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Öffentlicher Dienst: Chancen der Eigendarstellung zu wenig genutzt

Illustration Daumen hoch, Mitte, runter
Daumen hoch, mittig oder runter? Arbeitgeber im öffentlichen Dienst sollten sich mit Bewertungen von Mitarbeitern und Bewerbern beschäftigen. Bild: Brad Pict/Fotolia.de

Die Omnipräsenz von Bewertungen ist nicht mehr zu leugnen. Sei es bei der Buchung einer Unterkunft, der Nutzung eines Online-Shops, dem Besuch einer Autowerkstatt, einer Veranstaltung. Selbst die Frequentierung einer Toilette auf dem Flughafen oder Bahnhof endet zwischenzeitlich mit der impliziten Aufforderung, einen Smiley zur Bewertung von Sauberkeit etc. zu drücken. Alles und Jedes soll oder wird heutzutage bewertet und dies schließt Arbeitgeber und Vorgesetzte selbstverständlich mit ein. So bieten insbesondere die Arbeitgeberbewertungsplattformen Kununu und Glassdoor diese Möglichkeit seit zehn Jahren an und es stellt sich die Frage nach der wirklichen Relevanz. Folgt man einer BITKOM-Studie, so haben bereits 2015 drei von zehn Internetnutzern Bewertungen von Arbeitgebern gelesen und hiervon ließen sich mehr als 75 Prozent durch die Erfahrungsberichte in Ihren Job-Entscheidungen beeinflussen.

Zwei Jahre später präsentiert der HR-Softwareanbieter Softgarden (2017) Umfrageergebnisse und stellt dabei fest, dass zwischenzeitlich 46 Prozent der Bewerber die Arbeitgeberbewertungsplattformen nutzen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung halten 72 Prozent dieser Zielgruppe die Aussagen für verlässlich oder sogar sehr verlässlich, was die Frage nach der heutigen Relevanz von Arbeitgeberbewertungen für das Personalmarketing und Recruiting beantwortet. Grund genug, um sich der Nutzung von Arbeitgeberbewertungsplattformen intensiver zu widmen.

Arbeitgeberbewertungen im öffentlichen Dienst untersucht

Vom 15. Oktober 2017 bis 15. Januar 2018 untersuchte die Hochschule Koblenz 479 Institutionen des öffentlichen Dienstes auf Kununu sowie 303 Institutionen auf Glassdoor (weitere Infos zu den Zahlen siehe ganz unten).

Grafik Anzahl Arbeitgeberbewertungen
Anzahl der gesamten Profilaufrufe und Bewertungen von Arbeitgebern im öffentlichen Dienst auf den Plattformen Kununu und Glassdoor. Quelle: Hochschule Koblenz

Grafik Anzahl Arbeitgeberbewertungen nach Bewertenden
Anzahl der Arbeitgeberbewertungen gesplittet nach den verschiedenen Bewertenden. Quelle: Hochschule Koblenz

Neben der quantitativen Analyse wurde auch eine qualitative Analyse der Bewertungen und Freitextfelder durchgeführt. Zusätzlich erfolgte mit Blick auf die kommunizierten › Benefits eine qualitative Analyse der jeweiligen Homepages der untersuchten Institutionen und Unternehmen. Um einen Benchmark-Vergleich zur Privatwirtschaft zu ermöglichen, wurden zeitgleich 78 Unternehmen (DAX/MDAX) auf beiden Arbeitgeberbewertungsplattformen untersucht.

Hier sind die Infos zu den einzelnen betrachteten Aspekten auf den Plattformen:
› Mitarbeiter-, Bewerber- und Azubi-Score sowie Weiterempfehlungsrate
› Angaben zu Benefits der Arbeitgeber
› Employer Branding-Profile und Arbeitgeberkommentare

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der öffentliche Dienst noch relativ passiv mit dem Thema Arbeitgeberbewertungs-Plattformen umgeht. Nur 7,3 Prozent der untersuchten Institutionen haben derzeit ein Employer Branding-Profil. Die Möglichkeit, Arbeitgeber-Kommentare zu verfassen, wurde nur bei 1,83 Prozent der Bewertungen genutzt (› mehr hierzu).

