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Studie: Worauf es Jobsuchenden heute ankommt

Jobsicherheit
Jobsicherheit steht nach dem Gehalt ganz oben auf der Prioritätenliste von Mitarbeitern. Foto: © thodonal-stock.adobe.com

Neben harten Kriterien bei der Arbeitgeberwahl spielen derzeit auch weiche Aspekte wie flexible Arbeitsmöglichkeiten für Jobsuchende eine besonders wichtige Rolle. Das zeigt die Studie “Werte im Wandel: Recruiting im New Normal” im Auftrag von Xing E-Recruiting, Kununu und Prescre. Dafür wurden im August dieses Jahres 313 Mitarbeiter und 105 HR-Profis in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern befragt.

Mitarbeiterwünsche: Gehalt und Jobsicherheit ganz vorn

Ein angemessenes Gehalt ist für Mitarbeiter immer noch am wichtigsten, wenn es um die Wahl eines neuen Arbeitgebers geht. 59 Prozent der Befragten geben dies an. An zweiter Stelle der Kriterien steht mit 43 Prozent die Jobsicherheit. Es folgen weiche Kriterien: eine angenehme Arbeitsatmosphäre (37 Prozent), flexible Arbeitszeiten (34 Prozent) und die Work Life Balance (27 Prozent). Auffällig ist, dass das Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz während der Corona-Krise gestiegen ist: Zwei Drittel der Mitarbeiter (67 Prozent) sagen, dies habe jetzt größere Bedeutung als vorher.

Die befragten Personaler unterschätzen diesen Wunsch jedoch; lediglich gut ein Viertel (27 Prozent) ist der Ansicht, die Jobsicherheit gehöre zu den wichtigsten Merkmalen eines attraktiven Arbeitgebers. Gleichwohl gehen sie davon aus, dass dieser Aspekt in den letzten eineinhalb Jahren für Arbeitnehmer wichtiger geworden ist. Auch bei der Relevanz des Gehalts für Mitarbeiter liegt HR nicht richtig, denn nur ein Drittel (34) misst diesem Aspekt für Mitarbeiter eine hohe Bedeutung zu.

Dass die Einschätzung von HRlern an der Realität unter den Bewerbern und Mitarbeitern gerade in Pandemiezeiden vorbeizugehen scheint, zeigen auch andere Studien.

Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice auch nach Corona wichtig

Eine angenehme Arbeitsatmosphäre und flexible Arbeitszeiten sind nach Ansicht der Personaler ebenfalls etwas weniger wichtig, als die Beschäftigten dies selbst angeben. Und wenn es um Änderungen der Bedürfnisse seit Corona geht, glaubt HR, der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten und auch Remote Work sei bei den Mitarbeitern wesentlich größer geworden, als es tatsächlich der Fall ist. Doch immerhin fast die Hälfte der Mitarbeiter (47 Prozent) sagt, die Bedeutung flexibler Arbeitszeiten sei für sie gestiegen. Entsprechend erwarten viele Beschäftigte künftig weiterhin flexible Arbeitszeiten sowie die Option, auch im Homeoffice arbeiten zu können. Ein Unternehmen, das keine flexiblen Arbeitszeiten ermöglicht, kommt für 45 Prozent der Befragten eher nicht bis gar nicht in Frage, auch wenn die anderen Faktoren stimmen sollten.

Von den befragten Personalern denken 81 Prozent, dass es Unternehmen, die keine flexiblen Arbeitszeiten anbieten, künftig schwer haben werden, neues Personal zu gewinnen. 29 Prozent der Mitarbeiter sagen, dass sie in Zukunft eher nicht bis überhaupt nicht in einem Unternehmen arbeiten wollen, das kein Homeoffice ermöglicht. Hier gehen insgesamt drei Viertel (76 Prozent) der befragten HR-Vertreter davon aus, dass Arbeitgeber Rekrutierungsprobleme bekommen könnten, wenn sie keine Telearbeit anbieten. HR ist den Mitarbeitern damit quasi voraus oder schätzt das Bedürfnis der Arbeitnehmer zumindest noch höher ein, als es derzeit ist. Der Unternehmensstandort hingegen hat bei der Jobsuche seit der Corona-Krise an Bedeutung verloren: 60 Prozent der befragten Mitarbeiter stimmen der Aussage eher bis voll und ganz zu, sie würden auch für Unternehmen in abgelegenen Regionen arbeiten, wenn sie zu 100 Prozent im Homeoffice tätig sein könnten.

Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen, dass flexible Arbeitsmodelle kein Nice-to-have mehr sind, sondern ein Need-to-have. Das wird auch die Arbeit der Personalbereiche verändern,

sagt Xenia Meuser, Senior Vice President Attract & Retain, Brand & Marketing von Xing E-Recruiting. Sie weist jedoch darauf hin, dass sich viele Mitarbeiter gleichzeitig auch nach einem Alltag mit Kollegen im Büro sehnten. Hier sei es Aufgabe von HR, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Arbeitnehmer besser zu verstehen und Arbeitsplätze nach ihren Bedingungen zu gestalten, so Meuser.

Positives Arbeitgeberimage für Jobsuchende sehr relevant

Außerdem zeigt die Studie, dass ein positives Arbeitgeberimage für drei Viertel der Mitarbeiter (74 Prozent) zu den ausschlaggebenden Kriterien für eine Bewerbung gehört. Rund jeder Zweite (52 Prozent) sagt, dass ein Arbeitgeber ohne transparente Unternehmenskultur nicht für ihn infrage kommt. Auch hier zeigen die Befragungsergebnisse wieder eine Diskrepanz der Einschätzung zwischen Mitarbeitern und HR: Personaler sind der Meinung, dass Kandidaten im Bewerbungsprozess ein besseres Bild der Kultur bekommen als es von ihnen selbst wahrgenommen wird. Als wichtigste Aspekte der Unternehmenskultur nannten die befragten Arbeitnehmer eine offene Kommunikation, Fairness, Respekt und Vertrauen.

HR bezieht Personalberater und Mitarbeiter mehr ins Recruiting ein

Auch das Recruiting selbst hat sich verändert, wie jeder zweite Personaler (52 Prozent) feststellt. Drei Viertel (76 Prozent) denken, dass Active Recruiting künftig einen höheren Stellenwert haben wird. 42 Prozent der HRler geben an, dass sie bereits mehr Active Recruiting mithilfe von Personalberatungen betreiben als vor der Krise und 35 Prozent setzen beim Recruiting stärker auf vorhandene Mitarbeiter. Als Grund für mehr Active Recruiting geben 83 Prozent der Personaler an, Talente hätten mehr Auswahl an potenziellen Arbeitgebern, da 100 Prozent Remote Work möglich sei. 81 Prozent nennen höhere Ansprüche der Kandidaten. 79 Prozent begründen die Entwicklung mit einem steigenden Fachkräftemangel und 66 Prozent sagen, viele Unternehmen investierten in ihr Employer Branding, so dass es schwierig werde, sich von anderen Arbeitgebern abzusetzen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.