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Digitalisierung: neue Studie sieht eher positive Beschäftigungseffekte

eine Roboterhand holt aus einer Reihe von Bausteinmännchen eines heraus
Die Digitalisierung als Jobvernichter? Eine Studie des Personaldienstleisters Hay kommt zu der Einschätzung, dass es keinen Grund für derartige Befürchtungen gibt. Foto: © fotomek/StockAdobe

Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen im deutsch- sprachigen Raum mit der Digitalisierung mehr Chancen als Risiken für die Beschäftigung verbinden. Um den Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit von Mitarbeitern zu sichern, steht die lebenslange Weiterbildung aus Sicht der Firmen an erster Stelle.

Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz schätzen die Folgen des technologischen Wandels auf die Beschäftigung im Schnitt eher positiv als negativ ein. Laut Einschätzung der Firmen nach Chancen und Risiken der Digitalisierung ergibt sich auf einer Skala von 0 (Vernichtung von Arbeitsplätzen) und 100 (Schaffung neuer Arbeitsplätze) ein Mittelwert von 60 Punkten. Das ist ein Ergebnis des HR-Reports 2019 mit dem Schwerpunkt “Beschäftigungseffekte der Digitalisierung” des Personaldienstleisters Hays und des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE). Dafür wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz 868 Unternehmen befragt. Von den Studienteilnehmern waren 17 Prozent Geschäftsführer, 22 Prozent HR-Führungskräfte, 40 Prozent Fachbereichsleiter und 21 Prozent Mitarbeiter ohne Personalverantwortung.

Zusätzliche Arbeitsplätze vor allem in IT und Vertrieb erwartet

Die Befragungsergebnisse widersprechen aus Sicht der Autoren anderen Studien, die prognostizieren, dass es infolge der Digitalisierung zu einem massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen kommt. Laut der vorliegenden Studie entstehen in allen zur Auswahl gestellten Funktionsbereichen eher positive quantitative Beschäftigungseffekte. Wie zu erwarten steht die IT an erster Stelle: Mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) geht davon aus, dass hier die Zahl der Arbeitsplätze zunehmen wird. 39 Prozent erwarten keine Änderung und acht Prozent rechnen mit negativen Beschäftigungseffekten. Auch im Vertrieb geht die Mehrheit (50 Prozent) von Jobzuwächsen aus, während 41 Prozent keine Effekte erwarten und zehn Prozent mit Stellenabbau rechnen. Im Marketing sowie in Forschung und Entwicklung erwartet die Mehrheit (jeweils 51 Prozent) keine Änderung; 43 Prozent prognostizieren keine Effekte und sieben Prozent negative. In der Produktion gehen immerhin noch 40 Prozent von zusätzlichen Jobs aus, 49 Prozent sehen keine Beschäftigungseffekte und zwölf Prozent erwarten Jobverluste. Auch in den anderen Funktionsbereichen gehen die meisten Unternehmen eher davon aus, dass sich nichts ändern wird. Die größten Jobverluste werden im Personalwesen erwartet (16 Prozent) sowie im Finanzwesen (13 Prozent).

Qualitative Beschäftigungseffekte: IT-Bereich vorn

Was die qualitativen Beschäftigungseffekte in den verschiedenen Funktionsbereichen betrifft, steht nach Ansicht der Unternehmen in den nächsten fünf Jahren ebenfalls der IT-Bereich an der Spitze (43 Prozent), gefolgt von Vertrieb und Kundenservice (32 Prozent) sowie dem Personalwesen (30 Prozent). Etwas weniger gut stehen Produktion (26 Prozent), Forschung und Entwicklung (24 Prozent) und Unternehmensleitung/-entwicklung (19 Prozent) da. Am unteren Ende rangieren Finanzwesen, Marketing sowie Einkauf/Beschaffung (jeweils 17 Prozent). Sechs Prozent erwarten in keinem Funktionsbereich qualitative Beschäftigungseffekte.

Lebenslanges Lernen wichtigste Kompetenz für den Joberhalt

Dass sich mit fortschreitender Digitalisierung die Arbeitsinhalte einzelner Berufe ändern werden, gelte als sicher, so die Studie. Als wichtigste Kompetenzen der Mitarbeiter, um vor diesem Hintergrund ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten, nannten die Unternehmensvertreter lebenslange Lernbereitschaft (40  Prozent), Lernfähigkeit sowie Teamfähigkeit in unterschiedlichen Teamformen (je 39 Prozent). Entsprechend steht bei den Maßnahmen von Arbeitgeberseite zur Förderung der Beschäftigungsfähigkeit die lebenslange Fort- und Weiterbildung an erster Stelle (50 Prozent). Zu den wichtigsten Instrumenten gehören außerdem der Ausbau der Work Life Balance (44 Prozent) und die Zusammenarbeit in gemischten Teams (39 Prozent).

Bei Neueinstellungen am gefragtesten: kreative berufserfahrene Generalisten

Wenn es um die Einstellung neuer Mitarbeiter geht, sind aus Sicht der befragten Arbeitgeber eher Generalisten (61 Prozent) als Themenexperten (39 Prozent) gefragt, um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten. Außerdem setzen Unternehmen häufiger auf erfahrene Experten (57 Prozent) als auf Absolventen (43 Prozent). Überdies wollen sie kreativen Köpfen (56 Prozent) eher den Vorzug geben als umsetzungs- und prozessorientierten Mitarbeitern (44 Prozent).

Was Personalern dieses Jahr auf den Nägeln brennt

Der Report untersuchte auch die aktuellen HR-Trends. Danach steht das Thema Mitarbeiterbindung mit 43 Prozent wie im Vorjahr an erster Stelle. Auf Rang zwei und drei stehen ebenfalls wieder die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit (35 Prozent) und die Flexibilisierung der Arbeitsstrukturen (32 Prozent). Auf der Wichtigkeitsskala folgen die Gewinnung neuer Mitarbeiter (30 Prozent), die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur (27 Prozent) und die Vorbereitung der Belegschaft auf die digitale Transformation (23 Prozent). Der Ausbau der Führung im Unternehmen steigt in der Relevanz weiter ab, was laut Studie daran liegen könnte, dass Führung in vielen anderen Themen implizit mit verankert ist und daher nicht als separates Handlungsfeld erachtet wird.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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