Fakt ist aber auch, dass Arbeitgeberbewertungen zunehmend von den unterschiedlichen Zielgruppen als Informationsbasis und sogar als Urteilsheuristik für eine Arbeitgeber-Entscheidung genutzt werden. Jenseits der teils nachvollziehbaren Kritiken an solchen Bewertungen bleibt festzustellen, dass sie existent sind, so dass weniger die Frage nach dem “ob”, sondern mehr die Frage zu beantworten ist, wie man mit solchen Arbeitgeberbewertungen (und Plattformen) umgeht. Lässt man Statements wie: “Man kommt als Traube und geht als Rosine” kommentarlos stehen? Oder schlägt man einen aktiven oder im Idealfall proaktiven Weg ein?

Im Vergleich zur Privatwirtschaft haben Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes noch Aufholbedarf. Auf der anderen Seite zeigen die Ergebnisse einiger (weniger) Institutionen, dass sie insbesondere im Umgang mit Arbeitgeberbewertungen eine Vielzahl von Chancen sehen und sie nutzen. Mit einer signifikant besseren Weiterempfehlungsrate bei den DAX/MDAX-Unternehmen wird deutlich, dass es um die wahrgenommene Arbeitgeberattraktivität seitens der Mitarbeiter geht. Denn › Weiterempfehlungsrate und Mitarbeiterscore korrelieren sehr stark.

Dabei konnte festgestellt werden, dass im Rahmen der qualitativen Analyse der Bewertungsfreitextfelder “Pro”, “Contra” und “Verbesserungsvorschläge” beim öffentlichen Dienst am häufigsten die Aufgabenvielfalt, die Sicherheit und die Unternehmenskultur positiv bewertet werden. Als negativ wahrgenommen werden Aspekte wie die Führung, zu viel Bürokratie und die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten.

Wer auf der einen Seite in die Arbeitgeberattraktivität und Arbeitgeberkommunikation investiert und/oder in die Professionalisierung seiner Rekrutierung und seiner Prozesse, der muss sich andererseits auch mit Arbeitgeberbewertungen auseinandersetzen. Die Mitarbeiter und Bewerber tun es auch.

Zahlen: Profilaufrufe und Arbeitgeberbewertungen
Profilaufrufe: Für die 479 Institutionen des öffentlichen Dienstes
konnten bei Kununu 81.939 Profilaufrufe ermittelt werden, während für
die 78 DAX/MDAX-Unternehmen 321.968 Profilaufrufe zu verzeichnen waren.
Bewertungen: Dabei lagen für die Institutionen des öffentlichen Dienstes
gerade einmal 6.667 Arbeitgeberbewertungen bei Kununu und 2.104 bei
Glassdoor vor. Die DAX/MDAX-Unternehmen wurden bei Kununu 28.917 mal und
bei Glassdoor sogar 41.085 mal bewertet.
Wer hat bewertet: Betrachtet man die Arbeitgeberbewertungen des
öffentlichen Dienstes etwas genauer, so entfielen 5.831
Kununu-Bewertungen auf die Mitarbeiter (Glassdoor: 1.882), 666
Bewertungen auf die Bewerber- (Glassdoor: 222) und ganze 170 auf die
Auszubildendenbewertungen.
Die Bewertungen bei den
DAX/MDAX-Unternehmen verteilten sich wie folgt: 24.948
Mitarbeiterbewertungen bei Kununu und 32.638 bei Glassdoor.
Bewerberbewertungen: Kununu 3.510, Glassdoor 8.447.
Auszubildendenbewertungen: 459 bei Kununu.
Bewertungszahlen nach Clustern: Betrachtet man die Arbeitgeber des
öffentlichen Dienstes in den jeweiligen Clustern, so zeigt sich, dass
die Cluster “Energiewirtschaft” mit 1.892 und
“Bildung/Universitäten/FH/Schulen” mit 1.337 Arbeitgeberbewertungen
deutlich häufiger beurteilt wurden als “Kommunalbehörden” (747
Bewertungen) und “Krankenhäuser” (659 Bewertungen).

Autoren: Prof. Dr. Christoph Beck, Hochschule Koblenz und Martina Gronemeyer, Geschäftsleitung, Königsteiner Agentur

+++ Weiterlesen zu einzelnen Ergebnissen der Studie +++
› Mitarbeiter-, Bewerber- und Azubi-Score sowie Weiterempfehlungsrate
› Angaben zu Benefits der Arbeitgeber
› Employer Branding-Profile und Arbeitgeberkommentare

+++ Hinweis +++
Die ausführliche Darstellung der Studie
„Arbeitgeberbewertungen und Arbeitgeberattraktivität im Spiegel der
Mitarbeiter, Bewerber und Auszubildenden – Eine Benchmark-Studie
zwischen dem Öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft“ kann für 295
Euro erworben werden, bitte melden unter info@symposium-oeffentlicher-dienst.de.