfungsbranche, während bei Ingenieuren die Autoindustrie und die IT- und Softwarebranche am beliebtesten sind.

Auf Platz zwei der geschlechtsübergreifend beliebtesten Arbeitgeber der angehenden Akademiker liegen mit 23 Prozent Kultureinrichtungen; die Automobilindustrie folgt mit 22 Prozent knapp dahinter. Die unattraktivsten Branchen sind mit jeweils nur drei Prozent Zustimmung die Transport und Logistik- sowie die Versicherungsbranche. Das Gesundheitswesen einschließlich der Pharmabranche hat in den letzten zwei Jahren am meisten an Attraktivität eingebüßt; nur noch zehn Prozent der Studierenden wollen dort arbeiten, während es 2014 noch 16 Prozent waren.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein Top-Thema bei Männern

Die Studie fragte auch danach, welche Faktoren bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers bei den Studierenden am wichtigsten sind. Danach steht die Jobsicherheit an erster Stelle: 64 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer gaben dies an. An zweiter Stelle bei den Frauen kommt mit 49 Prozent die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gefolgt von Aufstiegschancen mit 47 Prozent. Bei den männlichen Studierenden liegen die Aufstiegschancen mit 55 Prozent auf dem zweiten Rang. Auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf legen hingegen nur 29 Prozent Wert.

Gerade die hohe Attraktivität des öffentlichen Dienstes für Frauen zeigt, dass sie dort die besseren Chancen sehen, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren,

sagt Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der Geschäftsführung bei EY.

Work Life Balance wichtiger als Gehalt

Für die Sicherheit eines Arbeitsplatzes und eine gute Work-Life-Balance sind die Studierenden offenbar auch bereit, beim Gehalt Abstriche zu machen. Wer den öffentlichen Dienst besonders attraktiv findet, erwartet als Einstiegsgehalt durchschnittlich 36.600 Euro brutto im Jahr. Über alle Branchen hinweg liegt der erwartete Anfangsverdienst bei 40.000 Euro, in der Autoindustrie bei 45.300 Euro. Grohnert ist der Meinung, dass die Unternehmen aus den Studienergebnissen lernen sollten: Um für die Absolventen zukünftig attraktiv zu sein, müssten sie ihnen über Karrieremöglichkeiten und ein gutes Einstiegsgehalt hinaus mehr bieten und sich mit attraktiven Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf selbst bei den Studenten bewerben. Aber auch der Gesetzgeber müsse noch nachbessern, da Betreuungsplätze für Kinder in einigen Regionen noch Mangelware seien.

Die Studie steht > hier zum Download bereit.